TV-Kritik

28. November 2012

„Menschen bei Maischberger“ (ARD): Meisterschale um Mitternacht

 Von Torsten Wahl
Diskutieren über 50 Jahre Bundesliga (v.l.n.r.): Giovane Elber, Jörg Wontorra, Sandra Maischberger, Reiner Calmund, vorne sitzen Kai Pflaume, Andrea Kaiser, Edmund Stoiber. Foto: imago sportfotodienst

Zwar stand kein Weißbier auf dem Tisch und Matze Knop als Beckenbauer-Imitator war auch nicht mit von der Partie. Ansonsten aber blieb die ARD-Talkrunde „Menschen bei Maischberger“ ein ganz gewöhnliches Fußball-Fernseh-Palaver.

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Die ARD schreitet weiter voran auf dem Weg zum Fußball-Spartenkanal: Nicht nur an Länderspielabenden, sondern auch an einem ganz normalen Bundesliga-Spieltag bestimmt der Fußball eine Talkshow bis weit nach Mitternacht. Sandra Maischberger hatte eine Runde zum Thema „50 Jahre Bundesliga – Zittern, Jubeln, Weinen“ geladen und einige Devotionalien mitgebracht, darunter sogar die Meisterschale, die Leverkusens Ex-Manager Rainer Calmund nach mehrmaliger Aufforderung sogar mal anfasste.

Dieses Bild dürfte noch am meisten in Erinnerung bleiben von einer fußballseligen Runde, die in seltener Harmonie die Bundesliga als großartiges, gesellschaftsverbindendes Premium-Produkt feierte. Edmund Stoiber und Rainer Calmund konnten immerhin noch auf die Gründung der Bundesliga zurückblicken. Danach wurden all jene Episoden aus 50 Jahren Bundesliga abgefeiert, die selbst jüngere Sportschau-Gucker längst in und auswendig kennen. Gastgeberin Maischberger fungierte als launige Stichwortgeberin: Wie war das noch mal mit der verschossenen Elfmeter anno 1986 in Bremen?

Gern plauschte die Runde über Menschen, die nicht am Tisch saßen, etwa über Uli Hoeneß, Willi Lemke, Rudi Assauer oder Berti Vogts, gern auch über Spiele, die gar nichts mit der Bundesliga zu tun hatten. Erst kurz vor Schluss schnitt Sandra Maischberger nebenbei das Thema Spielergehälter an und fragte, ob deren Höhe gerecht wäre.

Dass die ARD hier eine gewisse Rolle spielt, weil sie die Fernsehgebühren benutzt, um die Konkurrenz beim Wettfeilschen um die Übertragungsrechte zu überbieten, erwähnte Fußballfreundin Maischberger natürlich nicht. Vielmehr freute sie sich daran, dass alle Gäste von ihren größten Fußballmomenten schwärmten. So erzählte Bayern-München-Fan Kai Pflaume, er habe als Kind die geliebten Bayern mal im Leipziger Zentralstadion im Cup der Landesmeister erlebt. Dabei war keine Leipziger Mannschaft zu Lebzeiten eines Kai Pflaume je DDR-Meister oder im Landesmeister-Wettbewerb vertreten. Bayern München duellierte sich in den Siebzigern dafür mit dem 1.FC Magdeburg und mit Dynamo Dresden – wenigstens Edmund Stoiber hätte das wissen können.

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