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TV-Kritik

23. November 2012

Bambi-Verleihung: Glamour und Engagement

 Von Ricarda Breyton
Bambi-Preisträger 2012: Adnan Maral, Gundel Fuchsberger, Joachim Fuchsberger, Felix Baumgartner; Sylvie van der Vaart, Selma Hayek und Ruth Pfau (v.l.).Foto: Getty Images

Bei der Bambi-Verleihung prallen Welten aufeinander: Auf der einen Seite wird die Schwester des Prügelopfers Jonny K. für ihr Engagement gegen Jugendgewalt ausgezeichnet, auf der anderen Seite erhält Felix Baumgartner den „Millennium-Bambi".

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Am „glamourösesten Abend des Jahres“ trug Dr. Ruth Pfau ein einfaches Gewand. Sie weinte keine Freudentränen, sie jubelte nicht und sie gab auch keine Küsschen nach rechts und nach links. Still stand sie am Rednerpult und sagte eine lange Zeit einfach nichts. Sie lächelte nur und ließ die Menschen stehen, die sich ihretwegen erhoben hatten. Schließlich – nach einigen wenigen, aber höflichen Dankesworten – fragte sie: „Wieso geben Sie das Bambi mir? Sie wissen sicher, dass Ihre Welt nicht meine ist.“

Welten prallen aufeinander

Nein, das ist sie wohl nicht. Das Leben von Ruth Pfau spielt sich ab in der Umgebung von Aussätzigen – bei Personen, die von der Gemeinschaft ausgeschlossenen sind – und nicht bei den geselligen und gepflegten Menschen, die bei der Bambi-Verleihung alljährlich zusammen feiern. Mit großer Leidenschaft ist die 83-Jährige in Pakistan unterwegs, um Lepra-Kranken beim Kampf für das Leben zu helfen. Sie hat einen Traum – und erfüllt damit das Hauptkriterium für die Verleihung eines Bambis.

Denn bei der Auszeichnung geht es um „Menschen mit Visionen und Kreativität“, so heißt es bei Burda. In diese Kategorie fällt auch Felix Baumgartner, der mit dem „Millennium-Bambi“ prämiert wurde: Der Extremsportler hatte der Weltgezeigt, dass er sich traut, sein Leben aufs Spiel zu setzen – für einen persönlichen Kick und einen Werbevertrag mit Firma für Energy Drinks. Es waren Welten, die gestern aufeinanderprallten.

Ruth Pfau oder auch Schwester Edith, die in Berlin ein Stift für traumatisierte Kinder betreut und mit einem „Überraschungs-Bambi“ ausgezeichnet wurde, schienen sich trotz der ganzen Huldigungen ein bisschen fehl am Platz zu fühlen. „Ich steh nicht gerne hier, aber ich tu es gerne für die Kinder“, erklärte die Ordensschwester, als sie das schwere Goldkitz und einen Scheck in Empfang nahm. Ähnlich ergehen musste es Tina K. und Rabbi Daniel Alter, die in den Kategorien „Zivilcourage“ und „Integration“ prämiert wurden. 

Tränen für Jonny K.

Tina K. kämpfte mit den Tränen, als sie auf der Bühne vom Tod ihres Bruders und ihres Einsatzes gegen Gewalt berichten sollte. Es war einer der berührendsten Momente des Abends, der ein jähes Ende fand,  als Andreas Gabalier („Shootingstar“) mit seiner Blaskapelle anrückte und „I sing a Liad für di“ schmetterte. Abgang Sentimentalitäten, Auftritt Gute Laune.

Sehr emotional war die 64. Bambi-Verleihung, denn mehr Menschen als früher waren für selbstlose Leistungen geehrt worden. Gefeiert wurde indes von eben jenen, die das immer schon getan hatten. Eine Bambi-Verleihung ist eben die Welt eines Jan Josef Liefers, dem man gerne dabei zuschaute, wie er mit fast kindlicher Freude den „Publikums-Bambi“ für seinen Film „Der Turm“ entgegennahm. Rapper Cro (Pop National) gehört ebenso in diese Welt, wie Alina Levshin (Schauspielerin National), Ulrich Tukur (Schauspieler National) und auch Mercan Türkoğlu, die für ihre Rolle in „Dreiviertelmond“ den „Talent-Bambi“ erhielt und mit ihrem Auftritt die Herzen erwärmte.

Selbst die internationalen Stars Céline Dion (Entertainment) und Salma Hayek (Film International) und One Direction (Pop International) zeigten sich ehrlich erfreut, bei der Verleihung des „wichtigsten europäischen Medienpreises“ dabei sein zu dürfen.

Den Preisträgern des „Sport-Bambis“, Kirsten Bruhn, Julius Brink und Jonas Reckermann merkte man ihr Unwohlsein am ehesten an: „Es nicht ganz einfach, nach solchen Persönlichkeiten wie Ruth Pfau oder Schwester Edith mit so etwas Profanem wie Sport zu kommen“, erklärte Jonas Reckermann etwas verlegen und tat sich zunächst schwer dabei, sich unbedarft zu freuen.  Auch Martina Hill stotterte auf der Bühne, als sie den Bambi in der Kategorie „Comedy“ entgegennahm. Erfrischend leicht waren hingegen die Dankesworte von Josefine Preuß und Elyas M’Barek, die stellvertretend für die Crew von  „Türkisch für Anfänger“ den Bambi „Film National“ empfingen. Mit Steven Amstrup ging der Bambi in der Kategorie „Unsere Erde“ an einen bekannten Eisbärenforscher.

„Integrations-Bambi“, „Unsere Erde-Bambi“, „Millenium-Bambi“ - die Einsatzbereiche des goldenen Rehs waren in den vergangenen Jahren immer ausgefallener und gewagter geworden. Oft genug war die Auswahl der Preisträger mehr als fraglich. Mit dem „Courage-Bambi“  wurde mit Tom Cruise 2007 ein bekennender Scientology-Anhänger ausgezeichnet. Bushido blieb einfach der Skandalrapper, obwohl er doch bei der letztjährigen Verleihung mit dem „Integrations-Bambi“ geehrt worden war. Auch in diesem Jahr hatte es einiges Aufsehen gegeben, als bekannt wurde, dass man sich mit Felix Baumgartner den Anhänger einer „gemäßigten Diktatur „eingeladen hatte. „Heutzutage gibt es ja  für jeden einen Bambi“, erklärte Joachim Fuchsberger, der gestern mit dem „Lebenswerk-Bambi“ ausgezeichnet wurde. „Auch das ist ein Zeichen der Burda-Expansion“.  Dr. Ruth Pfau wird die Expansion vielleicht weniger interessieren. Wohl aber das Rehkitz, das auch in ihrer Welt Gold wert ist. 

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