Zwar besteht die RTL-Masche auch in dieser Show darin, Geschmackloses zum Kult zu erklären. „Hier sind nicht nur die Ohren der Jury in Gefahr“, hieß es zwischendurch, bevor die Gewinnspielfrage gestellt wurde: Wird ein erfolgreicher Song nun „Hit“ oder „Hut“ genannt? Im Fall DSDS müsste man wohl sagen: Ein alter Hut.
Während „The Voice Of Germany“ derzeit mit starken Stimmen und mitunter originellen Coverversionen überrascht, setzt der RTL-Dauerbrenner wie gewohnt auf das Vorführen besonders peinlicher Kandidaten, etwa jenes schlecht säuselnden Vertreters, dem die Musik wichtiger war als die Freundin – die Frau sollte sich ganz schnell einen anderen suchen. Auch die obligatorischen Dieter-Bohlen-Sprüche („Da furze ich ja lauter“) rufen nur noch Gähnen hervor. Seine Beisitzer verraten bisher weder Kompetenz noch Stil: Natalie Horner trägt in der Show offenbar alte Strand-T-Shirts auf und die angebliche „Stilikone“ Bruce Darnell fällt durch grelle Pullis und Gefühlsduseleien auf – aber nicht mit Musikgeschmack.
Beim Auftritt einer lettischen Blondine mit ultrakurzem Minirock wünschte man sich die „Blind Auditions“ der SAT.1-Musikshow herbei – da hätten solche Posen nämlich nichts gebracht. Bei DSDS aber darf Jana weiter das Röckchen heben. Allenfalls zwei Kandidatinnen dieser Casting-Ausgabe versprachen weitere Auftritte, die auch den Ohren wohltun könnten. Die aus Madagaskar stammende Münchenerin Eleonore sang sogar eine Ballade in ihrer Muttersprache, und Musikstudentin Amina bewies, dass im Studium auch die Stimme trainiert worden ist. Doch neben quälenden Selbstdarstellern wie Menderes Bagci und Co stehen echte Talente bei DSDS derzeit auf verlorenem Posten, und zwei, drei gute Auftritte sind zu wenig für eine volle Stunde mit Bohlen und Co.
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