"Bitte schlafen Sie nicht ein!“, rief Kommentator Steffen Simon schon während des Kicks gegen die Niederlande, als würde er verzweifelt versuchen, sich selbst wach zu halten. Wer das trostlose Testspiel bis zum Ende tapfer durchgehalten hatte, konnte sich den bedeutungslosen Kick noch sechsmal hintereinander resümieren lassen: vom Live-Kommentator, von einigen Spielern, von Trainer Joachim Löw, von Matthias Opdenhövel und Mehmet Scholl – und dann von der „Abwehrkette“, wie Reinhold Beckmann seine deutsch-holländische Ex-Kickerrunde im „Sportschau-Club“ nannte, in dem noch mal eine extra Zusammenfassung von Bernd Schmelzer lief.
Die Bandbreite der Einschätzungen reichte von „stinklangweilig“ (Steffen Simon), über „Ja, da war nicht viel los“ (Frank Verlaat) und „bescheiden“ (Thomas Helmer) bis zu Bernd Schmelzers Einschätzung „Viel Rauch um Nichts“. Auch wenn Beckmanns Runde, verglichen mit dem Spiel, noch recht aufgeräumt und launig wirkte und sich zum Glück schnell vom Amsterdamer 0:0 entfernte – die Nachfolgesendung für Waldemar Hartmanns bierseligen Club bleibt im Grunde höchst entbehrlich.
Ihren besten Moment hatte die Runde, als sie sich das unfassbare Seitfallzieher-Tor von Zlatan Ibrahimovic gegen England noch mal kommen ließ und über dessen Kickstoß-Technik debattierte. Insgesamt wirkt die ARD an Abenden mit Fußballländerspielen nicht wie ein Vollprogramm für alle Gebühren zahlenden Zuschauer, sondern wie ein Spartenkanal. Noch vor einiger Zeit hatte das Erste selbst nach Länderspielen durchaus noch eine spätabendliche Dokumentation gezeigt.
Doch was folgt heute nach dem Null-zu-Null-Gequassel um Mitternacht? Noch eine Talkshow! Da passte es ins Bild, dass Anne Will selbst für den Disput um den „Genossen Krösus“ Steinbrück mit Werner Hansch einen Fußballreporter eingeladen hatte. „Fußball total“ heißt eine Spiel-Philosophie in Holland – die ARD gibt dem Begriff eine ganz eigene Note.
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