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TV-Kritik

30. November 2012

Lanz mit Gottschalk: Kniegrabscher trifft auf Knieabstützer

 Von Sarah Mühlberger
Plaudern aus dem Nähkästchen: Die Moderatoren Thomas Gottschalk (r) und Markus Lanz. Foto: dpa

Kuschelkurs statt Schlagabtausch: Thomas Gottschalk zu Gast bei Markus Lanz. Beim Treffen der „Wetten, dass..?“-Moderatoren plaudert sich Gottschalk von einer Pointe zur nächsten, das Publikum kommt vor lauter Klatschen kaum hinterher und Lanz aus dem Strahlen nicht mehr heraus.

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Kuschelkurs statt Schlagabtausch: Thomas Gottschalk zu Gast bei Markus Lanz. Beim Treffen der „Wetten, dass..?“-Moderatoren plaudert sich Gottschalk von einer Pointe zur nächsten, das Publikum kommt vor lauter Klatschen kaum hinterher und Lanz aus dem Strahlen nicht mehr heraus.

Sehr viel Spaß hatten zum Beispiel die beiden Damen aus der ersten Reihe. Nun ist das Lanz’sche Studiopublikum ja ohnehin nicht unbedingt für seine skeptische Haltung bekannt, aber gestern waren der Begeisterung keine Grenzen gesetzt, wer wüsste das besser als die beiden Zuschauerinnen aus der Unschärfe des Hintergrunds.

Kleine Jauchzer, schallendes Gelächter, nachdrückliches Kopfnicken, zustimmendes Tuscheln mit der Nachbarin – es muss der Markus-Lanz-Regie eine helle Freude gewesen sein. Der Mann, der diese Reaktionen hervorrief, war kein geringerer als Thomas Gottschalk, der einst gekommen war, um das Fernsehen zu einem besseren Ort zu machen und gestern kam, um sich und Lanz eine Freude zu bereiten. 75 Minuten Intensivgespräch mit Gottschalk zeigte das ZDF gestern Abend, und Markus Lanz war in der gleichnamigen Show auch manchmal dabei.

Der Anlass war womöglich die dritte „Wetten, dass..?“-Sendung mit Markus Lanz in der kommenden Woche, vielleicht aber auch, dass in dieser Woche die Live-Shows beim „Supertalent“ beginnen, wo Gottschalk ja Juror ist. Dramaturgisch ist ein solches Aufeinandertreffen natürlich verheißungsvoll: Der neue trifft auf den alten Wetten-Dass-Showmaster, die Vergangenheit auf die Zukunft, ZDF auf RTL, der Kniegrabscher auf den Knieabstützer.

Kuschelkurs statt Schlagabtausch

Einen Schlagabtausch hatte wohl hoffentlich trotzdem niemand ernsthaft erwartet, stattdessen wurde es sehr kuschlig. Gottschalk sagte „in aller Klarheit“, dass er Lanz nur das Beste für „Wetten, dass..?“ wünsche, also kein Scheitern, und wenn er eines Tages die große ARD-Samstagabendshow moderieren sollte, dann aber bitteschön nicht an den Abenden, an denen Lanz an gleicher Stelle im ZDF wirkt. Applaus.

Wo das also geklärt war, blieb nur eines: „Wollen wir aus dem Nähkästchen plaudern?“, fragte Gottschalk und Lanz antwortete ihm: „Ein bisschen, gerne.“ Es ging denn auch um alles: um das Leben, die Liebe, um die Generation Internet und um Probleme wie das Overhoused-Sein (es scheint ernst zu sein, aber Lanz und Gottschalk sind glücklicherweise wohl nicht betroffen).

Lanz musste nur ein Stichwort geben, zu mehr kam er auch nicht, und Gottschalk plauderte sich von einer Pointe zur nächsten, das Publikum kam vor lauter Klatschen kaum hinterher und Lanz aus dem Strahlen nicht mehr heraus. Hin und wieder schaffte es der Moderator, eine eigene Anekdote unterzubringen, um thematische Zusammenhänge musste er sich da nicht groß scheren, er ist immerhin der Herr im Haus. Noch mehr Freude als Lanz und sein Publikum hatte nur der Ehrengast selbst, der es sichtlich genoss, die Aufmerksamkeit einen Abend lang mal wieder für sich allein zu haben.

Gottschalk lässt kein Witzchen liegen

Die Redaktion hatte viele alte Gottschalk-Archivbilder herausgesucht und Lanz sich Gottschalks würzigste Zitate aus den letzten 30 Jahren auf die Karteikarten geschrieben. Anfangs verband er sie noch mit einer Art Frage, später reichte die bloße Wiedergabe völlig aus: „Du hast mal gesagt: ‚An Scheidung habe ich nie gedacht, an Mord hingegen öfter’“. Gelächter. Jeder Spruch ein Treffer. Gottschalk ließ auf der anderen Seite, vom Zuspruch des Publikums beflügelt, kein Witzchen liegen. Lanz: „’92 dann die Schlagzeile...“, Gottschalk: „Ich bin noch keine 92“, Publikum: großes Gelächter.

Natürlich teilten die beiden Männer auch ihr gemeinsames Leid: das Missverhältnis zwischen der Bewunderung des Fernsehzuschauers und der Häme des Fernsehkritikers. Und da wurde wieder viel geklatscht und gelacht und genickt im Publikum, wie überhaupt den ganzen Abend lang, was ja dann wohl nichts anderes bedeuten kann, als dass es ein sehr gelungener Fernsehabend war.

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