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24. März 2012

TV-Kritik "Game of Thrones": RTL 2 zensiert Fantasy-Saga

 Von Sarah Mühlberger
Sean Bean als Eddard Stark in der Serie "Game of Thrones".  Foto: dapd

Aus Jugendschutzgründen zeigt RTL 2 die neue Fantasy-Saga „Game of Thrones“ in einer gekürzten, weniger brutalen Fassung – und verärgert damit die Fans der Serie.

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Aus Jugendschutzgründen zeigt RTL 2 die neue Fantasy-Saga „Game of Thrones“ in einer gekürzten, weniger brutalen Fassung – und verärgert damit die Fans der Serie.

Es hat natürlich eine gewisse Ironie, wenn sich ausgerechnet RTL2 vorwerfen lassen muss, zu wenig Sex und Gewalt zu zeigen. An diesem Wochenende zeigt der Sender die komplette erste Staffel der Fantasy-Saga „Game of Thrones“. Die ersten drei Folgen gestern Abend, vier am Samstag, die letzten drei am Sonntag.

Damit wolle man den geänderten Sehgewohnheiten der Zuschauer Rechnung tragen, begründete Programmdirektor Holger Andersen die ungewöhnliche Programmierung. Eigentlich eine vernünftige Idee, schließlich lassen sich Serienfans in Zeiten von Internetstreams und DVD-Boxen mit wöchentlichen Ausstrahlungsterminen kaum noch locken.

Das Problem war nur, dass „Game of Thrones“ eine typische HBO-Serie ist: originell und spannend – aber auch reich an Blut und Brüsten. Die FSK hat die erste Staffel mit der Altersfreigabe „ab 16 Jahren“ versehen. Solche Sendungen laufen im deutschen Fernsehen normalerweise erst ab 22 Uhr.

RTL2 wollte aber schon zur Primetime um 20.15 Uhr starten und musste die Serie deswegen harmloser schneiden, sehr zum Ärger der Fans, die sich zahlreich in Foren und über Twitter beschwerten.

Abgetrennte Gliedmaßen sind okay

Wer die Originalversion kannte, durfte gestern Abend lernen, wie Jugendschutz im Fernsehen funktioniert. Brüste in allen Formen und Einstellungen sind demnach unproblematisch, Geschlechtsverkehr von hinten nicht. Abgetrennte Gliedmaßen sind okay, solange sie nur in der Totale, nicht aber in der Großaufnahme gezeigt werden. Eine Enthauptung darf man zwar nicht sehen, wohl aber hören.

Insgesamt war die geschnittene Fassung netto etwas über 57 Minuten lang und damit 3 Minuten kürzer als das HBO-Original. Das war weniger schlimm als befürchtet, zumal RTL2 schließlich auch noch Werbung unterbringen musste.

Game of Thrones - Sehenswerte Serie

Die Aufregung über die Kürzungen war natürlich auch deswegen so groß, weil die Serie so sehenswert ist. „Game of Thrones“ spielt auf dem mittelalterlich anmutenden Kontinent Westeros, der von König Robert regiert wird, einem Frauen und Alkohol gleichermaßen zugeneigten Herrscher. Er hat es nicht leicht, denn Westeros besteht eigentlich aus sieben Königreichen und die sind nur schwer unter eine Krone zu bringen, so unterschiedlich sind die Gepflogenheiten der Völker.

Im Norden, wo Winter manchmal ein Leben lang dauern, muss das Land gegen unheimliche Bedrohungen verteidigt werden, im Osten lebt ein wildes Reitervolk, im warmen Süden frönt man dem zügellosen Lebensstil. Nur eines ist landauf, landab gleich: Der Eiserne Thron ist heiß begehrt.

Die Serie basiert auf der millionenfach verkauften Romanreihe „Das Lied von Eis und Feuer“ von George R.R. Martin, der auch an der Fernsehfassung mitgeschrieben hat. Die erste Staffel hat die Macher mehr als 50 Millionen US-Dollar gekostet – man sieht es.

Die Ausstattung und die Landschaftsaufnahmen der Serie (gedreht wurde in Schottland, Irland, Malta, Kroatien und Marokko) lassen sie wie einen Kinofilm aussehen. Und genauso sollte man sich „Game of Thrones“ auch zu Gemüte führen: nicht gestückelt, sondern am Stück. Dafür ist am Samstag und Sonntag noch einmal Gelegenheit – oder aber ab nächster Woche, wenn die erste Staffel als DVD-Box erscheint.

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