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TV-Kritik
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18. Oktober 2011

TV-Kritik Plasberg: Frei von Politikerrhetorik

 Von Harald Keller
Kontrovers ruhige Atmosphäre: Plasbergs "Hart aber fair" zum Thema Organspende.  Foto: dpa

Wie immer war die Runde der Diskussionsteilnehmer bei Frank Plasberg wohlausgewogen. Beim Thema Organspende ergab sich eine sachliche Pro-und-Contra-Debatte, die zur Meinungsbildung beitrug.

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Wie immer war die Runde der Diskussionsteilnehmer bei Frank Plasberg wohlausgewogen. Beim Thema Organspende ergab sich eine sachliche Pro-und-Contra-Debatte, die zur Meinungsbildung beitrug.

Die aktuellen Zahlen lieferte Frank Plasberg erst gegen Ende der Sendung: Derzeit werden in Deutschland 8000 Nieren benötigt, 2000 Lebern, 900 Herzen, 600 Lungen. Ob eine Reform der gesetzlichen Regelungen über die Organspende Leben retten kann und wie die Neufassung aussehen müsste, war zuvor kontrovers, aber in ruhiger Atmosphäre diskutiert worden. Bei diesem Thema sind existenzielle Regungen angesprochen, Trauer und Furcht ebenso wie die Hoffnung schwer erkrankter Menschen auf ein Weiterleben. Mit dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Frank-Walter Steinmeier hatte Frank Plasberg einen Mann zu Gast, der bereits mehrfach mit dem Thema Organspende konfrontiert worden war. Als Student wurde ihm die Hornhaut eines Toten eingepflanzt. So konnte sein Augenlicht gerettet werden. Steinmeier selbst spendete eine Niere für seine Frau. Als Politiker spricht er sich für eine Änderung der geltenden Gesetzgebung aus, um Rechtssicherheit zu schaffen und die Organspende zu erleichtern.

Können Hirntote Schmerzen empfinden?

Als Fürsprecherin einer Neuregelung war auch Gudrun Ziegler geladen, die ihrerseits ein Jahr lang auf eine Spenderleber gewartet hatte und sich heute im Forum Organtransplantation Berlin e. V. engagiert. In der selben Reihe, aber inhaltlich konträr waren Dr. Werner Bartens, Mediziner und Wissenschaftsjournalist der „Süddeutschen Zeitung“, und Johannes Singhammer, stellvertretender Fraktionschef der CDU, aufgestellt. Beide bekannten sich dazu, sich bewusst gegen einen Organspendeausweis entschieden zu haben. Voraussetzung für die Entnahme von Organen zwecks Verpflanzung ist das Eintreten des Hirntods. Werner Bartens wendet sich gegen die Auffassung, dass der Hirntod mit dem Tod schlechthin gleichzusetzen sei. Er verwies im weiteren Verlauf der Debatte unter anderem auf zwei schwangere Frauen, die trotz schwerer Hirnschädigungen noch Kinder zur Welt brachten, mithin über einen funktionierenden Körper verfügten. Ein zweiter Einwand Bartens’ betraf die Möglichkeit, dass auch Hirntote noch Schmerzen empfinden. Er zitierte einen Arztkollegen, der für den Fall seines Hirntodes seine Organe zur Verfügung gestellt hat, aber vor der Entnahme narkotisiert werden möchte.

Umfrage: Organspende in Deutschland

Der CDU-Politiker Johannes Singhammer führte eher grundsätzliche ethische Gründe an. Er argumentiert mit dem Recht eines Individuums auf Unversehrtheit, auch nach dem Tod.
Bei Werner Bartens, der selbst als Krankenhausarzt gearbeitet hat, gab sich Plasberg überrascht, dass sein Visavis nicht als Organspender zur Verfügung stehen möchte. Bartens‘ Begründung fusste jedoch gerade auf Erfahrungen aus der klinischen Praxis. Dort hatte er erlebt, so Bartens, wie Angehörige von Organspendern „um die Trauer, um den Abschied“ betrogen wurden. In dem besagten Fall waren seiner Schilderung zufolge die Verwandten einer Schlaganfallpatientin in einer höchst emotionalen Situation sehr schroff um ihre Einwilligung zur Organentnahme gebeten, um nicht zu sagen überrumpelt worden.

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