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TV-Kritik
Ausgewiesene Fernsehkritiker und Autoren aus dem politischen Berlin besprechen aktuelle TV-Filme, Krimis und Talkrunden - täglich auf FR-Online.

03. März 2016

„Maischberger“ zu US-Vorwahlen, ARD: Trump - die „Ein Mann AfD“

 Von Andreas Ilsmann
Sandra Maischberger (Archivbild).  Foto: imago/Eibner

Der Erfolg Donald Trumps basiert auf der Politiker-Verdrossenheit eines Teils der Wähler. Ein Phänomen, das auch in Deutschland bekannt ist, wo AfD und Pegida profitieren.

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Berlin –  

Donald Trump hat am sogenannten „Super Tuesday“ die Vorwahlen in sieben Bundesstaaten der USA gewonnen. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird er als Präsidentschaftskandidat der Republikaner gegen Hillary Clinton von den Demokraten antreten. Sandra Maischberger diskutierte mit diesen Gästen über die Frage „Trump for President: Wer versteht  die Amerikaner?“:

- Tom Buhrow (langjähriger USA-Korrespondent und WDR-Intendant). Er zeigt sich von Trumps Erfolg überrascht.

- John Kornblum (ehemaliger US-Botschafter in Deutschland) geht von einem Wahlsieg Hillary Clintons aus.

- Hans-Christian Ströbele, Bündnis 90/Grüne (Bundestagsabgeordneter) hofft auf den Sozialisten Bernie Sanders.

- Nadja Atwal (PR-Unternehmerin) hält Trump für authentisch.

- Debra Milke saß 22 Jahre unschuldig in US-Todeszelle.

Zu Beginn der Sendung gab es einen der wenigen Höhepunkte. Tom Buhrow und John Kornblum stellten übereinstimmend fest, dass der Erfolg Donald Trumps kein amerikanisches, sondern ein westliches und damit auch ein deutsches Phänomen sei. Hier wie dort gäbe es eine zunehmende Unzufriedenheit in der Gesellschaft und eine Verachtung gegenüber dem politischen Establishment. Donald Trump also eine Art „Ein-Mann-AfD“, der sehr erfolgreich Protestwähler anspricht und begeistert.

Einig war man sich in der Runde auch darin, dass sich Trump zwar in die Position eines Top-Favoritin vorgekämpft habe, die Wahl zum Präsidenten aber nicht gewinnen könne. Er habe sich mit seinen Entgleisungen zu weit von der gesellschaftlichen Mitte weg bewegt und dort würden auch in den USA Wahlen entschieden.

Die anschließende Analyse des Phänomens Donald Trump ergab wenig Erhellendes:

- Trump ist nicht so erfolgreich wie er behauptet, denn er ist der Sohn eines reichen Vaters. Mehrere seiner Firmen gingen in Konkurs. Aber das sei bei aktiven Geschäftsleuten nun mal so, meinte Nadja Atwal.

- Trump ist kein Rassist, auch wenn er Moslems und mexikanische Einwanderer auf das Übelste beleidigt.

- Trump ist kein Sexist, auch wenn er Frauen mit schlimmsten Schimpfwörten überzieht.

All diese Entgleisungen setze er bewusst ein, weil er weiß, dass er damit Aufmerksamkeit erregt. So hoffe er weitere Protestwähler zu gewinnen und sich als Präsidentschaftskandidat durchzusetzen zu können. Nadja Atwa nannte Trump gar ein PR-Genie. Über weitere Gründe für den Erfolg des Milliardärs herrschte allgemeine Ratlosigkeit.

Danach plätscherte die Sendung vor sich hin. Es gab Informationen zu Hillary Clinton und einen Rückblick auf die Präsidentschaft Barack Obamas. Den Abschluss bildete ein etwa zwanzig Minuten langes Einzelinterview, das Sandra Maischberger mit Debra Milke führte. Milke schilderte in bewegenden Worten ihre tragische Geschichte. Was dieser Justizirrtum mit dem Thema der Sendung zu tun hatte, blieb unklar. Auch die anderen Talk-Gäste saßen schweigend in ihren Sesseln und wirkten eher irritiert.

Festzuhalten bleibt, dass das Phänomen der Politiker-Verdrossenheit, des Hasses auf das Establishment im gesamten Westen vorkommt. Die exzentrische, streckenweise erschreckende Figur eines Donald Trump ist zum Glück eine amerikanische Besonderheit.

 

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