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Ukraine
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26. August 2014

Ukraine: Russen kämpfen in der Ukraine

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Vier Videos von Männern, die sich selbst als russische Soldaten bezeichnen, veröffentlichten ukrainische Behörden.  Foto: dpa

Laut Aussagen gefangengenommener russischer Soldaten sind russische Truppeneinheiten in der Ukraine im Einsatz. Am heutigen Dienstag gestand das Verteidigungsministerium in Moskau erstmals das Offenkundige ein.

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Offiziell nimmt Russland nicht teil am Krieg in der benachbarten Ostukraine. Tatsächlich aber sind russische Truppeneinheiten dort im Einsatz. Die ukrainischen Behörden legten am Montagabend Video-Aussagen gefangener russischer Fallschirmjäger vor, die 20 Kilometer weit in ukrainisches Territorium vorgestoßen waren.

Am Dienstag gestand das Verteidigungsministerium in Moskau erstmals das Offenkundige ein – allerdings mit einer Einschränkung. Es handele sich tatsächlich um russische Soldaten, sagte es. Doch hätten sie sich „zufällig“ auf ukrainisches Territorium begeben, beim Patrouillieren der unmarkierten Grenze. So erklärte es ein Sprecher der Agentur Interfax.

Das widerspricht den Aussagen der Männer. Laut ukrainischen Angaben wurden insgesamt zehn Fallschirmjäger in Serkalnoje, einem Dorf im Donezker Gebiet, gefangengenommen. Videoaufnahmen mit vier der Männer wurden veröffentlicht. Alle gehören zum 331. Regiment der 98. Luftlandedivision, das in Kostroma bei Moskau stationiert ist. Ihre Einheit sei Mitte August von dort nach Rostow an der ukrainischen Grenze verlegt worden, sagten sie – wie es offiziell hieß, zu Übungen.

Russische Fallschirmjäger in der Ukraine

In der Nacht zum 24. August sei ihre Kolonne aus Schützenpanzern und Lastwagen in Marschbereitschaft versetzt worden. Die Erkennungszeichen der Fahrzeuge habe man eigens übermalt und durch weiße Kreise ersetzt, Dokumente und Telefone im Lager zurückgelassen. Ein Ziel wurde nicht genannt. „Es hieß nur: ein Marsch von 70 Kilometern, Abwesenheit drei Tage“, sagte der Gefreite Iwan Miltschakow. „Wussten Sie, dass sie in die Ukraine fahren?“ – „Ja.“

Offenbar war schon die Verlegung nach Rostow von einigen Soldaten eindeutig interpretiert worden. Miltschakow hatte sie im russischen Facebook-Pendant „vkontakte“ kommentiert mit den Worten „Wir fahren in den Krieg. Den Maidan kaltmachen“, so gestand er es seinen Verhörern.
Serkalnoe liegt auf halbem Weg zwischen der russisch-ukrainischen Grenze und der Stadt Ilowajsk, in der zurzeit prorussische Separatisten ukrainische Einheiten eingeschlossen haben.

Offenbar kämpften auch Fallschirmjäger einer anderen Einheit – der in Pskow stationierten 76. Luftlandedivision – in der Ukraine. Ukrainische Truppen eroberten vor einer Woche südlich von Lugansk einen Schützenpanzer mitsamt Dokumenten. Darin tauchten die Namen russischer Fallschirmjäger auf. Noch diesen Montag nannte Russlands Außenminister Sergej Lawrow die Vorwürfe absurd. Wer fahre denn mit Dokumenten in einen Kampfeinsatz, fragte er.

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Am selben Montag wurde allerdings unter reger Beteiligung von Kameraden der Fallschirmjäger Leonid Kitschatkin bei Pskow beigesetzt. Sein Name war in ukrainischen Berichten aufgetaucht, und seine Witwe selbst hatte die Beisetzung auf „vkontakte“ angekündigt. Später widerrief sie Kitschatkins Tod. Auf Kitschatkins Kreuz stand der 19. August als Sterbedatum, auf einem weiteren Grab eines Kameraden der 20. August. Die Todesursachen wurden offiziell nicht genannt.

Die Geheimhaltung weckte neuen Verdacht, ebenso wie die Tatsache, dass Präsident Putin die Pskower Division am 18. August mit dem Suworow-Orden auszeichnen ließ, der für Kampfeinsätze verliehen wird. Offen ist auch, wo die in ukrainischen Berichten genannten russischen Soldaten derzeit sind.

Treffen in Minsk

Die Veröffentlichung der Videos gefangener russischer Soldaten geschah am Vorabend des mit Spannung erwarteten Treffens in Minsk zwischen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko.

Die beiden Staatsoberhäupter trafen am Dienstag zum ersten ersten direkten Gespräch seit Juni zusammen. Zum Auftakt eines Gipfeltreffens der Mitglieder der Eurasischen Wirtschaftsunion mit EU-Vertretern in der weißrussischen Hauptstadt Minsk schüttelten sich die beiden Präsidenten am Dienstag die Hände. „Bei diesem Treffen in Minsk wird das Schicksal der Welt und Europas entschieden. Das ist, wie ich es sehe“, sagte Poroschenko vor dem Beginn der Sitzung. Dem weißrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko sagte er: „Die Priorität ist Frieden“.

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