Sie irrte eine Stunde durch Berlin! Diese Behauptung klang fast so, als hätten Stephan Lamby und Michael Wech eine desorientierte hilflose Person gesucht – und nicht die beherrschte deutsche Kanzlerin. Doch das Geschehen am 20. Oktober 2011 war dann doch weitaus weniger dramatisch als behauptet: Angela Merkel hatte einfach einen in diesem Moment eher unwichtigen Termin in Berlin ausgelassen und vom Auto aus wichtige Telefonate mit ihren europäischen Kollegen geführt. Unter dem uncharmanten, fast unhöflichen Titel „Was macht Merkel?“ versuchten die Autoren, die Politik der Kanzlerin in der Eurokrise nachzuvollziehen. Dieses Geschehen wird zumindest im Fernsehen ansonsten ja in den Nachrichten, den Kommentaren oder in den Talkshows abgehandelt – aber eher selten in einer dreiviertelstündigen Reportage.
Mit besonders abwechslungsreichen Aufnahmen kann die „Story im Ersten“ bei diesem Thema ja nicht aufwarten: Merkels Auftritte vor den Mikrofonen und den Fotografen sowie die üblichen an- und abfahrende Autos bestimmen das Bild. Anders als viele Kommentatoren, die immer genau wissen, was in der Eurokrise zu tun ist, halten sich Lamby und Wech mit politischen Bewertungen zurück, zeigen vielmehr auf, wie viele widerstrebende Faktoren der Innen- und Außenpolitik hier eine Rolle spielen.
Dafür ordnen Kollegen wie Wolfgang Schäuble und Peer Steinbrück das Agieren der Kanzlerin ein – und aus den Äußerungen des SPD-Kanzlerkandidaten sprach viel Verständnis und Respekt. Nur Angela Merkel selbst wurde von Lamby und Wech überhaupt nicht befragt. Ob die Kanzlerin ein Interview ablehnte oder gar nicht gefragt wurde, erfuhr der Zuschauer nicht.
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