Dass die DDR als Billiglohnland für westliche Devisen moralische Prinzipien über Bord warf, darüber hatten vor einigen Monaten schon einmal ARD-Reporter berichtet. Damals ging es noch darum, wie DDR-Häftlinge für den Export arbeiteten, etwa Sofas für IKEA herstellten. Noch gravierender ist jene Praxis, die die DDR-Devisenbeschaffer als „immateriellen Export“ verschleierten: Patienten wurden in den 80ern als Versuchskaninchen an westliche Pharmakonzerne regelrecht verkauft.
Die MDR-Autoren Stefan Hoge, Carsten Opitz und Hannes Schuler haben drei Fälle aufgearbeitet: Eine alte Dame bekam neuartige Anti-Depressiva, die ihren Zustand massiv verschlechterten. Ein schwer Herzkranker bekam gar keine Medikamente, sondern diente als Placebo-Fall. In einem anderen Testreihe starben gar eine Reihe von Patienten.
Nutznießer auf beiden Seiten
Die Nutznießer dieser skandalösen Praxis saßen auf beiden Seiten: Pharmakonzerne umgingen die strengeren westlichen Gesetze und konnten schneller und billiger testen. Die DDR-Devisenbeschaffer strichen die Devisen ein: 2800 DM pro Patient. Die Betroffenen aber wurden nicht über Risiken aufgeklärt, zum Teil gar nicht um Erlaubnis gefragt.
Die Patienten bzw. deren Angehörige in Plauen, Dresden und Magdeburg sind immer noch erschüttert, ja regelrecht verstört vom enormen Vertrauensbruch – dem DDR-Gesundheitswesen hatten sie so eine Praxis nie zugetraut. Die Autoren haben nicht nur Betroffenen gefunden und sogar übrig gebliebene Test-Medikamente analysieren lassen, sondern auch Mitwirkende vor die Kamera geholt.
"Effizienter" Zentralismus
Ein Ex-Manager von Hoechst preist noch heute den Zentralismus der DDR-Wirtschaft: Oben angeordnet, bis unten durchgesetzt. Ein Kardiologe, der angibt, dass er nicht wusste, dass Schwerkranke Placebos bekamen, gibt sich heute betroffen – wie viel er wirklich wusste, bleibt offen. Was die Reporter alles herausgefunden haben, und wie sie die medizinischen Fälle ins Bild gesetzt haben, ist bemerkenswert und anerkennenswert - nur die Selbstdarstellung der drei Reporter wirkt mitunter störend.
Im Gespräch ist die Anwesenheit der Reporter noch plausibel. Doch ständig vorzuführen, wie Autoren telefonieren, am Laptop sitzen oder ganz nachdenklich in Akten gucken, wirkt recht aufdringlich. Merkwürdig auch, dass drei männliche Reporter genannt werden, im Bild aber meist zwei Männer und eine Frau zu sehen sind.
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