TV-Kritik

10. August 2013

TV-Kritik "Krömer - Late Night Show": Absurdes Theater

 Von Tilmann P. Gangloff
Kurt Krömer als Johnny Chicago. Foto: dpa

Der ehemalige Kulturchef des "Spiegel", Matthias Matussek, versucht vergeblich, seinen Auftritt in der "Krömer - Late Night Show" rausschneiden zu lassen - beste Publicity für die Sendung. Moderator Kurt Krömer lebt wie gewohnt seine Narrenfreieheit aus.

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Was Besseres kann einem als Moderator einer Talkshow kaum passieren: dass sich ein Gast als schlechter Verlierer entpuppt. Wenn jemand eine laufende Sendung verlässt, taucht das unter Garantie spätestens beim Jubiläumsrückblick wieder auf. Matthias Matussek ist nicht gegangen, aber er hat nachgetreten: Der frühere Kulturchef des „Spiegel“ wollte erreichen, dass sein Auftritt in Kurt Krömers „Late Night Show“ rausgeschnitten wird. Grimme-Preisträger Krömer, seine Produktionsfirma wie auch Auftraggeber RBB sahen jedoch keinen Handlungsbedarf. Krömers Anwalt ist der Meinung, was auf der Bühne vor sich gehe, sei von der Kunst- und Satirefreiheit gedeckt; außerdem wüssten Publikum und Gäste, dass die Sendung „eine Form von absurdem Theater“ sei.

Krömers Schlagabtausch

Matussek hat der Show nun eine weitere absurde Facette hinzugefügt. Aber entweder hat er nie zuvor eine Ausgabe gesehen und daher nicht gewusst, dass „Kurt Krömer“ (bürgerlich Alexander Bojcan) eine anarchische Kunstfigur mit eingebauter Narrenfreiheit ist, oder er konnte es einfach nicht verwinden, dass er keine besonders gute Figur gemacht hat. Damit befindet er sich allerdings in guter Gesellschaft: Krömers Talkshow ist kein Meinungsaustausch, sondern ein Schlagabtausch. Hier besteht man nicht durch Tiefgründigkeit, sondern durch Schlagfertigkeit. Natürlich war es die pure Provokation, dass Krömer den „Spiegel“-Journalisten in der Show als „Pöbelhans“ und „hinterfotziges Arschloch“ bezeichnet hat, und selbstredend wirkte es etwas lahm, als Matussek mit „blöde Sau“ konterte. Trotzdem versuchte der Journalist im Gegensatz zu Schlagersängerin Mary Roos, der die Hitze, das Alter oder vielleicht auch Krömers Scherze die Tränen in die Augen trieben, ein ernsthaftes Gespräch zu führen und auf Krömers Schlagwörter (Zölibat, Glaube) seriöse Antworten zu geben.

Matussek im falschen Film

Da Matussek in seinen Texten gern polarisiert, hat er garantiert mindestens so viele Feinde wie Freunde, und gerade Erstere werden an der Show ihren Spaß gehabt haben: Seinen Hinweis aufs Rotlicht (gemeint ist das Signal, dass man auf Sendung sei) nahm Krömer dankend auf und erkundigte sich, ob Matussek Puffgänger sei; aus seinem Mund selbstredend eine rhetorische Frage. Während Roos beachtliche Nehmerqualitäten bewies und selbst Krömers Feststellung, sie habe schon den Urknall miterlebt, mit einem Lachen quittierte, versuchte Matussek etwas verkrampft, gute Miene zum bösen Spiel zu machen; aber man sah ihm deutlich an, dass er sich vorkam wie im falschen Film.

Mit der aufgezeichneten Sendung begann eine neue achtteilige Staffel der Reihe, und es war selbstredend kein Zufall, dass der RBB diese Ausgabe an den Anfang gesetzt hat; Matusseks vergeblicher Vorstoß war die perfekte Reklame. Ansonsten war die Sendung eine typische Krömer-Show: Seine Darbietungen sind seit jeher Wundertüten. Der Inhalt ist mal genial, mal daneben; es hat durchaus seinen Grund, dass er fünf Mal vergeblich für den Grimme-Preis nominiert worden ist, ehe es 2011 beim sechsten Anlauf endlich geklappt hat. Völlig witzlos war ein Einspielfilm, in dem Krömer mit seiner „Zukünftigen“ (Travestiekünstler Ades Zabel als Edith Schröder) ein Hochzeitskleid kaufen ging, und abgesehen von einem kurzen Vivaldi-Stück war auch Pianist Joja Wendt quasi bloß Teil des (allerdings ausgesprochen liebenvoll zusammengestellten) Bühnenbildes; ein Schicksal, dass allen Gästen widerfährt – wenn sie Glück haben. Wenn sie Pech haben, ergeht es ihnen wie Matthias Matussek.

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