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TV-Kritik "Hart aber fair": Hä?

FDP-Mann Lindner und SPD-Vize Kraft beharken sich bei Plasberg nach Kräften. Schließlich geht es um Hartz IV und Kinder. Dumm nur, dass der EKD-Ratspräsident und eine echte Arbeitslose dazwischen quatschen. Von Judith von Sternburg

Frank Plasberg
Frank Plasberg
Foto: dpa

Als Trumpf konnte die gestrige "Hart aber fair"-Sendung noch einmal die Geschichte von Laura aus dem Ärmel ziehen. Eine Filmeinspielung fasste die Ereignisse zusammen: Teenagerin Laura hat sich gut 300 Euro in den Ferien verdient, um sich eine E-Bassgitarre kaufen zu können. Ihre Mutter Christiane Weimar erhält aber Hartz IV.

Darum, so stellte das Amt fest, hätte dieser Zuverdienst mit dem für die alleinerziehende Frau Weimar und ihre beiden Töchter überwiesenen Geld verrechnet werden müssen. In 30-Euro-Raten zahlte Christiane Weimar 334,30 Euro - "zurück" möchten wir an dieser Stelle ungern sagen.

Das ist etliche Monate her. Frau Weimar war schon damals bei Frank Plasberg eingeladen, die Empörung unter den eingeladenen Politikern parteiübergreifend. Als nächstes sah man nun Gregor Gysi im Bundestag herumtoben. Ein Antrag in der Sache Verrechnung von Schülerverdiensten mit Hartz IV kam aber nicht durch.

Im Januar dieses Jahres brachte die SPD (inzwischen Oppositionspartei) erneut einen Antrag ein. Nun hörte man einen jungen CDU-Abgeordneten, wie er gerade mit der ihm zur Verfügung stehenden Energie erklärte: "Wir machen Politik aus einem Guss. Wir müssen das im Kontext sehen." Der Antrag wurde wieder abgelehnt.

In der aktuellen Sendung sollte Christiane Weimar jetzt mal sagen, ob sie noch Vertrauen in Politiker habe. Nein, sagte sie. Die Politiker, hier vertreten durch Martin Lindner (FDP-Wirtschaftsexperte) und Hannelore Kraft (Vize-Chefin der SPD), waren unterdessen erneut sehr empört. "Wir überarbeiten das, wir räumen das dieses Jahr ab", sagt Martin Lindner.

Mehrere solcher bitterer, aber auch erhellender Momente kamen gestern Abend zusammen, während eigentlich nur wieder über das Übliche (Hartz IV, diesmal im Zusammenhang mit Kindern) geredet wurde. Während Kraft und Lindner sich erneut beharkten und mit Vorwürfen nicht sparten, sagte Christiane Weimar: "Hier reden wieder zwei Politiker. Aber wie wäre es denn mal, wenn die Bildungsausgaben erhöht würden. Und wenn es kleinere Klassen gäbe." Das war für Hannelore Kraft ein gutes Stichwort. Das gehe allerdings nicht, wenn man die Steuern senken wolle, sagte sie zu Martin Lindner.

Lindner sagte: Dass Kraft aber auch ständig die Dinge so gegeneinanderstellen müsse. Hä? Und gibt es ein schöneres Beispiel dafür, wie selbstgenügsam Politiker sind, wie gerne sie unter sich bleiben, und wie irgendwelche Leutchen ihnen immer dazwischenreden? (Darunter auch Nikolaus Schneider, der kommissarische EKD-Ratspräsident, der allen Ernstes daran erinnern musste, dass es eben doch vor allem einen Mangel an Arbeitsplätzen, nicht einen Mangel an Arbeitswillen gebe. Das half aber nichts.)

Im späteren Verlauf der Sendung waren bei einer Testabstimmung alle am Tisch der Meinung, dass Kindern von Hartz-IV-Empfängern Musikunterricht, eine Mitgliedschaft im Sportverein und Nachhilfe bezahlt werden müsse. Dann wurde es aber gleich wieder kompliziert. Lindner fand es allerdings total bürokratisch, immer alles einzeln zu berechnen.

Auch brauche nicht jeder alle dieser Leistungen. Kraft scherte bei der Nachhilfe aus: Das müsse die Schule leisten (hört, hört). Und dann kam noch Bauunternehmerin Claudia Sturm ins Spiel und wollte, dass solche Beträge überhaupt allen zustehen müssten. Allerdings wollte sie auch weniger Staat und mehr Eigeninitiative. Nochmal: Hä?

Autor:  Judith von Sternburg
Datum:  11 | 3 | 2010
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