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TV-Kritik
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31. Januar 2016

Tatort "Hundstage" : Das Diszi und die irre Hitze

 Von 
Enger Familienzusammenhalt: Judith Stiehler (Anne Ratte-Polle) mit Paul Stiehler (Dirk Borchardt, r.) und Jonas Stiehler (Patrick Mölleken, 2.v.l.).  Foto: WDR/Wolfgang Ennenbach

Fahrig, aber fesselnd: Der Tatort "Hundstage" ist ein gelungener Hochsommerkrimi. Wieder einmal geht es um ein Kind, das vor langer Zeit verschwunden ist. Ermittelt wird in Dortmund.

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Schon wieder – nach dem Polizeiruf „Und vergib uns unsere Schuld“ und dem ZDF-Krimi „Amnesie“ – geht es um das ungeklärte Verschwinden eines Kindes, das viele Jahre später die Polizei erneut beschäftigen muss. Hier nun die Tatort-Variante aus Dortmund, ein fahriger, aber fesselnder Hochsommerkrimi. 

Die titelgebenden „Hundstage“ eröffnen die dafür typischen psychologischen Freiräume. Faber (Jörg Hartmann), der in der Hitze zusätzlich im Nachteil ist, weil er ohne seinen Parka nicht denken kann, liefert sich mit einem auch nicht gerade auf den Mund gefallenen Psychologen Gefechte. Sie sind origineller, als man bei den ersten Sätzen annimmt (das gilt für Christian Jeltschs Laune machende Dialogführung generell).

Die Frage in der Sitzung, weshalb er Polizist geworden sei, stürzt Faber nach Hohn, Abwehr, zornigem Abdampfen in eine Sinnkrise. Auch bekommt er von dem Kollegen Kossik (Stefan Konarske) auf die Nase gehauen und haut zurück. Hintergrund für all das ist das Diszi gegen ihn, wie Kossik es nennt („Hat er wirklich Diszi gesagt?“, fragt Faber), aber eben auch das Wetter. Es zwingt zum Trinken von allem Möglichen, zum Rumküssen, Rumschreien und Rumhängen.

Faber und Bönisch (Anna Schudt) kehren so ausfühlich an einer Imbissbude ein, als sollte der Nachweis erbracht werden, dass die Currywurst am Ende doch nicht ins Rheinland, sondern ins Ruhrgebiet gehört. Regisseur Stephan Wagner sorgt dafür, dass die Hitze zum Greifen ist. Antizyklisches Filmwetter, immer eine gute Sache, aber nicht immer so gut gemacht wie hier.

Schauriger Fall

Der Fall selbst, dem sich die Polizei immer nur zwischendurch mit voller Konzentration widmen kann, trägt schaurige Züge. Und zwar in dem Gesicht von Maren Eggert in der ungewohnten, aber vorzüglich ausgefüllten Rolle als austherapierter Mutter des damals verschwundenen Kindes. Jetzt meint sie, es auf der Straße wiedergesehen zu haben. Ob sie sich da so sicher sein könne, fragt Faber. Nur ein Mensch, der kein Kind habe, sagt sie, könne eine solche Frage stellen. Faber geht erstmal aus dem Zimmer. Es sind schlimme Tage für ihn. 

Zur Sendung

Krimi: „Tatort: Hundstage“.

Sendezeit: So., 20.15 Uhr. Danach verfügbar in der ARD-Mediathek.

Recht elegant entwickelt „Hundstage“ eine Geschichte, die man zwar auch wirklich nicht zu ernst nehmen darf, in der sich aber doch Abgründe auftun. Sie stecken hinter teils schnieken, teils zutiefst bodenständigen Dortmunder Fassaden. In den Gärten spielen Kinder mit dem Gartenschlauch, neben Bönisch werden sich Abertausende Zuschauer daran erinnern, dass sie selbst einmal die Sommernachmittage so verbrachten.

Ja, es ist ein Tatort für all jene, die ihren Frieden geschlossen haben mit dem sorglos aufdringlichen Dortmunder Konzept und sich längst für alles interessieren, was das seltsame Quartett betrifft – in dem Nora Dalay (Aylin Tezel) wieder Pfiff beweist; trotzdem neigt sich die Waage der Sympathie der älteren Jugend zu.

Außer dem Satz „Ohne meinen Parka kann ich nicht denken“ sollte man auch die nicht für den Tatort erfundene, von Bönisch aber doch sehr schön platzierte Wendung „Hätte, hätte, Mopedkette“ bei nächster Gelegenheit wieder aufgreifen.

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