Aktuell: US-Wahl | Türkei | Brexit | Flüchtlinge in Deutschland und Europa | Zuwanderung Rhein-Main
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

TV-Kritik
Ausgewiesene Fernsehkritiker und Autoren aus dem politischen Berlin besprechen aktuelle TV-Filme, Krimis und Talkrunden - täglich auf FR-Online.

16. Februar 2016

"Hart aber fair", ARD: "Wir klammern den Krieg aus“ 

 Von Evelyn Bender
Frank Plasberg ließ über die Flüchtlinge in Europa diskutieren.  Foto: imago/Lumma Foto

Eine Kanzlerin gegen 27? "Wohin mit den Flüchtlingen – lässt Europa uns im Stich?“ - darüber sprach Frank Plasberg am Montagabend bei „Hart aber fair“ mit seinen Gästen.

Drucken per Mail

So viel vorweg: In der Sache nähergekommen sind sich die Gäste in der Sendung nicht. Die Positionen und Argumente: absehbar, auch wenn Plasberg immer wieder versuchte, die Gäste aus der Reserve zu locken. Doch die Fronten am Hart-aber-fair-Tresen sind ebenso verhärtet wie die in der EU.

Die Thesen des Abends: 

* Die Willkommenskultur war ein Fehler,  sagt Österreichs Innenministerin. Österreich will an einer Flüchtlings-Obergrenze festhalten, weil mehr einfach nicht zu schaffen sei. Natürlich werde es einen Rückstau geben, wenn Österreich die Flüchtlingszahl wie geplant in diesem Jahr auf 37500 begrenze - und auch „Druckpunkte". Das sei auch gewollt. Wie genau die Obergrenze eingehalten werden kann, wollte Mikl-Leitner nicht sagen - bis auf die Aussage, Asylanträge könnten ja auch erstmal nicht bearbeitet werden und dann würden auch keine Familien nachkommen.

*  Wir müssen die Kontrolle über die Ströme wiedergewinnen, sagt der ungarische Botschafter. Das Haupteinfallstor in Griechenland müsse geschlossen werden, vor allem für Wirtschaftsflüchtlinge. Ungarn ist gegen eine Zwangsverteilung, werde aber sicher an anderer Stelle helfen, glaubt Györkös - etwa durch Personal in den Flüchtlingslagern. "Wir sind bereit solidarisch zu sein. Aber wir wollen nicht in einen Wettbewerb eintreten, was muslimische Gewalttaten anbelangt", sagt der ungarische Botschafter mit Verweis  auf Molenbeek in Belgien. Syrische Flüchtlinge und Dschihadisten in einen Topf zu werfen - für die meisten Gäste aber eine unzulässige Gleichung.

* Es sind Menschen, keine Strömungen, sagt die Chefredakteurin der linken Tageszeitung „Avgi“ in Athen, Kaki Bali, die auch zugab, dass „das an der griechischen Grenze sicher noch besser zu managen“ wäre. "Wir klammern hier in der Diskussion den Krieg aus.“ Leute kämen nicht wegen irgendwelcher Bauprogramme nach NRW, sondern weil sie keine Überlebenschancen sähen in Syrien. 

*  Eine Grenze wird man nie dichtmachen können, gibt Kaki Bali außerdem zu bedenken."Wenn die Menschen verzweifelt sind, werden sie sich andere Routen suchen". Es müsse machbar sein,  vorübergehend „ eine bis drei Millionen Flüchtlinge in einem reichen Kontinent wie Europa zu verteilen". 

* Globale Fragen lassen sich nicht national lösen sondern nur gemeinsam, betont Armin Laschet, NRW-Landesvorsitzender  der CDU.  Mit dem  Rückzug ins nationale Schneckenhaus löse man die Krise bestimmt nicht. "Österreich hat zunächst gut geholfen bei der Bewältigung der Flüchtlingsfrage, aber auch gut geholfen, Menschen in Busse nach Deutschland zu stecken.“  Man stelle sich nur vor: Wenn Deutschland die Grenze nach Österreich  dichtmachte, werde auch Österreich schnell ein Problem. bekommen.

* Wenn wir eine Schicksalsgemeinschaft sind, ist das Schicksal des einen auch das des anderen, schließt Rolf-Dieter Krause.  Die Lösung der Flüchtlingsfrage sei ein Lackmustest für die die Solidarität in der EU: "Nur wenn wir der  Türkei zum Schutz der Außengrenze Flüchtlinge abnehmen, kommen wir der Lösung näher“, so Krause weiter.  "Die  Klugschnacker im Osten sind an der Reihe zu zeigen, was sie von Solidarität in EU halten“. Auch Osteuropa bekomme schließlich viel finanzielle Unterstützung der EU. "Wie soll ein deutscher Regierungschef das künftig rechtfertigen,  wenn Osteuropa sich in der Not nicht solidarisch zeige“, so Krause. „ Es darf auch keine Rosinenpickerei geben. Man kann sich nicht aussuchen, wie man hilft und an welche EU-Beschlüsse man sich hält“ so Krause.  

Klar ist: man müsse jetzt mit den ankommenden Flüchtlingen umgehen, dafür sorgen, dass die Zahl sinkt und vor allem aber auch die Ursache des Problems lösen - die Ursache für die Flucht. 

* Das letzte Wort hat Kaki Bali, und es ist fast ein Appell:  Es gibt doch noch eine Allianz der guten Menschen. …

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Rubrik

Ausgewiesene Fernsehkritiker und Autoren aus dem politischen Berlin besprechen aktuelle TV-Filme, Krimis und Talkrunden - täglich auf FR-Online.

Unsere Kritiker
Daland Segler.

Segler ist langjähriger Medienexperte und Autor der Frankfurter Rundschau. Aktuelle Texte.

Unsere Kritiker
Tilmann P. Gangloff.

Gangloff schreibt seit vielen Jahren Fernsehkritiken für die FR. Er ist auch Juror für den renommierten Grimme-Preis. Aktuelle Kritiken.

Unsere Kritiker
Harald Keller.

Keller ist Medienhistoriker und Buchautor, Dozent und DJ - und gehört immer wieder mal den Gremien des Grimme-Preises an. Aktuelle Kritiken.

Unsere Kritiker
Judith von Sternburg.

Judith von Sternburg ist Feuilleton-Redakteurin der Frankfurter Rundschau. Aktuelle Texte.

Unsere Kritiker
Sylvia Staude.

Sylvia Staude ist Feuilleton-Redakteurin der Frankfurter Rundschau - und Krimi-Expertin. Aktuelle Texte.

Anzeige

Talkshow-Kritiken auf einen Blick
Talkshow-Seiten im Internet
Quiz
Tatort-Logo

Seit 40 Jahren gibt's fast jeden Sonntag im Fernsehen Mord und Totschlag. Mit dem Tatort beweist das öffentlich-rechtliche Fernsehen immer wieder seine Leistungsfähigkeit. Was wissen Sie über die Krimi-Reihe? Testen Sie's!

Fotostrecke
Alle Tatort-Kommissare (20 Bilder)
Film

Die Filmwoche: Was läuft wann in welchem Kino? Alle Neustarts, alle Filme, alle Kinos, alle Zeiten.

Medien