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TV-Kritik "Beckmann": Lächeln für den Krieg

Karl-Theodor zu Guttenberg sagt bei Beckmann nichts Neues. Und dieser lässt den Verteidigungsminister davonkommen. Man fragt sich angesichts der Posse, was wir noch in Afghanistan verloren haben. Von Natalie Soondrum

Reinhold Beckmann in seiner Sendung.
Reinhold Beckmann in seiner Sendung.
Foto: Screenshot

Bereits am späten Nachmittag waren die Agenturmeldungen mit Zitaten von Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg bei Beckmann in den Redaktionen eingelaufen. Es war klar, dass er nichts Neues sagen würde. Nichtsdestotrotz interessiert die Dramaturgie des ohnehin schon Gewussten. Wie würde Beckmann zu Guttenberg "anfassen", wie dieser reagieren?

Elegant ist er ja, der Verteidigungsminister und den angemessenen Auftritt in einer ARD-Talkshow, den legt er aus dem FF hin. Beckmann: Ich dachte schon, sie sagen ab. Zu Guttenberg (lächelnd): Nein, gekniffen wird nicht!

Dann erzählt zu Guttenberg wieder seine Geschichte, dass Sigmar Gabriel und Jürgen Trittin schön aufpassen sollten mit ihren Vorwürfen, sie hätten ja selber bescheid wissen können. Er lacht brav darüber, als Beckmann nach dem "Selbstverteidigungsminister" fragt und beteuert nochmals, ihm hätten an die zehn Berichte gefehlt, als er im Bundestag den Kundus-Angriff für militärisch angemessen erklärt hatte. Steht alles längst nachzulesen.

Fast hätte man sich durch diesen Austausch von Höflichkeiten und durch das Aussprechen bereits bekannter Fakten einlullen lassen. Fast hätte man Beckmann für ziemlich hartnäckig gehalten, weil er mehrmals nachgefragte, ob der Verteidigungsminister manipuliert worden sei. Er bilde sich seine eigene Meinung, so zu Guttenberg.

Dennoch sagt er, seiner Fehleinschätzung, der Angriff sei angemessen gewesen, habe ein militärischer Ratschlag zugrunde gelegen. Warum reagiert Beckmann auf so eine Steilvorlage nicht? Wer wird zu Guttenberg wohl beraten haben? Doch Bundeswehrinspektor Schneiderhan und Staatsminister Wichert? Oder gab es weitere Pferdeflüsterer? Klar hätte zu Guttenberg diese Frage nie und nimmer beantwortet, aber er hätte reagieren müssen. Soll er doch schwitzen, das ist sein Job.

Immerhin traut sich Beckmann ein Zitat von Oberst Klein an die Wand zu projizieren, das freilich schon durch sämtliche Medien der Republik gepeitscht wurde: "Am 4. September um 1 Uhr 51 entschloss ich mich, zwei am Abend des 3. September entführte Tanklastwagen sowie an den Fahrzeugen befindliche INS (Insurgents, Aufständische, Anm. d. Red.) durch den Einsatz von Luftstreitkräften zu vernichten."

Vernichten - zu Guttenberg nennt die Wortwahl bemerkenswert, Beckmann lässt ihn damit davonkommen. Es ist ekelerregend. Man wünschte sich, der junge Verteidigungsminister mit den schönen Manieren und dem höflichen Dauerlächeln hätte eine ebenso distinguierte politische und menschliche Haltung in der Hinterhand. Wenn es so wäre, hätten wir selbst bei noch so großem Understatement etwas davon bei Beckmann zu Gesicht bekommen. Dann hätte er eine eigene Einschätzung - auch ohne Gewähr - gewagt und nicht alles auf den Untersuchungsausschuss geschoben.

Die Menschen in Afghanistan sind seit Jahrzehnten in Not. 69 Prozent der deutschen Bevölkerung sind gegen diesen Krieg. Unsere Soldaten sind in Bedrängnis. Wir sollten sie da raus holen, sofort. Keine Aufstockung deutscher Truppen in Afghanistan. Schluss mit dem Krieg.

Autor:  Natalie Soondrum
Datum:  15 | 12 | 2009
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