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TV-Kritik
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21. Januar 2016

Menschen bei Maischberger, ARD: Kampf gegen organisierten Kindesmissbrauch

 Von Andreas Ilsmann
Manfred Paulus, Andreas Huckele, Julia von Weiler, Gisela Friedrichsen und Johannes-Wilhelm Rörig zu Gast bei "Menschen bei Maischberger" zum Thema "Sexobjekt Kind: Kampf gegen organisierten Missbrauch".  Foto: imago/Horst Galuschka

Fünf Experten diskutieren sachlich und ruhig über ein hochemotionales Thema. Das macht die sonst kaum vorstellbare Auseinandersetzung damit für den Zuschauer erst möglich.

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"Sexobjekt Kind: Kampf gegen organisierten Missbrauch" - mit diesem Thema beschäftigte sich die zweite "Maischberger"-Ausgabe im neuen Jahr im Rahmen eines ARD-Themenabends. Die Gäste im Studio waren Julia von Weiler (Psychologin und Vorstand der Kinderschutzorganisation "Innocence in danger"), Manfred Paulus (Ex-Kriminalhauptkommissar), Johannes-Wilhelm Rörig (Beauftragter der Bundesregierung), Gisela Friedrichsen (Gerichtsreporterin beim Nachrichtenmagazin "Der Spiegel") und Andreas Huckele (als Schüler Missbrauchsopfer an der Odenwaldschule).

Die Sendung wurde direkt im Anschluss an den Spielfilm "Operation Zucker.Jagdgesellschaft" ausgestrahlt, der sich ebenfalls mit dem Thema Kindesmissbrauch auseinandersetzte. Das Fehlen von Politikern und anderen Talkshow-Profis auf der Gästeliste ließ auf eine ruhige und sachliche Diskussion hoffen.

Die Talk-Gäste waren kurz nach dem Ende des Films sichtlich bewegt und stimmten darin überein, dass der Film sehr nah an der Realität war. Der frühere Odenwaldschüler Andreas Huckele meinte, die Bilder seien für ihn kaum auszuhalten gewesen. Aber der Missbrauch an seiner Schule habe ihn nicht zerstört. Er habe sich entschlossen dagegen anzukämpfen. Die Psychologin Julia von Weiler hatte während des Films in einem Chat mit Zuschauern gesprochen. Sie bestätigte, dass Opfer von sexualisierter Gewalt oft auch sehr stark sind, denn sie haben viel durchgemacht. Erschütternd war von Weilers Bericht, dass selbst mutmaßliche Täter sich im Chat zu Wort gemeldet hätten, um ihre Taten zu verharmlosen.

Zur Sendung

"Menschen bei Maischberger": Sexobjekt Kind: Kampf gegen organisierten Missbrauch. ARD, 20.01.2016.

Wiederholungen im TV: 21.01., 01:55 Uhr, DasErste, 22.01., 02:25 Uhr, MDR, 24.01. 00:00 Uhr, 3Sat.

Eine wichtige Frage in der Gesprächsrunde war, wie es seien kann, dass die im Film gezeigten Ringe von  Missbrauchstätern in der Öffentlichkeit kaum bekannt sind. Der frühere Kriminalhauptkommissar Manfred Paulus beschrieb, dass die Täter sich als verfolgte Minderheit fühlten, deshalb eine verschworene Gemeinschaft bildeten und so nur schwer zu fassen seien. Die pädophilen Tätern entdecken ihre Neigung sehr früh und tun deshalb alles, um in der Gesellschaft nicht aufzufallen. Sie sind überangepasst und machen Karriere, so der erfahrene Ermittler. Außerdem neigten solche Täter dazu, sich Berufe zu suchen, bei denen sie leicht an Kinder heran kämen, wie zum Beispiel Pfarrer oder Lehrer.

Kindesmissbrauch ist laut Julia von Weiler für die Täter auch ein riesiges Geschäft. Mehrere zehntausend Euro würden teilweise für einen Film bezahlt, der den Missbrauch zeigt. Was für eine schockierende Vorstellung, dass mit dem schrecklichen Leid der Opfer auch noch solche Geschäfte gemacht werden.

Besonders eindrücklich waren die Schilderungen von Andreas Huckele. Er war als Schüler der berühmten reformpädagogischen Odenwaldschule über Jahre hinweg vom Schuldirektor missbraucht worden. Er sei vor Schock und Scham “eingefroren”, wenn der Lehrer ihn wieder und wieder gewalttätig missbrauchte. Hinzu kam, dass den Opfern an der Odenwaldschule lange Zeit nicht geglaubt wurde. Dies sei leider häufig der Fall, ergänzte Manfred Paulus.

Um gegen Missbrauch vorzugehen sei es sehr wichtig, nicht hysterisch zu reagieren, wenn ein Verdacht aufkommt, so Julia von Weiler. Entscheidend sei es daher, sich professionelle Hilfe zu holen. Der Beauftragte der Bundesregierung kündigte in diesem Zusammenhang an, dass in Kürze eine unabhängige nationale Kommission gegründet wird, an die sich Missbrauchsopfer wenden könnten, auch wenn die Taten schon länger zurück liegen.

Die aktuelle “Maischberger”-Ausgabe lässt den Zuschauer angesichts der Schilderungen erschüttert und auch ratlos zurück, überzeugte aber von Beginn an durch eine angenehm ruhige und sachliche Gesprächsatmosphäre. Bei dem hochemotionalen Thema einerseits überraschend, andererseits aber angemessen den Opfer gegenüber.

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