Das Thema der Sendung hieß eigentlich „Deutscher Hass – Wie tief ist der Neonazi-Sumpf?“ Da Gastgeber Jauch offenbar selbst keine Antwort auf diese reichlich allgemeine Frage erwartete, übersetzte er das Thema eingangs in zwei Fragen: Warum hat niemand die rechtsradikalen Täter während ihrer Mordserie festnehmen können? Und woher rührte deren Hass?
Die Motivation der drei Täter wurde im Eingangsgespräch mit einem Jenaer Sozialerbeiter aber bestenfalls gestreift. Das Gespräch in der großen Runde kreiste dann, wieder einmal, um die Rolle der deutschen Sicherheitsbehörden. Innenminister Hans-Peter Friedrich, dessen Äußerungen immer wieder von einer kleinen, aber engagierten Unterstützergruppe im Publikum beklatscht wurden, stellte sich vor seine Beamten, pries deren „fantastische“ Arbeit und versprach, er habe Konsequenzen gezogen und die Kommunikation zwischen den Behörden verbessert. Der Undercover-Reporter Thomas Kuban, die Publizistin Mely Kiyak und der Grünen-Politiker Cem Özdemir aber konnten ganz andere Erfahrungen beisteuern: Thomas Kuban, bizarr verkleidet, vermisst das Einschreiten der Behörden bei Straftaten während vieler Neonazi-Konzerte, Mely Kiyak hat in ihren Kolumnen für „Frankfurter Rundschau“ und „Berliner Zeitung“ immer wieder die skandalösen Auftritte einzelner Verantwortlicher vor dem Bundestags-Untersuchungsausschuss bloßgestellt und Cem Özdemir fragt sich bis heute, warum die Behörden trotz zahlreicher Indizien und Hinweise nicht konsequent gegen die Rechten ermittelten.
Günther Jauch ließ die gegensätzlichen Standpunkte einfach nebeneinander herlaufen – eine echte Diskussion, ein Streitgespräch mit Mehrwert entwickelte sich kaum. Doch die Untergrundfilme eines Thomas Kuban, die couragierten Kolumnen einer Mely Kiayak oder auch einfach vernünftige Politiker-Interviews mit Cem Özdemir oder Hans-Peter Friedrich bringen dem Interessierten wesentlich mehr Erkenntnisse als dieses Ritual mit fest verteilten Rollen.
"Was können die Leserinnen und Leser jetzt tun, um der Frankfurter Rundschau zu helfen?", fragte die FR den Insolvenzverwalter Frank Schmitt im Interview.
Seine Antwort: An den Kiosk gehen und die Frankfurter Rundschau kaufen und Anzeigen schalten. "Alles, was aktuell zum Umsatz beiträgt, ist hilfreich."
Die Zeitung erhalten Sie aktuell im Solidaritäts-Abonnent.
Die preisgekrönte FR-App bekommen Sie ebenfalls im Abo als Paket mit unserem E-Paper oder im Einzelverkauf im App-Store und bei Google Play.
Anzeigen sind möglich in Zeitung, App und auf der Website. Der Verlag informiert über die Konditionen.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.