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TV-Kritik
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17. Februar 2016

"Das Versprechen" : Mädchenunglück

 Von Judith von Sternburg
Liv (Pauline Rénevier, r.), Fenja (Valeria Eisenbart, l.) und Nele (Emilia Bernsdorf, M.) sind beste Freundinnen. Die drei Mädchen treffen sich nach der Schule oft heimlich in einem leerstehenden Ferienhaus. Sie fühlen sich fremd in dieser Welt und wollen dass ihre Freundschaft ewig währt, daher fassen die drei einen Entschluss.  Foto: ZDF und Marion von der Mehden

„Das Versprechen“ ist der elegische elfte Film der ZDF-Reihe „Unter anderen Umständen“.

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Die ZDF-Krimireihe „Unter anderen Umständen“ neigt ins Melancholische, das macht die kaum widerstehliche Ausstrahlung der Ermittlerin Winter (Natalia Wörner), seltsamerweise aber auch der Kollege Brauner, der nuanchenreiche Martin Brambach. Weniger liegt es am Kollegen Hamm (Ralph Herforth), der diesmal aber an einer Halsentzündung (oder so) leidet und überhaupt nicht sprechen kann. Er kommt daraufhin auch praktisch nicht vor, dafür aber ein munterer Kriminalist aus Dänemark (Magnus Krepper), wo sofort geduzt wird. Komische Leute, die Dänen. 

Frau Winter ist aber gerne dabei, ein bisschen wird schon gleich geäugelt, und eine Zigarettenpackung wechselt den Besitzer (die Nichtraucherin raucht, das erfordern die Umstände). Es geht um deutsches Vokabular, Weltschmerz, Waldsterben, Urangst, Distanzfimmel. Aber Dänisch kann sie nicht, kein Wort, auch wenn sie an der Grenze wohnt. Komische Leute, die Deutschen.

So vergeht die Zeit.

Sagen wir einmal so: „Das Versprechen“ – und man weiß im Film lange nicht, um was für eine Art von Versprechen es sich handelt – lässt kaum durchblicken, dass da eigentlich eine Tragödie erzählt wird. Kerstin Cantz und André Georgi (Drehbuch) lassen nicht einmal durchblicken, um was für eine Tragödie genau es sich handelt. Mädchenunglück steht in ihrem Zentrum, aber gewissermaßen hätte man doch nichts dagegen, es irgendwann etwas genauer zu erfahren.

Die Folge davon ist unerfreulich: Tatsächlich entwickelt sich eine Mixtur aus Elegie im Allgemeinen und Krimiroutine im Speziellen. Vor allem ersteres setzt Regisseurin Judith Kennel liebevoll und ausführlich in Szene. Man sieht drei junge Mädchen, Internatsschülerinnen auf einer dänischen Insel (ein Elterntraum, das Ambiente, die Ruhe), die so sympathisch sind, die auch so vergnügt sind. Was ist bloß los?

Eine von ihnen wird tot am Schleiufer gefunden. Dass sie überhaupt daheim in Schleswig war, zeigt schon, dass etwas schlecht gelaufen ist. Die verzweifelten Eltern (Harald Schrott und Leslie Malton als ziemlich interessantes Paar) ahnen auch, was es war. Viel zu verliebt war die 15-jährige Tochter in einen unmöglichen DJ, den Jimi Blue Ochsenknecht entsprechend unmöglich spielt. Die Zuschauerin darf etwas mehr wissen, sieht vorab, wie das Mädchen durch das erstaunlich spektakuläre Nachtleben von Schleswig taumelt, wie ein braver Junge ihr behilflich sein will, wie – so ist es immer im Krimi, und Eltern können nur hoffen, dass es im Leben anders ist – keiner was tut. Die Polizei holt, zum Beispiel.

Dass der Polizist Brauner (der fabelhafte Martin Brambach, wie gesagt) die Tote kannte, mit den Eltern geradezu befreundet ist, sorgt im ersten Moment für eine verschärfte Krisenstimmung, dann für einen mannhaft verborgenen Kater. Dann wird trotzdem eher gelinde vor sich hin ermittelt. „Das Versprechen“, auch darin dem „Tatort“ vom Vorabend nicht so unähnlich, ist ein Beispiel dafür, dass dunkelschöne Atmosphäre allein nicht automatisch einen starken Fernsehfilm ergibt.

In der ZDF Mediathek ist der Film weiter verfügbar.

 

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