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03. Dezember 2009

TV-Kritik "Hart aber fair": Propagandisten der Angst

 Von Daland Segler
Frank Plasberg moderiert die ARD-Talkshow "Hart aber fair".  Foto: WDR/Herby Sachs

Bei Frank Plasberg trifft sich eine unheilige Allianz: Die Diskussion bei "Hart aber fair" zum Schweizer Minarettverbot rutscht in das populistische Fahrwasser, das dem Thema seit Sonntag Schwung gibt. Von Daland Segler

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Das muss man sich einfach nur vorstellen: Es wird verboten, dass weitere Kirchtürme gebaut werden. Die Haltung von Christen wird daran gemessen, was sie zu radikalen Glaubensbrüdern und -schwestern in anderen Teilen der Welt sagen und ob sie sich davon distanzieren. Und die Bibel sei ja unglaublich gewalttätig.

Wenn man nun Minarette, Muslime und Koran an den entsprechenden Stellen einsetzt, weiß man, wie gestern bei Frank Plasbergs "Hart aber fair" mit dem Vertreter der Muslime in Deutschland umgesprungen wurde. Der Mann geriet zwischenzeitlich beinahe an den Pranger, verhört von einer unheiligen Allianz zweier Christen, Roger Koeppel, Journalist aus der Schweiz, und Wolfgang Bosbach, CDU-Parlamentarier.

Dabei war das Setting der Show auf Koeppel zugeschnitten, denn schließlich hatten 57,5 Prozent, die Mehrheit der abstimmenden Schweizer, gerade den Bau weiterer Minarette verboten - dabei gibt es in dem Land gerade mal vier davon. Der rechtslastige Chef der Schweizer "Weltwoche" schämte sich nicht zuzugeben, dass auch er für das Verbot gestimmt hatte und versuchte die Debatte zunächst auf die legalistische Ebene zu ziehen: Die Schweiz mit ihrer Volksabstimmung sei ein "leuchtendes Beispiel" für Demokratie, und die entsetzten ausländischen Reaktionen zeugten von "Arroganz". Doch Aiman Mazyek, Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland, nannte die im Wahlergebnis zum Ausdruck kommende Haltung beim Namen: "Ihr seid hier nicht geduldet."

Und bald rutschte die Diskussion in das populistische Fahrwasser, das dem Thema seit Sonntag Schwung gegeben hatte. Das lag vor allem an Wolfgang Bosbach, der da eine Marktlücke für wenig zitierte Politiker entdeckt und in diesen Tagen immer wieder von der "Angst" der Leute vor dem Islam schwadroniert hatte. Nota bene: Die Zahl der Muslime in Deutschland liegt bei fünf Prozent der Bevölkerung, und davon seien, so heißt es, 90 Prozent brave Bürger. Was Bosbach nicht hinderte, wieder einmal herzubeten, wenn "Menschen aus anderen Kulturkreisen" hierher kämen, müssten sie "unsere Werte anerkennen". Wer bestimmt, was "unsere Werte" sind, verschwieg er, musste sich aber von Michel Friedman (ebenfalls CDU) zu Recht belehren lassen: Es genüge, den Gesetzen zu gehorchen.

Und die Grüne NRW-Abgeordnete Bärbel Höhn gab Bosbach mit auf den Weg, es sei besser, nach Lösungswegen bei der Integration zu suchen als immer nur auf die Probleme zu deuten - worauf die Diskussion endgültig absackte, weil der Christdemokrat sich allen Ernstes zum Opfer erklären wollte und behauptete: "Probleme dürfen nicht benannt werden."

Das war Koeppel Anlass, auch gleich noch Bundesbanker Thilo Sarrazin zum Opfer zu stilisieren. Aber weil sich die Debatte nun ohnehin unterhalb der Grasnarbe bewegte, ließ der schmallippige Journalist noch schnell einfließen, dass es bei den Muslimen ja "Genitalverstümmelung" und im Koran "unglaublich gewalttätige" Stellen gebe.

Es wurde in den Diskussionen um die Minarett-Abstimmung immer wieder gefordert, man müsse die Ängste, die da zum Ausdruck kämen, ernst nehmen. Aber wenn die medialen Propagandisten dieser Ängste so argumentieren wie Wolfgang Bosbach und Roger Koeppel: Wie soll man das dann ernst nehmen?

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