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TV-Kritik "Giulia in Love": Wer wird Froschkönig?

Einen dominanten Mann sucht Giulia Siegel. Doch in der Pro 7 Show geht es zu wie beim Shopping: Der eigentliche Spaß liegt im Aussuchen. Wer weiß, ob man den Plunder jemals trägt. Von Natalie Soondrum

Powerfrau Giulia Siegel will einen richtigen Mann - und sucht per Casting nach ihm.
Powerfrau Giulia Siegel will einen richtigen Mann - und sucht per Casting nach ihm.
Foto: pro7

Jeder kennt das Märchen vom Froschkönig, der der Königstochter die goldene Kugel aus dem Brunnen wieder hochholt. Sie verspricht ihm leichtfertig alles, um ihr kostbares Spielzeug wiederzubekommen und läuft danach davon.

An diese Märchenfigur erinnern die 60 Männer, die in der neuen Pro Sieben Partner-Casting-Show "Giulia in Love?!" einzeln vor Giulia Siegel und ihrer Entourage auftreten, um nicht um sie zu werben, sondern sich als Partner zu bewerben. In einem schlossartigen Gebäude in einer Halle stehen sie vor der Partnerbedürftigen und machen sich einer nach dem anderen zum Narren.

"Sie sah aber keinen Menschen, sondern nur einen dicken, hässlichen Frosch", heißt es im Märchen. Siegel hat gleich 60 Frösche und die sollen ihr das Spielzeug aus dem Brunnen holen. Was kann es nur sein? Der Kick, den ihr die Aufmerksamkeit und die Zuwendung gibt. Das erhoffte Millionenpublikum vor der Glotze und die vielen Herren um sie herum. Als sie anfangs in aus der Limousine aussteigt und die Rampe zum hochherrschaftlichen Gebäude mit Säulenumgang hochdefiliert, die langen blonden Haare ergießen sich über ihre Schultern den Rücken hinab, jubeln die 60 ihr zu. Da bleibt sie einen Moment stehen und sagt, wie schön es sei, dass sie alle sie meinten. Wie ein warmer Regen nach einer langen Dürre.

Siegel hat etws Sympathisches

Die Siegel ist tatsächlich umwerfend schön. Sie hat auch etwas Sympathisches, wenn sie laut herumtönt, dass sie während ihrer Modellkarriere so viele schöne Männer getroffen hätte, die doch alle hohl waren. Doch dann gibt es noch diese Aussagen auf Eva-Hermann-Niveau: Sie will einen "richtigen" Mann, der ihr nicht beim Kochen hilft, sondern nach Hause kommt, sich erst mal vor die Glotze hängt und "erst mal ´n Bierchen trinkt", bevor er sich ihr und den Kindern widmet. Na, dann.

Aber was hat dann Maik für eine Chance, der bei der Bräutigamschau die Hosen runter lässt und dann noch nicht mal sein Glied stolz vorführt, sondern zwischen die Beine klemmt? Oder der Gitarrero Peter, der Siegel stammelnd erzählt, dass er in der Grundschule immer durch den Hinterausgang das Gebäude verlassen hat, weil er das Gefühl hatte, die anderen starrten ihn an? Dann doch eher Philipp, der Gewichte stemmt und gleich klar macht, dass er im Bett dominiert.

Die Jury benimmt sich daneben

Und die Jury? Die "beste Freundin" Rebecca outet sich als ätzende Tussi, als sie den reizend verschrobenen Italiener mit Monokel nachäfft. Und Frank Mattée, der windige Wedding Planner im hellen Anzug zeigt es allen als er einen nazihaft militanten Schrei ausstößt, um zu demonstrieren wie man kommandiert. Was für eine Freak-Show. Aber das will diese Sendung natürlich sein.

Und dann gelingt Giulia Siegel doch ein guter Gag: Bei der großen Endauswahl verteilt sie lauter Rosen und Kakteen. Kurz denkt man wirklich: Schade um den lustigen Stephan mit der Pinocchio-Nase, stand sie nicht auf Domino-Philipp etc. Doch zum Schluss verkündet Siegel, sie sei eine Frau zum Pferde stehlen, wirft die letzte Rose in die Luft und ruft "Ecken und Kanten!" Die Kakteen haben gewonnen. - Vielleicht wird diese Show doch ganz amüsant.

Eins zu null für Giulia.

Autor:  Natalie Soondrum
Datum:  3 | 7 | 2009
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