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TV-Kritik
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11. Dezember 2013

TV Kritik Report Mainz : Minutenlanger Todeskampf

 Von 
In der Ferkelzucht gibt es viele Missstände. Zumindest diese hier sind glücklich.  Foto: Sascha Rheker

Kleine Ferkel werden nach der Geburt oft totgeschlagen. Die Aufnahmen sind erschütternd, die im Politik-Magazin Report Mainz in der ARD gezeigt werden, findet unser Autor. Dem Problem könnte man begegnen, indem man weniger Fleisch isst.

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Das Politik-Magazin Report Mainz in der ARD bringt oft brisante Geschichten. So auch gestern Abend, als die Sendung gut recherchierte Beiträge über die ungenügende NSU-Fahndung, Probleme mit Frauenhäusern oder das umstrittene Hausarztmodell der großen Koalition bot. Heraus ragte jedoch ein Beitrag über die schlimmen Missstände in deutschen Ferkelzuchtbetrieben. Das mag auf den ersten Blick vielleicht ein wenig randständig klingen – doch wer weiß, dass allein in Deutschland 58 Millionen Schweine geschlachtet wurden, damit wir lecker Schnitzel und Würstchen auf den Tellern haben, der merkt auf, wenn es um die Zustände in den hiesigen Ställen geht.

Und diese Zustände sind katastrophal. In den großen Schweinezuchtbetrieben werden die Tiere nämlich unter unwürdigsten Bedingungen gehalten. Sie stehen in engen Kastenbuchten, in denen sie sich nicht herumdrehen können, auf sogenannten Spaltböden, durch die ihr Kot und Urin in darunterliegenden Reservoirs abfließen kann. Für die Landwirte ist das praktisch, weil sie sich so das ständige Ausmisten sparen. Für die Schweine jedoch ist es eine Qual, da sie tag aus tag ein nur wenige Zentimeter über ihren Exkrementen stehen oder liegen – und sie daher rund um die Uhr einatmen.

Alltägliche Brutalität

Das bleibt nicht ohne Folgen: Die schlechte Luft führt zu Reizungen der Schleimhäute, die dann wiederum anfällig für Krankheitserreger werden. Einer der Gründe, warum die Tiere mit Antibiotika behandelt werden. Acht Prozent der Schweine sind daher auf die eine oder andere Weise krank. Da dies aber für den Menschen nicht gefährlich ist, wird ihr Fleisch dennoch zum Verzehr freigegeben.

Hinzu kommt, womit sich der Beitrag in Report vor allem befasst: Kleine Ferkel werden kurz nach der Geburt totgeschlagen, indem Mitarbeiter der Zuchtbetriebe deren kleine Körper mit brutaler Gewalt auf den Boden oder gegen die Banden der Ferkelbuchten (so heißen die Boxen) knallen. Der Grund: Sie sind anscheinend zu klein, dass sich die Zucht lohnen würde. Filmemacher der Tierschutzvereinigung Animal Rights Watch können diese Praxis mit Aufnahmen belegen, die von ihnen versteckte Kameras in drei Zuchtbetrieben in Niedersachsen aufgezeichnet haben. Es sind grausame Bilder einer alltäglichen Brutalität gegenüber Lebewesen, wie man sie sich kaum vorstellen kann. Schon gar nicht, wenn man all die romantisierende Werbung von Fleisch- und Wurstproduzenten vor Augen hat.

Besonders erschütternd an den Aufnahmen ist, dass offensichtlich ist, dass etliche der Ferkel trotz des brutalen Schlags gar nicht tot sind, sondern sich minutenlang im Todeskampf winden. Unternehmen wie die Straathof-Holding, Europas größter Ferkelproduzent, wollten sich in dem Beitrag nicht äußern und erklärten nur schriftlich, dass Mitarbeiter der Anlagenbetreiber angehalten seien, „alle rechtlichen Vorschriften strikt einzuhalten“. Das heißt: Nur Nottötungen kranker bzw. nicht überlebensfähiger Tiere wären zulässig.

Tiere sehr wohl überlebensfähig

Der Filmemacher Jürgen Foß von der Tierschutzvereinigung Animal Rights Watch glaubt jedoch: „Das hat auch nichts mit irgendwelchen Nottötungen zu tun. Das kann mir keiner erzählen, dass in Sekundenbruchteilen entschieden werden kann, ob dieses Tier überlebensfähig ist oder nicht. Ich bin davon überzeugt, die meisten dieser Tiere, die dort totgeschlagen werden, sind sehr wohl überlebensfähig. Und man ist nur nicht bereit Zeit und Geld zu investieren, um diese Tiere dort durchzubringen.

Ein Tierschützer, der sich als Praktikant in dem Unternehmen anstellen ließ, erzählt in dem Film, dass das Problem der Züchter wohl sei, dass mehr Tiere geboren würden, als die Muttersäue ernähren könnten. Er sagt: "Die Tiere sind natürlich definitiv lebensfähig, die allermeisten jedenfalls, aber sie werden dann trotzdem erschlagen nach Augenmaß einfach. Also, meine Erfahrung ist, dass wirklich in den Anlagen zig Eimer stehen und die sind dann voll mit toten, erschlagenen Ferkeln."

Der niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer von den Grünen bezweifelt, dass die in den Aufnahmen dokumentierten Tötungen dem Tierschutz im Grundgesetz gerecht würden. Daher sei es wichtig zu überprüfen, ob diese Art der Tötung, wie man sie auf den Filmaufnahmen sehe, tierschutzgerecht sei: „Ich habe da erhebliche Zweifel daran und dann müssten natürlich auch Sanktionen folgen."

Doch selbst wenn diese Praxis nicht dem Tierschutz gerecht wird und reformiert werden muss – an den menschen- und tierunwürdigen Bedingungen in der Massentierhaltung wird das wenig ändern. Die einzige Möglichkeit, dem Problem zu begegnen, wäre: Weniger Fleisch essen – am besten sogar gar keines.

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