TV-Kritik

29. Oktober 2012

TV-Kritik Günther Jauch (ARD): Ritual mit Rollen bei Jauch

 Von Torsten Wahl
Günther Jauch. Foto: dpa

Haben die Sicherheitsbehörden versagt oder haben sie nur zu wenig miteinander gesprochen? Seit fast einem Jahr wird über die Aufklärung der NSU-Mordserie gestritten, nun mal wieder bei Günther Jauch. Innenminister Friedrich saß im ARD-Talk neben seinen Kritikern. Der Gewinn für den Zuschauer blieb gering.

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Das Thema der Sendung hieß eigentlich „Deutscher Hass – Wie tief ist der Neonazi-Sumpf?“ Da Gastgeber Jauch offenbar selbst keine Antwort auf diese reichlich allgemeine Frage erwartete, übersetzte er das Thema eingangs in zwei Fragen: Warum hat niemand die rechtsradikalen Täter während ihrer Mordserie festnehmen können? Und woher rührte deren Hass?

Die Motivation der drei Täter wurde im Eingangsgespräch mit einem Jenaer Sozialerbeiter aber bestenfalls gestreift. Das Gespräch in der großen Runde kreiste dann, wieder einmal, um die Rolle der deutschen Sicherheitsbehörden. Innenminister Hans-Peter Friedrich, dessen Äußerungen immer wieder von einer kleinen, aber engagierten Unterstützergruppe im Publikum beklatscht wurden, stellte sich vor seine Beamten, pries deren „fantastische“ Arbeit und versprach, er habe Konsequenzen gezogen und die Kommunikation zwischen den Behörden verbessert. Der Undercover-Reporter Thomas Kuban, die Publizistin Mely Kiyak und der Grünen-Politiker Cem Özdemir aber konnten ganz andere Erfahrungen beisteuern: Thomas Kuban, bizarr verkleidet, vermisst das Einschreiten der Behörden bei Straftaten während vieler Neonazi-Konzerte, Mely Kiyak hat in ihren Kolumnen für „Frankfurter Rundschau“ und „Berliner Zeitung“ immer wieder die skandalösen Auftritte einzelner Verantwortlicher vor dem Bundestags-Untersuchungsausschuss bloßgestellt und Cem Özdemir fragt sich bis heute, warum die Behörden trotz zahlreicher Indizien und Hinweise nicht konsequent gegen die Rechten ermittelten.

Günther Jauch ließ die gegensätzlichen Standpunkte einfach nebeneinander herlaufen – eine echte Diskussion, ein Streitgespräch mit Mehrwert entwickelte sich kaum. Doch die Untergrundfilme eines Thomas Kuban, die couragierten Kolumnen einer Mely Kiayak oder auch einfach vernünftige Politiker-Interviews mit Cem Özdemir oder Hans-Peter Friedrich bringen dem Interessierten wesentlich mehr Erkenntnisse als dieses Ritual mit fest verteilten Rollen.

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