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TV-Kritik

21. November 2012

Maischberger TV-Kritik: Heilloses Durcheinander statt Diskussion

 Von Sarah Mühlberger
Sandra MaischbergerFoto: dpa

„Feindbild Sinti und Roma: Sind wir zu intolerant?“ lautete der Titel von Sandra Maischbergers Talkshow. Statt sich des Themas sachlich anzunehmen, wird durcheinander geredet und gestichelt, Moderatorin Maischberger sitzt fast hilflos dazwischen. Die leisen Gäste der Runde kommen kaum zu Wort.

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Für Nizaqete Bislimi blieb am Ende wenig Zeit, Sandra Maischberger musste den Lebenslauf der jungen Rechtsanwältin fast stichwortartig nacherzählen. „Wir haben mit Frau Bislimi zeigen wollen – und das ist uns ganz wichtig“, betonte die Moderatorin, „dass es auch anders geht.“ Es wirkte wie ein letzter verzweifelter Versuch, der Sendung eine Struktur zu verleihen und dem Gesagten nachträglich einen übergeordneten Sinn.

„Feindbild Sinti und Roma: Sind wir zu intolerant?“ lautete der Titel der gestrigen Ausgabe von Sandra Maischbergers Talkshow. Als Stellvertreter der Politik saßen Claudia Roth, frisch wiedergewählte Grünen-Vorsitzende, und der bayerische CSU-Innenminister Joachim Hermann nebeneinander auf der Couch. Die beiden hatten sich erwartungsgemäß gleichzeitig viel und nichts zu sagen.

Eine zweite Couch teilte sich Romani Rose, der Vorsitzende des Zentralrats der Sinti und Roma, mit Philipp Gut, dem stellvertretenden Chefredakteur der Schweizer Weltwoche. Gut verteidigte das Titelbild seines Magazins aus dem April, auf dem unter der Schlagzeile „Die Roma kommen“ ein kleiner Junge eine Pistole auf den Betrachter richtet. Der Titel passe perfekt zum Artikel, bekräftigte Gut noch einmal, nicht nur deswegen beschimpfte ihn Romani Rose als „Rassisten“. Die beiden Männer redeten gleichzeitig drauflos, nicht aufeinander ein, sondern vielmehr nebeneinander her, zu verstehen war jedenfalls nichts – außer ihrer gegenseitigen Antipathie.

Maischberger schafft keinen Rahmen

Auf Twitter liefen derweil die ersten Spekulationen, wer die Runde vorzeitig verlassen würde. Sandra Maischberger gelang es einfach nicht, einen ruhigen Diskussionsrahmen zu schaffen. „Tun Sie mir den Gefallen, lassen Sie uns nicht noch über Syrien reden“, flehte sie irgendwann noch, aber da ging es eh schon heillos durcheinander und kommunikativ alles aneinander vorbei.

Der Schweizer Journalist sprach von sogenannten Fakten und „unserem Sozialstaat“, Romani Rose von einer Ku-Klux-Klan-Durchsetzung der deutschen Polizei. Claudia Roth bemühte sich, maximales Verständnis für die Situation der Sinti und Roma auszustrahlen, und Joachim Hermann schärfte sein CSU-Hardliner-Profil.

Mitten in diesem Chaos saß außerdem ganz ruhig der 26-jährige Damir Kovani, der Deutschland als seine Heimat ansieht und in Kürze gemeinsam mit seiner Frau und ihren vier Kindern abgeschoben werden soll. Und natürlich war die Juristin Nizaqete Bislimi zu Gast, für die so wenig Zeit war. Stattdessen war Raum für Szenen aus einem WDR-Film über ein Duisburger Mietshaus: Roma unter sich, arme Deutsche verdrängt, überall Menschen, überall Müll – man kennt diese Art Fernsehbilder.

„Das Thema Integration“, sagte Sandra Maischberger in ihrem Schlusswort, „nehmen wir uns beim nächsten Mal vor – in aller Ausführlichkeit“. Der Bedarf ist da, so viel zumindest wurde gestern Abend deutlich.

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