TV-Kritik

12. Dezember 2012

TV-Kritik Menschen bei Maischberger: Typisch Chef

 Von Michael G. Meyer
Sandra Maischberger diskutiert mit ihren Gästen über die Zustände in deutschen Firmen. Foto: dapd

"König oder Kumpel": Wie viel Chef darf es sein? fragt Sandra Maischberger. Nach der Sendung bleibt der Eindruck: In vielen Firmen regieren eitle Despoten.

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In Deutschlands Firmen hört die Demokratie auf – so zumindest der Eindruck, wenn man mit vielen Menschen spricht. Druck und Chef-Despotie sind an der Tagesordnung – nicht in allen Firmen, aber in vielen.  So der Eindruck nach der gestrigen Maischberger-Sendung. 

Ungeduldiger Arbeitgeber: Modedesigner Harald Glööckler
Ungeduldiger Arbeitgeber: Modedesigner Harald Glööckler
Foto: dpa

Wie fast immer in Maischbergers Sofa-Talk durfte das schrille Element fehlen.  Gestern Abend kam es in Gestalt von Harald Glööckler – schriller Modeschöpfer, Designer und mittlerweile in vielen Bereichen tätig, selbst Tapeten, Pralinen, Porzellan  und Fertighäuser werden von Glööckler designt.  "Ich kann es nicht nachvollziehen, wenn ich einen Wunsch ganz klar äußere und der nach der dritten Ansage noch nicht erledigt ist“, sagt Glööckler, der aber, laut eigener Aussage, ein großes Herz für seine Mitarbeiter hat.  Nach einem Konflikt versöhne man sich schnell auch wieder – sagt Glööckler. 

Narzissmus ist ein Merkmal von Chefs

Nun ist Glööckler sicher ein ganz spezieller Chef, jedoch gibt es eine Reihe von Persönlichkeitsmerkmalen, die man bei vielen Bossen findet. Narzissmus, Eitelkeit, Despotie – all das gibt es.  Doch das ist nicht unbedingt in allen Firmen Alltag, meinte  Isabella Heuser.  Aber:  "Von Mitarbeitern wird immer mehr verlangt, aber  Anerkennung ist absolute Mangelware", stellt die Psychologin und Direktorin an der Berliner Charité fest.

Als besonders waghalsiger Chef gilt Christoph Daum:  Der Erfolgstrainer polarisiert mit seinen unkonventionellen Chef-Methoden. So ließ er schon einmal im Training Profis über Glasscherben laufen.   Doch für diese Motivationsmethoden hat Isabella Heuser nicht viel übrig.  „Das sind Psycho-Gags.  Das mag den Zusammenhalt befördern, das ist dann aber eher der Suggestivkraft von Herrn Daum geschuldet.  Man muss sich am realen Leben orientieren, niemand muss im normalen Berufs-Leben über Scherben laufen.“

Wie Erich Honecker

Martin Wehrle, Karriereberater und Bestsellerautor ("Ich arbeite immer noch in einem Irrenhaus") kritisiert, was Chefs in ihren Firmen alles anrichten können.  „Ein autoritärer Chef hat das Problem, dass er nicht erfährt, was wirklich vorgeht. Das ist wie bei Erich Honecker, der beim Jagen die meisten Hirsche schoss, weil sie ihm direkt vor die Flinte getrieben wurden.“ 

In Streitfällen zwischen Chefs und Beschäftigten treten Menschen wie der Rechtsanwalt Helmut Naujoks, der Firmen vertritt, und Katharina Wesenick, Ver.di - Gewerkschaftssekretärin, auf den Plan.  Gewerkschafter bezeichnen Naujoks als "Bulldozer", sie werfen ihm vor, Angestellte einzuschüchtern, um sie für Arbeitgeber gefügig zu machen.  Die Gewerkschafterin Katharina Wesenick meint:  "Die Arbeitsbedingungen werden immer schlimmer."  Gerade im Einzelhandel.

Fazit:  In einer zunehmend durchökonomisierten Welt haben Mitarbeiter im Konfliktfall nur schlechte Chancen.  In einer Zufallsumfrage aus Berlin, die Maischberger gestern einspielte, wollte sich kaum einer und eine vor der Kamera äußern.  „Da tun sich menschliche Abgründe auf“, meinte eine Passantin.  Eine Kündigung hat sie deswegen aber nicht zu erwarten, das ist eine Meinungsäußerung, meinte sogar der Rechtsanwalt, der die Firmen vertritt.

 

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