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TV-Kritik

27. November 2012

Hart aber Fair zu privater Vorsorge: Lebensversicherung: Wie schön das klingt

 Von Felix Brumm
Frank Plasberg kennt keine Gnade mit dem gebeutelten Versicherungsexperten. Foto: ddp

Bei Hart aber Fair spricht die Runde um Ursula von der Leyen, Oskar Lafontaine, Wirtschafts- und Finanzexperten diese Woche um private Vorsorge. Ein harter Knochen – dafür aber gut serviert. Buhmann des Abends ist der Versicherer. Das ist nicht ganz fair.

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„Wie schön das Wort klingt – Lebensversicherung…“ säuselt Frank Plasberg zur Begrüßung. Doch dann geht es ziemlich schnell in die Untiefen der Details: „Angespart, angelegt, angeschmiert – Armutsfalle private Vorsorge?“ war am Montag in der ARD sein Thema.

Statistisch gesehen besitze jeder Deutsche  mehr als eine Lebensversicherung, lehrt Plasberg. Doch wie viel ist die noch wert? Kaum etwas, wenn man dem ersten Einspieler rund um eine Rentnerin glaubt, die sich über ihre magere Ausschüttung nach über 20 Jahren Beitragszahlung tief enttäuscht zeigt.

Für Plasbergs Gast, den Wirtschaftsprofessor Max Otte, ist das kaum verwunderlich. Lebensversicherungen hält er für überteuert und kaum renditeträchtig. Ebenso rät Edda Castelló, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Hamburg, davon ab, eine Lebensversicherungen abzuschließen. Zu undurchsichtig, so ihr Urteil. Und die Rendite der meisten Angebote sei am Ende im Regelfall „sehr, sehr schlecht“. Und die Versicherer erst! „Sie gerieren sich als Berater, sind aber eigentlich Verkäufer.“

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen – auch hier wieder in ihrer Paraderolle der patenten Powerfrau – hält eine private Vorsorge für unverzichtbar. „Wir können nicht alles den Jungen aufbürden“, mahnt sie. Es müsse ja nicht gleich eine Lebensversicherung sein, schließlich gebe es viele Modelle. Hauptsache: Transparent ist das Ganze. Bei dieser Gelegenheit gelingt es ihr auch, gleich noch etwas Werbung für ihr eigenes Projekt, die Lebensleistungsrente, zu machen. Mit ihr will sie vor allem Geringverdiener vor Altersarmut schützen.

Anders als Oskar Lafontaine und seine „Partei der Hängematte“. Der ehemalige Finanzminister und Linkspolitiker hält von privater Vorsorge gar nichts. Ältere Leute auf eine Lebensversicherung zu verweisen, hält er gar für ein „Kapitalverbrechen“. Er fordert stattdessen bessere Löhne und preist immer wieder die gesetzliche Rentenversicherung. Nach dem dritten Mal weist Plasberg ihn darauf hin, sich zu  wiederholen.

Plasberg: kein Erbarmen mit dem Versicherer

Peter Schwark vom Verband der Deutschen Versicherungswirtschaft ist der Buhmann des Abends und ständig in der Defensive. Eine undankbare Aufgabe! Sein Motto: „Eine Vorsorge ist immer besser als keine.“ Die Lebensversicherung verteidigt er wacker. Man müsse sie nur eben auch bis zum Ende durchhalten, sonst hieße sie ja Tages- oder Wochenversicherung. Vor 20 Jahren seien bessere Renditen zu erwarten gewesen. Er verteidigt sich gegen „absolute Zerrbilder“. Doch Plasberg kennt kein Erbarmen, grätscht Schwark immer wieder dazwischen. Am Ende merkt er das selbst: „Wollen wir ihm das mal als Werbung durchgehen lassen, nachdem er heute Abend so gebeutelt wurde?“ Plasberg betont Fairness meist nur, wenn er seine eigene Unfairness bemerkt.

Insgesamt ist es ein Abend voller Zahlen und Versicherungs-Fachchinesisch. Plasberg selbst merkt an: „Das ist ja hier wie ein Finanzseminar“. Aber ein notwendiges. Ein Blick auf den Fakten-Check am Tag danach könnte lohnen. Plasberg versprach, alle Behauptungen nachprüfen zu lassen.

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