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TV-Kritik
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21. Februar 2016

Tatort : Kein gelobtes Land

 Von 
Thorsten Lannert (Richy Müller) will, Lela (Florence Kasumba) in Sicherheit bringen, die auf der Suche nach ihrem Mann und ihrem Sohn von den Schleusern verletzt wurde.  Foto: SWR/Johannes Krieg

Der Tatort "Im gelobten Land" macht den Kampf gegen Schleuser zum Thema, es geht um Menschen, die auf der Flucht in einem Laster ersticken. Zermürbend für die Kommissare: Sie hätten das Unglück verhindern können.

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Das Sterben von Menschen auf der Flucht – während sie hoffen, Sicherheit zu finden – macht der neue Stuttgart-Tatort nicht nur zum Thema, sondern zu einer die Kommissare schwer belastenden Schuldfrage. Sie konnten nicht wissen, dass der von ihnen observierte Laster Menschen enthielt, die erstickten, während sie warteten. Sie machen sich trotzdem Vorwürfe, natürlich. Warum haben sie das Fahrzeug nicht einfach eine Stunde früher geöffnet? Warum wollten sie partout auf Drogenhändler warten, die nicht kamen? Kommissar Lannert, Richy Müller, wollte die Überwachung früher abbrechen. Aber wie soll er darauf hinweisen, dass er am Ende recht hatte, wenn nun 23 Menschen tot sind? Antrieb der weiteren Handlung ist sein Wunsch, wenigstens den gleichen Fehler nicht zwei Mal zu machen. 

 „Im gelobten Land“ macht – nach einem Drehbuch von Christian Jeltsch und in der Regie Züli Aladags – schon bald sehr klar, dass auch nach einer sicheren Ankunft nicht alles gut ist. Familienangehörige sollen nachkommen. Das Warten im Flüchtlingsheim auf das Kind, den Mann, auf eine Wohnung, auf einen Job zerrt an den Nerven. Und dann behauptet der Polizist, das Kind könnte umgekommen sein.

Zur Sendung

Der Krimi: „Tatort: Im gelobten Land“: 

Sendezeit: ARD, So., 20.15 Uhr.

 

Ein wenig gibt Richy Müller hier den Til Schweiger: Am Anfang sieht man ihn, wie er mit ans Lenkrad gefesselten Händen Auto fährt. Dann wird er verletzt, läuft ihm das Blut durch den Ärmel. Dann versucht er sich trotzdem als Einzelheld. Wie im Fernsehkrimi mittlerweile üblich, ist bei weitem nicht alles plausibel. Ein Auftragsmörder geistert herum, aber wer schickt ihn und warum? Egal. Ein unbekannter Zivilist darf, nur, weil er gesagt hat, er kenne sich in dem Gebäude aus, unmittelbar hinter dem SEK herdackeln? Interessant. 

Kommissar Lannert nimmt die Dinge diesmal sehr persönlich, Richy Müller zeigt ihn strapaziert, spitzgesichtig, ungerecht. Kollege Bootz, Felix Klare, schnappt zurück: „Du bist nicht der einzige, dem das Ganze hier was ausmacht.“ Der Kollege vom Drogendezernat rät, ein Superman-Kostüm anzuziehen und fliegen zu lernen. „Blöder Bulle“ schickt Lannert ihm hinterher; was dann doch irgendwie lustig ist.

Aber gleich wendet sich dieser Tatort wieder gewichtigeren Fragen zu. Der zum Beispiel, ob Schleuser und Polizei ihr Katz-und-Maus-Spiel nicht allemal zu Lasten der Flüchtlinge spielen. Oder der, ob die Polizei Abkürzungen nehmen darf – Lannert jedenfalls tut es, trotzig. 

Schnell, hart, konsequent dunkel und mätzchenfrei versucht dieser Tatort zu sein. Es wird viel mit Waffen rumgefuchtelt. Das SEK in voller Montur durchkämmt ein ganzes Flüchtlingsheim. Thorsten Lannert hat ein längeres Duell mit einem Schleuser und dessen Schwester. 

Immerhin bleiben einige Momente, sich mit den Menschen in der Unterkunft zu beschäftigen. Ein älterer Mann bekommt vor Schreck über den Polizeieinsatz einen Herzinfarkt. Einer, der in seiner Heimat ein Dichter war, kann sich nur noch in abgeschlossenen Räumen aufhalten. Und die in ihrer Heimat Gefolterte wartet auf ihren Sohn.

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