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TV-Kritik
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24. März 2016

„Der Urbino-Krimi: Mord im Olivenhain“, ARD: Der südländische Schlendrian

 Von 
Die angehende Rechtsmedizinerin Malpomena del Vecchio (Katharina Wackernagel) , der gerissene Poliziotto Roberto Rossi (Leonardo Nigro, li.) und Kriminalkommissar a. D. Thilo Gruber (Hannes Jaenicke) sind auf der Suche nach dem Mörder von Prof. Saltari.  Foto: ARD

Acht Tage nach der Premiere gibt es bereits die zweite Ration der Kriminalerzählungen aus dem italienischen Urbino. Eine Woche nur – und schon ist aller Charme perdü.

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In der Vorwoche gesellte sich mit dem italienischen Streifenbeamten Roberto Rossi (Leonardo Nigro) ein Neuer zu den Donnerstagsermittlern des Ersten. Die schnelle Taktung der Ausstrahlung hätte eine engere Verknüpfung der beiden Filme ermöglicht, doch diese Chance wurde vertan. Zwar hilft es, die Auftaktepisode gesehen zu haben, um das Verhältnis Rossis zu seiner Sandkastenfreundin, der blaublütigen Malpomena del Vecchio (Katharina Wackernagel), und vor allem die Gegenwart des deutschen Ex-Polizisten Thilo Gruber (Hannes Jaenicke) zu verstehen. Es geht aber auch ohne. Gruber erklärt sich nochmal, mit fast denselben Worten wie im Premierenfilm.

Statt eine schlüssige Fortsetzung zu schaffen, die sozialen Beziehungen fortzuschreiben, Charaktere weiterzuentwickeln, bringt Autor Andreas Knaup, der sich an einem Roman von Uli T. Swidler orientierte, nun die gängigen Mätzchen deutscher Routinekrimis ins Spiel. Der Mumpitz äußert sich schon im Titel der zweiten Episode, denn der Mord ereignet sich gar nicht im Schatten der erntereifen Olivenzweige. Es muss aber natürlich ausgerechnet das Olivenwäldchen des Poliziottos Rossi sein, wo die Leiche vorübergehend ein Lager findet. Wie sie dort hingelangt ist, lässt sich mit etwas Nachsicht noch hinnehmen. Allerdings stellt sich dann auch die Frage nach dem Warum. Logisch ist der Vorgang nicht.

Ungebetene Unterstützung

Das Handlungselement wurde folglich nur um des Effektes willen konstruiert, zumal auch der Olivenhain von Rossis ungeliebtem Nachbarn Gruber in Mitleidenschaft gezogen wird. Der bekommt für seine Besserwisserei, die er aus einer App seines Smartphones bezieht, von Rossi kräftig Zunder: „Wir hatten Olivenöl, da habt ihr Germanen euch noch in Bärenfett gewälzt.“ Die gesunde Aversion des Einheimischen gegen den Klugscheißer mit Migrationshintergrund wirft erneut ein paar heitere Momente ab, wird aber verwässert, wenn Gruber die italienischen Ermittler mit seinem Fachwissen übertrumpft. Unterschwellig bleibt hängen: diese Itaker mit ihrem südländischen Schlendrian sind halt zu einfältig oder zu unfähig, um ihre Mordfälle ohne die Nachhilfe deutscher Fachkräfte klären zu können.

Aufreizende Aristokratin

Zur Ehrenrettung gibt es immerhin die angehende und sehr begabte Rechtsmedizinerin Malpomena del Vecchio (Katharina Wackernagel), die aber vor dem endgültigen Schritt ins Berufsleben und der damit verbundenen Verantwortung zurückschreckt und neuerdings im Begriff steht, sich mit Blick auf ihre Erbschaft korrumpieren zu lassen. Das will nun nicht mehr recht passen zu der selbst- und karrierebewussten Figur, die im ersten Teil angelegt wurde, so wenig wie der offenbar bei der Sixties-Ikone Emma Peel abgeschaute aufreizende Lederanzug, in den sie in dieser Folge, angeblich aus praktischen Gründen, hineingezwängt beziehungsweise gezwungen wird. Die Malpomena del Vecchio des Premierenfilms hätte gewiss einen praktischen Overall gewählt, so wie er unter Kriminaltechnikern üblich ist.

Originelle Idee am Rande

Auch Regisseur Uwe Janson, dem ansonsten gemeinsam mit Kameramann Marcus Stotz eine hochwertige lichtbildnerische Umsetzung gelingt, greift nunmehr zur Masche. Zu Beginn führt die subjektive Kamera in einen unterirdischen Gang hinab. Völlig unnötig und auch aus der späteren Auflösung heraus gar nicht erklärlich, dass in dieser Einstellung vor dem Objektiv lodernde Flammen zu sehen sind.

Abträglich überdies, dass Rossis Vorgesetzter und der Stadtstreicher Luigi (Axel Neumann) weiterhin als Witzfiguren in Erscheinung treten und dass natürlich Rossis Bruder in die kriminelle Veranstaltung verwickelt ist. Die Präsentation des Täters ereignet sich dann denkbar plump, nach Art einer lässig hingeworfenen Pflichtübung.

Ein Rätsel ganz anderer Art hat Komponist Marcel Barsotti eingearbeitet, nämlich ein Musikstück der Progrock-Legende Pink Floyd. „Erkennen Sie die Melodie?“ im Krimigewand. Am Rande also doch noch eine originelle Idee.

„Der Urbino-Krimi: Mord im Olivenhain“, Donnerstag, 24.3., 20:15 Uhr, Das Erste

 

 

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