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TV-Kritik
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14. März 2016

"Dengler - am zwölften Tag" : Das ist knapp, aber Papa ist unterwegs

 Von 
Mitica (Robert Alexander Baer, l.v.), Cem (Altamasch Noor, M.) und Laura (Roxane Duran) halten den aufbrausenden Jakob (Jannis Niewöhner, r.) fest.  Foto: ZDF und Boris Laewen

Lars Kraume inszeniert zum zweiten Mal einen Dengler-Thriller: Umstandslos spannend und unkompliziert.

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Das ist nach „Die letzte Flucht“ der zweite ZDF-Film nach einem Dengler-Roman von Wolfgang Schorlau, der Drehbuchautor und Regisseur Lars Kraume bietet dabei einen umstandslosen, äußerst flotten, prächtig besetzten Thriller. In seiner Mitte hockt tatsächlich erneut Birgit Minichmayr als geheimnisvolle Olga, die bei ihr so abgekocht und schlau und fantastisch wurschtig ist, dass man auf keinen Fall etwas verpassen möchte. Warum ist sie dem mutigen, indessen nicht zu tiefsinnigen Ex-Polizisten Dengler, Ronald Zehrfeld, immer einen Schritt voraus? „Weil ich viel intelligenter bin als du.“

Zur Sendung

Der Film: „Dengler – Am zwölften Tag“.

Sendezeit: ZDF, Mo., 20.15 Uhr.

Im Netz: ZDF Mediathek

Offiziell geht es aber um Denglers Sohn, der mit Freunden als Tierschützer in einen Schweinemastbetrieb im Brandenburgischen eingedrungen ist und dort nicht nur verheerende Verhältnisse vorfindet, sondern auch ein menschliches Ohr. Sohn und Freunde werden alsbald von ungemein bösen, bilderbuchhaften Verbrechern festgesetzt. Der Vater braucht eine Weile, um zu begreifen, dass der Sohn überhaupt weg ist – der Vergiss-Tante-Klaras-Geburtstag-Trick entlarvt die fälschlich SMS schreibenden Schwerverbrecher, wie überhaupt etliche Krimi- und Thriller-Klassiker hier frisch und munter wieder auftauchen, darunter auch herrlich unwahrscheinliche Verfolgungsjagden (rasendes Motorrad in unterirdischer U-Bahn-Station treppauf, treppab). Als Dengler dann doch endlich weiß, was los ist, wird er auch in der Sache seines Sohnes hoch aktiv. Er ist auffällig stressresistent.

Kraume fährt groß auf, während er politisch bei den meisten Zuschauern offene Türen einrennen wird. Aber das macht er lässig, ohne nachlässig zu wirken: Die Ausbeutung rumänischer Arbeiter, die Zustände in der Anlage, die Schuldenproblematik unglücklicher Bauern, der sich fatal auswirkende Idealismus der jungen Leute, vieles kommt hier zusammen und wird nicht mehr kompliziert, als die Umstände es erfordern. Hierfür steht zumal Jörg Schüttauf in einer sehr schönen, entschlossen angegangenen Rolle als Oberschurke. Dieser Mann beherrscht sein Handwerk und schlachtet seine Schweine gerne noch selbst, und ob er nachher einen Menschen oder ein Schwein zerlegt, das ist ihm letztlich einerlei. Beim Grillen riesiger Fleischstücke lernt man ihn kennen, sieht ihn in einer Talkshow beim Angeben, ungemein rücksichtslos ist Schüttauf gegen sich.

Am Ende wird es grausig knapp. „Ich wusste, dass du kommst, Papa“, sagt der Sohn. Wo es so kernig zugeht, nimmt man auch ein Märchenminütchen gerne hin.

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