Wer den Jahresrückblick eines immer selbstgefälligeren Dieter Nuhr bis zum Schluss ausgehalten hatte, fand sich unversehens in einer merkwürdigen Spätausgabe der „Tagesthemen“ wieder, in der Nuhr schon wieder auftauchte – diesmal als Parodie. Dabei hatte der originale Dieter Nuhr gerade erst erklärt, dass man Politiker gar nicht parodieren müsse – sie wären der Parodie ohnehin schon sehr ähnlich.
Leider haben die Macher der „Tagesthemen“-Parodie „Das Ernste“ nicht auf Nuhrs Rat gehört. Während die „heute show“ im ZDF ihre anhaltende Frische gerade dadurch gewinnt, dass sie die echten Fehlleistungen der Politiker im Parlament und vor den Mikrofonen vorführt, setzt die ARD auf die Nachahmung.
Doch gerade die Masken, die die Komiker dabei überziehen mussten, wirkten eher wirken störend - nicht nur, weil alle Figuren ein ähnlich fehlgestaltetes Kinn trugen. Dabei beweist eine Show wie „Switch Reloaded“ seit Jahren, wie Besonderheiten überzeichnet werden können, und zwar ohne übergestülpte Maske, dafür mit einer guten Maskenbildnerin.
Begrenzte Originalität
Die Originalität der Parodien in „Das Ernste“ blieb meist in engen Grenzen. Einen Mesut Özil als sprachgestörten Depp mit Klapperaugen vorzuführen, war sogar regelrecht unfair – der Mann soll nicht als Rhetoriker, sondern als Fußballer glänzen. Die eingestreuten Werbe-Parodien gingen nicht über das hinaus, was technisch begabte Zehntklässler heutzutage bei Youtube einstellen.
„Das Ernste“ ist die neue Satire- und Parodie-Show in der ARD. Die Parodien und Beiträge werden von Anchorman Florian Schroeder im Nachrichten-Stil anmoderiert. Gedreht werden die Sequenzen im „Tagesthemen“-Studio von ARD-aktuell.
Foto: ARD/Thorsten JanderFlorian Schroeder bewies als Moderator zwar den gebührenden Ernst und zeigte als Peter Altmaier, Jogi Löw, Günther Jauch und Reinhold Beckmann seine stimmlichen Verwandlungsküste. Doch was er und seine Kollegen so vortragen mussten, war selten originell oder provokant.
Anflüge von Witz bewies „Das Ernste“ lediglich bei der Selbstparodie, etwa als die Konkurrenz der Talkshows zu einer „Ultimativen Talkshow“ verdichtet wurde, in der sich Anne Will und Sandra Maischberger anschrien, Reinhold Beckmann sich verständnisvoll am Kinn kratzte, Frank Plasberg vergebens seinen Einspielfilm starten wollte und Günther Jauch stoisch von der Karteikarte ablas.
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