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TV-Kritik
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06. Januar 2016

"Der Sandro Report", ARD: Kleines Meisterstück der Parodie

 Von 
Olli Dietrich als Sandro Zahlemann auf dem Leipziger Hauptbahnhof.  Foto: WDR/Beba Lindhorst

Der Nachrichtenwert von Sondersendungen wie „ARD Brennpunkt" und „ZDF spezial" geht oft gegen null. Olli Dittrich hat sich diese Art von Journalismus nun mit einer halbstündigen Persiflage vorgenommen.

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Wenn irgendwo in der Welt ein außergewöhnliches Ereignis eintritt, eine Katastrophe oder ein Konflikt, dann reagieren ARD und ZDF gern mit Sondersendungen: „ZDF spezial“ oder „ARD Brennpunkt“. Diese meist nicht viel länger als eine Viertelstunde dauernden Beiträge laufen oft nach dem gleichen Schema ab: Moderation, Korrespondenten- und / oder Augenzeugenbericht, Interview mit einem Experten im Studio. Der Nachrichtenwert dieser Art von Journalismus geht oft gegen Null, weil die Fakten noch nicht hinreichend bekannt oder untersucht worden sind; das wirkt dann alles wie mit der sprichwörtlichen heißen Nadel gestrickt und ist deshalb von Medienbeobachtern immer wieder kritisiert worden.

Jetzt hat einer, der seit einiger Zeit eine eigene Art der Fernsehkritik betreibt, sich diese Sendungen und ihre Repräsentanten vorgenommen und mit einer halbstündigen Persiflage der inhaltsleeren Bedeutungshuberei überführt. Olli Dittrich hat den aus seinem „Frühstücksfernsehen“ und dem „Talk-Gespräch“ schon bekannten Reporter Sandro Zahlemann widerbelebt und lässt ihn in einer Tour de Force von einem Großereignis berichten: der Ankunft des Königs von Bhutan auf dem Leipziger Hauptbahnhof. Und erneut ist Dittrich ein kleines Meisterstück der Parodie gelungen: Sein sächselndes Männchen am Mikro, mit Schnurrbart und zerzaustem Wuschelkopf, muss 30 Minuten ohne Schnitt durch die „Live-Schalte“ hetzen (Kamera: Paul Väthröder, Regie am Set: Markus Foag, Tom Theunissen).

Zahlemann will von der Ankunft des Königs aus Bhutan (falsch betont auf dem „a“, wie beim Gas...) in Leipzig berichten, und selbstverständlich ist Politprominenz mit an Bord des neuen ICE der vierten Generation, von dem das Königreich in Fernost gleich 450 Stück bestellen will. Alles also sowas von wichtig, dass man versteht, warum des Reporters Adrenalin-Pegel in den roten Bereich ausschlägt. Die telefonische Verständigung mit einem Informanten unterliegt dementsprechend der Geheimhaltung: „Siamkatze an Backenhörnchen, verstehen Sie mich?“ Siamkatze weiß was, und auch das ntv-übliche Laufband auf dem Bildschirm informiert nun: „Böschungsbrand stoppt Königs-ICE“. Also entert Zahlemann auf der Jagd nach exklusiver den Regionalexpress nach Jesewitz, wo das Ungeheuerliche geschah.

Mit dem Ersten sieht man gut...

Sandro Zahlemann bietet alles, was man von solchen bedauernswerten Aufsagern immer mal wieder erleben darf: das Auftauchen vor nicht erkennbarem Hintergrund wie Kasper in der Kulisse, der herumirrende Blick nach der Kamera und vor allem das Hangeln von einem sprachlichen Versatzstück („Ich bin Ihnen noch den Nebelparder schuldig“) zum nächsten Aussetzer („der Konkurrenz ein Schnäppchen schlagen“). Die von Dittrich auch hier wieder wie nebenbei geübte Kritik am öffentlichen Sprechen zeitigt die schönsten Scherze. Wenn Sandro durch den Zug stolpert, entschuldigt er sich bei den Fahrgästen mit dem Spruch: „Guten Tach, Deutsches Fernsehen, bitte ignorieren!“ Und er beendet seinen Dienst mit einem Satz, der das ZDF freuen dürfte: „Mit dem Ersten sieht man gut.“

Zwischendrin nähert sich Zahlemann doch ziemlich Dittrichs „Dittsche“ an, wenn er über einen neuen ICE schwadroniert und behauptet, die Speisen in der Sushibar dort blieben länger frisch, „wenn der mit dem Fließband gegen die Fahrtrichtung fährt“. Da hat die ungeschnittene Reportage trotz aller Hektik Sandros doch ihre Längen. Aber das wird durch hübsche Gags am Rande wie den Aufdruck „ddr“ (statt „mdr“) auf der Reporter-Jacke und die perfekte Zuschauerbindung wettgemacht, mit einem Preisrätsel der Sport-1-Kategorie: „Welche Farbe hat die schwarze 8 beim Billard?“ Lösungen bitte an „04276 Folgewitz“...

„Der Sandro-Report – Zahlemann Live“, ARD, 7. Januar, 22.45 Uhr. Im Netz: ARD Mediathek.

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