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TV-Kritik
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08. Januar 2016

„Untergetaucht“, Arte: Ein letztes Aufbäumen vorm Ende

 Von 
„Die Königin“ (Emmanuelle Meyssignac) ist die Chefin von Michel Serrero. Mit ihr kämpft er gegen den Drogenbaron Guillaume Leanour.  Foto: © Mascaret Films/de la Hosseray

In der Diskussion um neue, tatsächlich oder vermeintlich innovative Fernsehserien bleibt das Produktionsland Frankreich oft unbeachtet. Sehr zu Unrecht, wie der Kultursender Arte schon mehrfach bewies.

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Im vergangenen Jahr wurde viel Gewese gemacht um erzählende Fernsehserien. Solche vor allem, die nur gegen Sonderzahlungen erhältlich sind, im Pay-TV oder bei Streaming-Anbietern. Dabei gibt es ganz ohne Zusatzkosten beispielsweise bei Arte regelmäßig hervorragende Serien zu sehen, deren Urheber mit wahrlich außergewöhnlichen Ideen aufwarten. Wenig Beachtung fand beispielsweise „Frankreich gegen den Rest der Welt“, eine verblüffend detailgetreu im Stil der Sechziger ausgestattete zwölfteilige Agentensatire, geschaffen unter Beteiligung von Jean-François Halin, der zuvor an zwei parodistischen Kinofilmen um den James-Bond-Vorgänger OSS 117 beteiligt gewesen war.

In puncto Originalität keine Eintagsfliege, wie jetzt der völlig anders geartete Dreiteiler „Untergetaucht“ bewies. Ebenfalls eine Serie aus französischer Produktion und auffällig schon allein durch die exzellente Fotografie und die Entscheidung für schwarzweiße Bilder. Hauptfigur der Handlung ist der Kriminalbeamte Michel Serrero (Patrick Ridremont), der zu Beginn erfahren muss, dass er an einem Hirntumor leidet und nur noch wenige Monate zu leben hat. Die Krankheit erschöpft ihn, er hat Schmerzen, und er leidet an Halluzinationen. Wände werden zu Pudding, der Wein tropft nach oben Richtung Decke, immer wieder glaubt er zu ertrinken. Die Attacken werden durch Stress hervorgerufen, und so gerät er ein ums andere Mal in heikle Situationen, da er sich, obwohl vom Dienst suspendiert, einer verdeckten Operation gegen eine brutale Drogenbande anschließt und sich als korrupter Bulle ausgibt – ein letztes Aufbäumen vor dem absehbaren Tod. „Du bist krank im Kopf“, sagt einmal einer der Kollegen. „Wenn du wüsstest“, lautet Michels trockene Antwort.

Dealer, Ermittler, Opfer

Gekonnt verknüpfte der Autor Philippe Haim, der auch für die Regie und die Musik verantwortlich zeichnete, die Tragödie des todkranken Mannes mit dem aktuellen Kampf gegen Designerdrogen. Deren Hersteller haben eine gewiefte Methode entwickelt, der Bestrafung zu entgegen: Sie kreieren synthetische Drogen, die süchtig machen, aber, weil völlig neu auf dem Markt, eine Zeitlang legal sind. Ist das Verbot ausgesprochen, wird die Zusammensetzung schnellstens geändert; das Spiel beginnt von vorn. Damit sind die Dealer den Strafverfolgungsbehörden immer einen Schritt voraus. Ein realer Sachverhalt, der den Hintergrund lieferte für die packende Kriminalhandlung. Schlüssig eingebunden war zudem, ein gesellschaftspolitischer Aspekt, die prekären Lebensverhältnisse illegaler Immigranten, die, weil auf Schwarzarbeit angewiesen und ständig von Abschiebung bedroht, anfällig sind für Ausbeutung und Missbrauch.

Zu einem geschlossenen Ganzen wurde die Erzählung durch die Einbeziehung von Michels Tochter Clara (Penelope Leveque), die noch zur Schule geht, aber die Hoffnung auf eine berufliche Zukunft schon aufgegeben hat. Sie leidet schwer unter dem Verlust der Mutter und ist noch dazu unglücklich in einen rücksichtslosen Burschen verliebt. Die häufige Abwesenheit des Vaters, von dessen Krankheit sie nichts weiß, fördert ihre Verzweiflung. Die Handlungsebenen der Drogenbrauer und der Fahnder wurden so ergänzt um das Fallbeispiel eines jungen Menschen, der am Leben verzweifelt, sich von allen verlassen fühlt und Erleichterung bei gefährlichen Betäubungsmitteln sucht.

Ein Kriminaldreiteiler mit Tiefgang also, sinister und zugleich mit hohem Spannungsfaktor. Jede Folge endete offen, mit einem atemraubenden Cliffhanger, und man hätte die Fortsetzung bis zum konsequenten Finale mit Ungeduld erwartet, hätte sich Arte nicht dazu entschieden, alle drei Teile am Stück zu senden. So wird dann also aus einer Fortsetzungserzählung im Grunde ein abendfüllender Film von circa 140 Minuten. Woraus sich einmal mehr die Frage ergibt, warum solche Geschichten überhaupt noch portioniert und nicht gleich en suite erzählt werden.

 „Untergetaucht“ ist als DVD in der Arte-Edition erhältlich.

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