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TV-Kritik
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11. Januar 2016

„Schulz und Böhmermann“: „Sie sind kein Psychiater!“

 Von David Segler
Olli Schulz (l.) mit Jan Böhmermann.  Foto: ZDF und Philippe Fromage

Gut aufgelegte Moderatoren und ein für absurde Momente sorgender Gast machen „Schulz und Böhmermann“ zu einer gelungenen Talkshow.

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Vor vier Jahren nahmen sich Charlotte Roche und Jan Böhmermann vor, das etwas verstaubte Konzept deutscher Talkshows aufzufrischen. Die Idee: Verschiedene Gäste, alle mit Macken und besonderen Geschichten an einem runden Tisch, es darf geraucht und getrunken werden, und es soll vor allem kein Blatt vor den Mund genommen werden. Die beiden Moderatoren waren nicht einfach Fragensteller mit Kopfnick-Dauerfunktion, sondern ehrliche, kritisch-direkte und interessierte Teilnehmer der Runde. Das Konzept ging auf, die Show erfreute sich schnell großer Beliebtheit. Unvergessen zum Beispiel der Aufritt von Uwe Boll, der vielen als wohl schlechtester deutscher Regisseur gilt. Statt ihn sanft kritisch auf seine hanebüchenen Filme hinzuweisen, wurde er schon im Einspielfilm gnadenlos an den Pranger gestellt. Daraus entstand Reibung und eine witzige und spannende Gesprächsrunde. Roche und Böhmermann haben sich dann hinter den Kulissen derart verkracht, dass man fast schon die zweite Staffel nicht mehr hinbekommen hätte, nach der dann endgültig Schluss war. Klar aber auch, dass dieses Format irgendwann wieder aufgegriffen werden würde.

Zur Sendung

Die Sendung: „Schulz und Böhmermann“

Sendezeit: Sonntags um 22:45 Uhr auf zdf.neo oder ab 20:15 in der zdf-Mediathek.

Nun geht Jan Böhmermann seit einem Jahr mit seinem „Neo Magazin Royale“ auf ZDF ziemlich durch die Decke. Dazu hat auch seine Radiosendung „Sanft&Sorgfältig“, in der er mit Olli Schulz plaudert, bei vielen  inzwischen Kultstatus erlangt. Deshalb gibt es jetzt also „Schulz&Böhmermann“: Der charmante, aber auch zynische Böhmermann zusammen mit dem aufgedrehten Musiker Schulz. Der Clip seines Auftritts auf der Medienboard-Party während der Berlinale 2013 ist besonders zu empfehlen, denn Schulz versucht da, hinter die Fassade der Menschen auf dieser Geldgeber-Veranstaltung der deutschen Filmelite zu blicken.

Das Konzept hat sich gegenüber der Sendung mit Moderatorin Roche kaum verändert. Vier Gäste, alles ist erlaubt. Die Einspielfilme fallen weg, stattdessen schaut jeder vorgestellte Gast bei der Vorstellung  knapp eine Minute in die Kamera, während Sybille Berg aus dem Off ein paar Zeilen über ihn vorträgt. In der Auftaktsendung sind Deutschrapper Kollegah, Drehbuchautorin Anika Decker, der ehemalige Wetterexperte Jörg Kachelmann und der verurteilte Hochstapler Gert Postel zu Gast. Eine bunte Mischung, die aufgeht. Lediglich Decker, Autorin von Til Schweigers Filmerfolgen, kommt zu kurz, sie passt auch nicht zum Thema der Sendung, das die drei anderen Gäste ein wenig verbindet: Schein und Sein. Dabei wird das Gefängnis zu einer Art Leitmotiv. Kollegah muss sich als Gangster-Rapper damit auseinandersetzen, in seiner Kunst ein Leben zu verarbeiten, das er so nie geführt hat. Kachelmann und Postel haben beide reale Erfahrungen mit der Haft gemacht.

Vor allem Postel ist hierbei ein ideal absurder Gast, da er sich sofort angegriffen fühlt, wenn man ihn – zurecht – auf die Konsequenz seiner jahrelangen Hochstapelei anspricht. Er hat fast zwei Jahre als Oberarzt und Psychiater gearbeitet, ohne dies je gelernt zu haben – eigentlich ist er Postbote. Durch diese Kombinationen entstehen hübsche Momente in der Show, wenn etwa Kollegah Postel fragt, ob der Kachelmann für glaubwürdig und unschuldig halte. Das tut Postel. „Für mich wirkt er auch kein bisschen verbittert“. Böhmermann schreitet ein: „Sie sind kein Psychiater!“. Großer Applaus.

 Nach dem offiziellen Teil der Sendung, man mag das glaubhaft finden oder nicht, reflektieren Böhmermann und Schulz noch über das Geschehene und die Gäste. Immerhin stellen sie fest, dass Frau Decker zu kurz kam und erkennen, dass es solche Leute wie Gert Postel braucht, um diese Runde lebendig zu machen. Dann dürfte „Schulz&Böhmermann“ dem Vorgänger in nichts nachstehen.

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