Respekt wird eingeklagt. Respekt den deutschen Soldaten gegenüber. Ein ehemaliger Soldat sieht in der Debatte darüber, ob der Einsatz in Afghanistan sinnvoll sei oder nicht einen Mangel an Respekt gegenüber den Soldaten. Die Grünen-Abgeordnete Kerstin Müller meint, man solle angesichts toter Soldaten nicht einfach weiter den Einsatz in Frage stellen, sondern erst einmal innehalten und den Toten Respekt erweisen.
Die Toten häufen sich jetzt. Hielte man sich an Frau Müller, man hätte keine Gelegenheit mehr, sich gegen den Krieg zu äußern. Vor lauter Innehalten und Respekt erweisen. Außerdem: Respekt wovor? Das wurde uns nicht erklärt. Vor dem Mut der Soldaten? Vor der Bereitschaft ihr Leben hinzugeben? Ich kann davor keinen Respekt haben. Ich habe das Gegenteil. Ich habe Mitleid. Sie werden verheizt für eine Idee vom Krieg gegen den Terrorismus, die seit acht Jahren scheitert.
Roger Willemsen und Gregor Gysi erklären, dass sie, gerade weil sie auf Seiten der Soldaten stehen, gegen die Fortsetzung des Krieges sind. Das erscheint mir logischer als der Aufschrei nach Respekt für die Soldaten. Der Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel erklärt, militärisch sei der Konflikt um Afghanistan nicht zu gewinnen, aber der zivile Aufbau bedürfe der militärischen Absicherung.
Michael Wolffsohn, Historiker an der Hochschule der Bundeswehr, hat ein anderes Kriegsziel. Aufzubauen gäbe es auch in anderen Ländern sehr viel. In Afghanistan werde unsere Sicherheit verteidigt. Das Land sei Rückzugsgebiet und Ausbildungsstätte des internationalen Terrorismus. Er zählt noch ein paar weitere Länder auf, für die das gilt. Saudi-Arabien schließt er ausdrücklich aus.
Roger Willemsen erinnert daran, dass nach Untersuchungen des US-Geheimdienstes es in Afghanistan ganze sechs- bis achttausend kämpfende Taliban gebe. Tendenz allerdings steigend. Dank unseres Krieges gegen den Terrorismus, meint Gysi. Der Entwicklungshilfeminister erklärt, der militärische Einsatz in Afghanistan sei alternativlos. Ohne ihn würde man Afghanistan den Taliban überlassen und in dem hochexplosiven afghanisch-pakistanischen Gelände riskieren, dass der internationale Terrorismus Atombomben in die Hände bekäme.
2011 gehen die Amerikaner, erinnert Roger Willemsen. Wollen Sie ohne die Amerikaner bleiben? Glauben Sie, dass Sie innerhalb eines Jahres schaffen, was in den acht Jahren davor nicht geschafft wurde? Der Minister antwortet, dass man in diesem einen Jahr so viel Geld in das Engagement geben werde, wie in allen Jahren zuvor zusammen. Das klingt eher verzweifelt als überzeugend.
Eine aufgeregte, eine hitzige Debatte. Niemand hat eine Lösung. Aber die einen sind bereit, für ihre Nichtlösung Soldaten sterben und töten zu lassen. Der Verteidigungsminister nennt dann die, die das für ihn tun: Helden.
Wir sind wieder wer.
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