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TV-Kritik

18. Februar 2010

TV-Kritik "Fußball im HDTV": So nah an Magdalena

 Von Felix Helbig
Neue Dimensionen des Fußball auf HDTV? Miroslav Klose liegt auf der Nase vor dem Torwart Sebastian Frey vom AC Florenz beim Siegtreffer 2:1. Foto: dpa

Die Zukunft des Fernsehens ist HD, sagen die TV-Macher. Bei Olympia und in der Champions League liefert das neue Format tatsächlich tolle Bilder - und ungekannte Naherfahrungen mit Wildfremden. Von Felix Helbig

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Es besteht im Internet ein breiter Konsens darüber, dass außer dem Internet kein Medium mehr lange überleben wird; das Fernsehen ist also auch bald tot. Noch aber strampelt es und zappelt es und ruft in einer seiner letzten großen Bastionen, der Live-Berichterstattung im Sport, kurzerhand nicht weniger aus als eine "neue Ära" (ARD), die "ein Stück Fernsehgeschichte" (ZDF) schreiben soll. Nach jahrelanger Entwicklung und viel Streit über die technischen Standards ist es endlich da, das neue Format: HDTV.

Natürlich kann das noch kaum einer sehen, denn die High Definition Television kommt nur in Haushalte mit speziellen Flachbildschirmen und speziellen Anschlussboxen und speziellen Kabeln und einer ganz speziellen Bereitschaft dazu, viel Geld für Fernsehen auszugeben. Tut man das, dann strahlen an einem Mittwochabend wie diesem gestochen scharfe Bilder von den olympischen Wettkämpfen in Vancouver (ARD) und aus dem Champions League-Achtelfinale (Sky) ins Wohnzimmer. Der Abstand vom Sofa zum Fernseher sollte vorschriftsmäßig das Dreifache der Bildschirmhöhe nicht überschreiten, also etwa 2,10 Meter.

Die Oma hätte gesagt, dass man davon viereckige Augen bekommt. Die Oma hatte natürlich Recht. Aber es gibt so viel zu entdecken.

Der Biber: Das kanadische Wappentier ist das olympische Maskottchen im ZDF. Er ist also nicht zu sehen an diesem Mittwochabend, aber der Biber ist ins Gerede gekommen. Der Biber ist nämlich Hauptdarsteller eines ZDF-Filmchens, in dem der Sender sein neues HD-Programm bewirbt. Nahezu echt, aber immer noch animiert fällt er darin reihenweise Bäume, in einer spektakulären Kamerafahrt erkennt der Zuschauer dann, dass er ein Muster in den Wald genagt hat - die olympischen Ringe. Dummerweise hat nun ausgerechnet ARD-Kollege Jörg Kachelmann festgestellt, dass der Biber da Fichten futtert. Biber vertragen aber gar keine Fichten. Sagt Kachelmann. Sieht aber trotzdem toll aus, das mit dem Biber.

Der Wasi: Der frühere Ski-Olympiasieger Markus Wasmeier ist auch so ein Biber, natürlich nur im Sinne von: Maskottchen. Wasmeier ist Alpin-Experte der ARD, er steht immer an der Strecke, da ist er "der Wasi", da weiß er Bescheid. Das wäre natürlich selbst in HD noch nichts Besonderes, würde nicht jedes von Wasmeiers Haaren einzeln im goldenen Gegenlicht schimmern. Die große Stärke des neuen Formats sind Nahaufnahmen, deshalb wirkt das glatt so, dass man glaubt, die Haare vom Wasi nachher vom Sofa saugen zu müssen. Kati Witts Kopfbedeckung lässt noch mehr Sofasaugen befürchten, sie sieht aus wie ein toter Schneehase.

Die Lindsay: Nachdem inhaltlich ja die allermeisten Grenzen längst gefallen sind, suchen die Fernsehmacher mit HD nun eindeutig auch optisch noch größere Nähe zu den Zuschauern. Liegend unter Lindsay Vonn wird schnell klar, wie der Schneehase läuft, vor allem wenn sich die Amerikanerin gerade mit hängendem Kopf in einem tranceähnlichen Zustand auf ihren Abfahrtslauf gegen Maria Riesch vorbereitet. Wir sollen das Gefühl bekommen, dabei zu sein. Das funktioniert. Wir dürfen auch unter Maria Riesch noch einmal liegen.

Der Sohn des Catchers: HD kann aber auch anders. Beim Bezahlsender Sky stehen wir kurz vor dem Anpfiff zwischen Bayern und Florenz im Spielertunnel und schauen aus der Philipp-Lahm-Perspektive hinauf zu Daniel van Buyten. Der Innenverteidiger vom FC Bayern wirkt bedrohlich; er ist der Sohn eines belgischen Catchers, das sieht man. Der Schiedsrichter scheint auch Angst zu haben, deshalb geht’s raus, zum Anpfiff.

Der Franck: Als ein Problem des neuen Formats muss sicherlich angesehen werden, dass auch diese technische Innovation nicht in der Lage ist, Spiele besser zu machen, als sie sind. Die Farben sind brillant, die Tiefenschärfe unglaublich, da versprechen die Hersteller wirklich nicht zu viel. Das hilft aber alles nichts, wenn man auf der Schulter von Bayern-Dribbler Franck Ribery die Seitenlinie rauf- und runterhatzt, ohne auch nur ansatzweise irgendwas zustande zu bringen.

Die Magdalena: Von Nahem besehen erscheint die frischgebackene Biathlon-Olympiasiegerin Magdalena Neuner, die nochmals ausführlich gefeiert wird an diesem Abend in der ARD, als die perfekte Frau. Wie sie spricht und strahlt, wie ihre Zähne blitzen, hach... sie mag hauptberuflich als Bundesgrenzschützerin arbeiten und zum Ausgleich auf Scheiben schießen, man möchte sie trotzdem glatt heiraten in HD. Gleich hier im Wohnzimmer. Soweit wäre das mit der alten Röhrenglotze natürlich nie gekommen.

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