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TV-Kritik
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02. Januar 2016

„Morgen hör ich auf“, ZDF: Falscher Fuffziger

 Von 
Auf schiefer Bahn: Bastian Pastewka, Susanne Wolff.  Foto: ZDF/Martin Valentin Menke

Martin Eigler und das Autorenkollektiv „Plotpower“ versuchen sich bei ihrer neuen Mini-Serie im ZDF an einer Mixtur aus Drama, Krimi und Komödie – mit dem Komiker Bastian Pastewka als Hauptfigur.

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Fangen wir mit ein wenig Beckmesserei an: Wie viele Läden gibt es wohl noch im Frankfurter Bahnhofsviertel, die nicht über ein Prüfgerät für Geldscheine verfügen? Und wie oft muss einer dort zwischen Kaisersack und Weserstraße einen falschen 50-Euro-Schein wechseln, um auf etwa 16.500 Euro echtes Geld zu kommen?

Diese Fragen hat sich das Autorenkollektiv „Plotpower“, Martin Eigler, Sven S. Poser und Sönke Lars Neuwöhner, offenbar nicht gestellt. Und auch Redakteurin Elke Müller war wohl nicht wichtig, ob die neue ZDF-Serie „Morgen hör ich auf“ so viel Realitätsgehalt aufweisen muss. Den Machern ist wichtiger, dass die Geschichte funktioniert.

Tut sie nicht.

Das Dauer-Wechseln der braunen Scheine, das die Geschichte vom unaufhaltsamen Abstieg des Druckers in den kriminellen Sumpf vorantreibt, legt schon mal einen recht schwammigen Grund für die fünf Folgen dieser Mini-Serie. Erzählt wird vom Druckereibesitzer Jochen Lehmann, der falsche Fünfziger druckt, um der drohenden Insolvenz und damit dem Verlust seines behaglichen Lebens mit Frau und Kindern im Einfamilienhäuschen zu entgehen.

Mittelständler Lehmann scheint völlig überrascht, als an der Tankstelle seine EC-Karte nicht mehr funktioniert. Auch dass man sein Handy mangels Masse auf dem Konto sperrt, wundert ihn. Ein seltsam naiver Unternehmer.

Zur Sendung

Krimiserie: „Morgen hör ich auf“

Sendetermin TV: Samstag, 2.1., 21.45 Uhr, ZDF, folgende Teile jeweils samstags 21.45 Uhr

Im Netz: Infos zur Serie

Er merkt nicht, dass sein Eheweib fremd geht, seine Tochter sich in der Schule als Mini-Domina aufführt, und sein Sohn auch nicht der brave Bub ist, der vor Mitternacht heimkommt. Wie so einer überhaupt zu Heim, Familie und Firma kommt, ist ein Rätsel, das das Drehbuch auch nicht erklären kann. Kein Wunder, dass Bastian Pastewka im Interview erzählt: „Da meckere ich dann rum und sage: "Mensch, ist der Jochen wirklich so einfältig?"“ Ist er. Sonst funktioniert ja die Geschichte nicht.

Tut sie auch nicht.

Dabei siedeln die Autoren (Martin Eigler führt auch Regie) die Handlung recht realitätsnah an. Lehmanns Wohnort Bad Nauheim etwa kommt ebenso erkennbar ins Bild wie Frankfurts Bankentürme. Das ehemals verruchte Bahnhofsviertel als Kulisse ist schön bunt ins Bild gesetzt, die Montage ist flott, Zwischenschnitte mit Andeutungen kommender Katastrophen lockern den Erzählstrang auf. Der Hamster im Rad kommt dabei fast etwas zu oft vor. Aber mit den Details, die den Plot voranbringen sollen, gehen Regie und Buch doch recht großzügig um. Beispiel: Wenn Lehmann, von Ladenbesitzer Damir (herrlich als österreichelnder Gauner: Georg Friedrich) ertappt und eingesperrt, kurzerhand eine Mauer aufbricht und türmt – am helllichten Tag auf der Taunusstraße.

Pastewka funktioniert nicht

Das größte Problem des Films aber ist sein Hauptdarsteller: Bastian Pastewka gelingt es einfach nicht, sich von seinem Image als Komiker zu lösen. Sein Scheitern bei den Versuchen, die schiefe Bahn wieder zu verlassen, haben meist etwas Unbeholfenes – doch er soll gar nicht tapsig wirken. Die Verzweiflung, die ihn anfallen müsste angesichts der existenziellen Bedrohung seines Daseins wird nie erkennbar. Und dass so einer zum Mörder werden könnte – kaum zu glauben. Pastewka als Verbrecher wider Willen ist selbst so ein falscher Fuffziger.

Die Regie tut ein Übriges dazu, indem sie komische Elemente in die Mixtur mischt. Eigler inszeniert Szenen wie den Ehebruch von Lehmanns Frau Julia (Susanne Wolff) nahe am Slapstick. Die Musik (gerne Elvis, der ja in Bad Nauheim stationiert war) dient zudem als ironischer Kommentar zum Geschehen. So schwankt der Film (die ersten beiden Folgen waren vorab zu sehen) zwischen Kleinbürger-Drama und der Tragikomödie eines lächerlichen Mannes – auf Kosten von Glaubwürdigkeit und Spannung.

Die Serie soll „ein Mix aus Komödie, Drama und Krimi“ sein, heißt es denn auch beim ZDF. Aber diese Mischung wirkt so ähnlich wie Brathering mit Schlagsahne. Hat der Sender sie deshalb nicht auf den besseren Sendeplatz um 20.15 Uhr gesetzt, weil er der Rezeptur doch nicht recht getraut hat?

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