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31. Januar 2016

Dschungelcamp: Danke, danke, danke

 Von 
Der frisch gekürte "Dschungelkönig" mit den Moderatoren Sonja Zietlow und Daniel Hartwich.  Foto: dpa

Am Ende ist es die immerdankene Nervensäge Menderes Bagci, die im "Dschungelcamp" die Krone holt - die anderen Kandidaten machten es ihm allzu einfach. Insgesamt geht eine unterhaltsame Staffel zu Ende.

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Danke, danke, danke, dass Sie diesen Text lesen. Herzlichen Dank, das ist nicht selbstverständlich. Dass Sie überhaupt noch Zeitung lesen, vielen, vielen Dank dafür. Es ist wichtig, dankbar zu sein. Aber das wissen Sie ja selbst, und offenbar haben Sie es auch vermisst, wie sonst lässt sich erklären, dass DSDS-Nervensäge Menderes Bagci der neue Dschungelkönig ist?

Eine unterhaltsame Staffel geht zu Ende – leider ohne Überraschungen. Schade eigentlich, aber sei's drum: RTL wollte den immerdankenden Menderes mit seiner dauerjammrigen Stimme, aber anpackenden und mitleiderweckenden Art als Gewinner präsentieren. Ja, wenn das Leben schon so traurig ist, dass ein Sieg im Dschungelcamp das Erfolgserlebnis ist, dann gönnen wir ihm wenigstens das.

Menderes Bagci ist dankbar

Auf der Zielgeraden machten es ihm die Mitstreiter aber auch zu einfach. Wer wie Thorsten Legat gegen Frauen und alleinerziehende Mütter poltert, kann es sich schonmal mit dem RTL-Publikum verscherzen. Zudem gefiel die selbstsichere Art dann doch nicht mehr so dolle, zu oft ließ er Menderes blöd dastehen und den wollte man dann doch irgendwie vor der bösen Welt in Form von Legat beschützen.

Toughe Barbie

Und It-Girl Sophia Wollersheim auf Rang zwei überzeugte wohl erst zu spät. Man war dann ja doch überrascht, wie tough die Silikon-Barbie beim Essen von Hoden und Vaginas und anderen Prüfungen war, wie sympathisch und irgendwie normal. Dann aber schaute man sie wieder an, mit ihren riesigen Brüsten und unglaublichen Fingernägeln. Nee, irgendwas stimmt da nicht.

Nach der langweiligsten Staffel ever ever ever, hatte die Jubiläumsausgabe viel Potenzial. Konfro überall. Und wo keine Konfro war, war Kasalla. So ganz wollten sich die Zuschauer aber nicht drauf einlassen – warum sonst musste der Philosoph Prof. Dr. hab. David Ortega zuerst gehen? Und warum wurde der bananenlose Ricky Harris für sein Rumgekeife und Rumgebrülle abgestraft? Stattdessen wollten Sie lieber Model Nathalie Volk, die ihre Rolle als Zicke eisern verweigerte, beim Schönheitsschlaf zusehen.

Aber dann war da ja noch die Furzfrau Höllena. Selten schaffte es eine Camperin, derart schnell derart unsympathisch zu werden wie Helena Fürst. Teamgeist: Zero. Emotionen: Zero. Empathie: Zero. Dafür keifte sie in alle Richtungen, nervte mit Endlos-Diskussionen und ihrer Stimme, die so monoton ist, dass man manchmal überlegte, ob sie Nathalie einfach in den Tiefschlaf gelabert hatte. Mit Legat hatte sie immerhin einen, der es sich nicht gefallen ließ – von einer Furzfrau lässt sich ein Ex-Bundesligaprofi nicht blöd anmachen. Der Frankfurter an sich wundert sich ja nicht: Offenbach halt...

Was bleibt: Höllena will Legat, Ricky und Sophia nicht zum Promi-Dinner in ihre Wohnung lassen. Ist vielleicht auch besser so, man traut ihr mittlerweile ja alles zu, wer weiß, was sie ins Essen mischt. Ob Rolf Zacher, Patient in Pflegestufe 3, bis zur Reunion auf VOX noch lebt, ist unklar. Jenny Elvers blieb ebenso blass wie Brigitte Nielsen, bei der man sich zwischendurch ja schon fragte, wieso sie im Sommer darum stritt, wieder einziehen zu dürfen. Gunter Gabriel hatte seinen großen Moment schon vor dem Einzug, als er ins Meer pisste. Und Jürgen Milski, ja, von dem hatte man sich auch mehr erwartet als lustige Bobbycar-Prüfungen.

Apropos Prüfungen, liebes RTL, das machen wir nächstes Jahr wieder anders, ja? Warum sollten sich die Kandidaten künftig überwinden, wenn alleine Glück entscheidet, ob sie Sterne bekommen oder nicht? Gebt uns mehr Go-Kart, mehr Stand-Up-Paddling!

Ansonsten bleibt nur, Ihnen zu danken, dass Sie diesen Text zu Ende gelesen haben. Danke, danke, danke. Wir sehen uns nächstes Jahr wieder: C'mon! Und danke.

 

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