Aktuell: Fußball-EM 2016 | Brexit | HIV und Aids | Flüchtlinge in Deutschland und Europa | Zuwanderung Rhein-Main
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Türkei
Berichte, Hintergründe, Analysen zur Türkei und dem Anschlag in Istanbul

22. März 2016

Iran und Türkei : Erdogans Schützling in USA verhaftet

 Von 
Schlüsselfigur im Korruptionsskandal: Reza Zarrab.  Foto: picture alliance / AA

In der Türkei lebt der Unternehmer Reza Zarrab unter dem Schutz des Präsidenten Erdogan. Jetzt nehmen amerikanische Behörden ihn fest - wegen dem Bruch eines Embargos.

Drucken per Mail

Er gilt als die entscheidende Schlüsselfigur im größten Korruptionsskandal, den die Türkei je erlebte. Er stand unter dem Schutz des mächtigen Staatschefs Recep Tayyip Erdogan und war offenbar fest davon überzeugt, dass ihm auch im Ausland nichts geschehen könne. Doch darin täuschte er sich. Wie jetzt bekanntwurde, wurde Reza Zarrab, der Drahtzieher dunkler Geschäfte zwischen der Türkei und dem Iran, bereits am Sonntag im Flughafen von Miami in Florida verhaftet, als er mit seiner Frau und Tochter nach Disneyland fliegen wollte.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 33-jährigen Mulitimillionär Bankbetrug und den Bruch des Iran-Embargos vor; ihm drohen bis zu 30 Jahre Haft in den USA. Mit seiner Verhaftung besteht die Chance, dass die amerikanische Justiz ans Licht bringt, was die türkische bislang hartnäckig vertuscht hat.

Der aus Aserbaidschan stammende Reza Zarrab, der die türkische und iranische Staatsbürgerschaft besitzt, kam bereits einmal spektakulär in Untersuchungshaft – am 17. Dezember 2013 in Istanbul. Damals veranlassten türkische Staatsanwälte landesweite Razzien bei Geschäftsleuten und Politikern aus dem engsten Umfeld des damaligen Ministerpräsidenten Erdogan. Mehr als 50 Personen wurden festgenommen, Millionen Dollar beschlagnahmt. Vier Minister mussten zurücktreten. Zarrab galt als Hauptverdächtiger, dem die Verteilung von Bestechungsgeldern an Minister und hohe Beamte in Höhe von 34 Millionen Euro vorgeworfen wurde.

Die Affäre wurde zur politischen Gefahr für Erdogan. Kurz darauf schlug er zurück. Er erklärte, dass die Korruptionsvorwürfe ein versuchter Staatsstreich der früher mit ihm verbündeten, islamischen Gülen-Bewegung gegen die Regierung seien. Er ließ Zehntausende Beamte, vor allem Staatsanwälte, Richter und Polizeiführer suspendieren, versetzen oder festnehmen.

Die Verdächtigen kamen frei, die Korruptionsermittlungen der gesäuberten Justiz wurden Ende 2014 eingestellt, Zarrab wurde vollkommen rehabilitiert. Erst im vergangenen Juni verliehen ihm Vizepremier Numan Kurtulmus und Wirtschaftsminister Nihat Zeybekci einen Preis für herausragende Exporterfolge; Erdogan saß im Publikum. Der Präsident bezeichnete ihn sogar lobend als „Philantropen“, dessen Geschäfte „dem Land genutzt“ hätten.

In der 19-seitigen Anklageschrift werfen die US-amerikanischen Behörden dem Unternehmer und seinen flüchtigen iranischen Geschäftspartnern Kamelia Jamshidy und Hossein Najafzadeh vor, der früheren Regierung in Teheran von 2010 bis 2015 geholfen zu haben, die internationalen Ölsanktionen gegen den Iran mit einem Netzwerk von Tarnfirmen zu umgehen und Geldwäschetransaktionen von Hunderten Millionen Dollar durchgeführt haben. Insgesamt sieben Zarrab-Firmen in der Türkei sollen in die Operationen verwickelt gewesen sein.

[ Lesen Sie jetzt das EM-Spezial der FR - digital oder gedruckt sechs Wochen lang ab 27,30 Euro. Hier geht’s zur Bestellung. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Dossier

Berichte, Hintergründe, Analysen zur Türkei und dem Anschlag auf Touristen in Istanbul.

Terror in der Türkei

Was Türkei-Reisende jetzt wissen müssen

Spezialeinheiten des türkischen Militärs in Diyarbakir. In der östlichen Metropole des Landes bekriegen sich das türkische Militär und PKK-Kämpfer.

Das Auswärtige Amt empfiehlt Reisenden, sich von Demonstrationen und Menschenansammlungen in größeren türkischen Städten fernzuhalten. Von Reisen ins Grenzgebiet wird generell abgeraten.  Mehr...

Videonachrichten Bombenterror in der Türkei