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TV-Kritik "Unser Star für Oslo": Noch hübscher, wohlgemerkt

Für ihre Kooperation müssen ARD und ProSieben über jeden Satz verhandelt haben. Raab benotet Musikalität und Intonation, Maffay sagt artig "schön" und Sarah Conner ist für das Äußere zuständig. Von Felix Helbig

Stefan Raab (3. v.r.) und die Gewinner der zweiten Ausgabe von Unser
Star für Oslo: Von links Leon Taylor, Jennifer Braun, Maria-Lisa
Straßburg, Sharyhan Osman und Christian Durstewitz.
Stefan Raab (3. v.r.) und die Gewinner der zweiten Ausgabe von "Unser Star für Oslo": Von links Leon Taylor, Jennifer Braun, Maria-Lisa Straßburg, Sharyhan Osman und Christian Durstewitz.
Foto: Willi Weber/ProSieben

Die Kandidaten sind bei der zweiten Folge von "Unser Star für Oslo" so ausgewogen gewählt, dass einem schwindlig wird, während die Intendanten daheim bestimmt Häkchen machen auf ihren Listen mit den Vertragsdetails.

Da ist der angehende Vermögensberater Benjamin, der unglaublich lässig Jack Johnson singt, da ist die Straßenmusikerin Maria-Lisa, jemand, der "ab vom Pussy-Alarm des Popgeschäfts operiert", wie Raab erklärt, damit es auch jeder merkt. Da sind Sharyhan, die Whitney Houston gibt, und der Zahntechniker, der John Legend singt und dann auch noch das grüne Bändchen der iranischen Opposition am Arm trägt, was zum öffentlich-rechtlichsten aller Dialoge führt an diesem Abend.

Raab: "Und dann auch noch ne Haltung!" Moderatorin: "Ja, du kommst ja auch aus dem Iran!" Kandidat: "Hmm." Moderatorin: "Aber bist ein echter Hamburger Jung!" Kandidat: "Seit 22 Jahren." Moderatorin: "Und Zahntechniker!"

Dieses USFO ist so auf sportlichen Wettbewerb jenseits vom Bohlenschen Belästigungsfernsehen angesetzt, dass sogar die Halbzeit bei der Vorstellung der zehn Kandidaten zeitgleich stattfindet zur Halbzeit im parallel ausgestrahlten Fußball-Pokalspiel. Das muss man erstmal schaffen. Und damit alles richtig rund wird, dürfen hernach noch Franziska mit "Lass-mich-in-Ruhe-ich-sing-so-wie-ich-will-Pop á la Moloko" (Raab) ran und Leon, ein Schwarzer, der hauchzart Herbert Grönemeyer singt. Vertrag erfüllt. Besser geht’s nicht.

ARD auf der einen sowie Pro7 auf der anderen Seite müssen ziemlich zäh verhandelt haben, bis die erste gemeinsame Sendung der Fernsehgeschichte stand, es steht zu vermuten, dass bestimmte Sätze vertraglich fixiert sind, womöglich sind es sogar alle Sätze. Die Jury schafft es jedenfalls in den ersten Minuten, die Verwendung der öffentlich-rechtlichen Schlüsselwörter Merkel, Papst, Maffay und Bundesverdienstkreuz anzuregen.

Maffay (der vom Papst gesegnet wurde und von Merkel die Hand geschüttelt bekam und obendrauf das Bundesverdienstkreuz) gibt neben Stefan Raab und Sarah Connor den Richter, er ist ebenso wie Connor zwei Stunden lang für das sanfte Urteil zuständig. Er sagt "sehr schön" und "sympathisch" und "leidenschaftlich" und einmal bekundet er gar, mit einem der Kandidaten auch seine Gitarre tauschen zu wollen, wenn es denn sein müsse.

Sarah Connor hingegen ist dafür zuständig, wenigstens ein bisschen das Aussehen der Kandidaten zu bewerten, auch wenn das natürlich niemals (!) ausschlaggebend sein kann bei USFO, sie sagt dann "süß" und "selbstbewusst" und kritisiert auch tatsächlich ein klein wenig den Pony einer Kandidatin, der doch beim Casting noch hübscher gewesen sei. - Noch hübscher, wohlgemerkt.

Stefan Raab feuert all die Begriffe ab, die er seiner offensichtlichen Parodie des vermeintlichen Bildungsfernsehen für würdig hält, also spricht er wie auch in der ersten Sendung in großem Schwall von "Musikalität, Intonation, Souveränität, Timbre", er erkennt "marginale harmonische Abweichungen", was aber "keine Kritik an deinem Vortrag" sein soll. Es ist wie im Seminar. Unangenehm fällt da nur auf, wie oft er betont, dass das ja alles "Kritik auf hohem Niveau" sei - eigentlich betont man das ja eher nicht, wenn man selbst der Kritiker ist. Aber so hat Raab das natürlich auch gar nicht gemeint.

Die paritätisch besetzte Moderation fällt da ein wenig ab, vielleicht wurde das nicht genug ausdiskutiert in den Vertragsverhandlungen. Matthias Opdenhövel nervt die meiste Zeit, weil er so bemüht witzig ist wie Markus Lanz in der Showküche. Immerhin führt das zur schönen Szene, in der Opdenhövel an den Mikrofonständer tritt und erklärt, er habe schon immer einmal eine Moderation an einem Mikrofon mit Mikrofonständer aufsagen wollen. Die "Moderation", die er dann aufsagt, lautet: "Nach nur einem Spot geht’s weiter."

Weiter sind übrigens: Jennifer, Maria-Lisa, Christian, Sharyhan und Leon. Und das einzige Problem dieser Sendung könnte sein, dass niemand so außergewöhnlich erscheint, um den Eurovision Songcontest zu gewinnen. Aber noch ist ja Zeit.

Autor:  Felix Helbig
Datum:  10 | 2 | 2010
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