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Costa Concordia : Crew soll Plätze im Rettungsboot verkauft haben

Im Angesicht des Todes sind alle gleich, aber manche sind gleicher: Mitglieder der Concordia-Crew sollen Plätze im Rettungsboot verkauft haben - an Passagiere der ersten Klasse. Laut N-TV ermittelt deshalb die Staatsanwaltschaft.

Schon auf der Titanic durften die Wohlhabenden das untergehende Schiff zuerst verlassen, und wenn die jüngsten Medienberichte stimmen, dann hält sich diese Tradition bis heute: Mitglieder der Concordia-Crew sollen Plätze im Rettungsboot an reiche Passagiere verkauft haben, berichtet der Nachrichtensender N-TV.

Wegen der Vorwürfe ermittele bereits die Staatsanwaltschaft. Außerdem zitiert N-TV eine Hafenbewohnerin. „In den [ersten] Booten saßen nur gesunde Männer, elegante Frauen im Abendkleid“, habe die Bewohnerin gesagt. Die Insassen hätten russisch gesprochen.

Bergungsarbeiten an der Costa Concordia

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Der neue Vorwurf ist nur einer von vielen Anschuldigungen gegen die Schiffscrew. Mitglieder der Mannschaft hätten Behinderte sich selbst überlassen, berichtete die italienische Zeitung „La Repubblica“.

Telefonmitschnitte beweisen außerdem, dass die Besatzung der Concordia die Situation auf dem havarierenden Schiff stundenlang verharmloste. Obwohl ein Felsen das Schiff aufgeschlitzt hatte und der Maschinenraum bereits unter Wasser stand,wiegelte ein Mitglied der Crew ab. Es handele sich nur um einen Stromausfall, sagte er der besorgten Küstenwache.

Taucher bergen zwei weitere Leichen

Zwei weitere Leichen sind am Montag laut italienischen Behörden aus dem Wrack des Kreuzfahrtschiffs „Costa Concordia“ geborgen worden. Der Zivilschutz erklärte, die Leichen der beiden Frauen seien im Internet-Café des Schiffs entdeckt worden. Die Zahl der bestätigten Todesopfer des Unglücks steigt damit auf 15. Unter den bereits identifizierten Toten ist auch ein Mann aus Deutschland. 17 Menschen gelten offiziell als vermisst. Inzwischen gibt es jedoch Spekulationen über nicht registrierte Passagiere. Damit könnte sich die Zahl der Vermissten noch erhöhen.

Die Lage des Schiffes gilt inzwischen als stabil. Es drohe nicht mehr abzurutschen, teilte der Zivilschutz mit. Somit könne die Suche nach Vermissten fortgesetzt und auch mit der Entsorgung des Treibstoffs aus dem Schiff begonnen werden, sagte der Leiter des Zivilschutzes, Franco Gabrielli, am Montag. Die Such- und Rettungsmission werde bis zum Abschluss weiter betrieben, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Dies gelte trotz der gesundheitlichen Bedenken für die Taucher aufgrund von sich zersetzenden Nahrungsmitteln.

Eine niederländische Spezialfirma bereitet das Abpumpen des Treibstoffs vor, um eine Umweltkatastrophe zu verhindern. Damit könne frühestens am (morgigen) Dienstag begonnen werden, hieß es.

Kapitän gibt Reederei die Schuld

Der Kapitän Francesco Schettino gibt nach Angaben italienischer Medien inzwischen der Reederei die Schuld. Er habe aus Werbezwecken an die Insel Giglio heranfahren müssen, wo es zur Kollision kam. „Wir müssen gesehen werden“, habe ihn die Reederei Costa Crociere aufgefordert. „Machen Sie Werbung und grüßen Sie die Insel.“

Der Präsident der Reederei, Pier Luigi Foschi, sagte der „Süddeutschen Zeitung“, ein Schiff dürfe sich natürlich der Küste nähern - solange die Sicherheitsbestimmungen eingehalten würden.

„Das gehört zur Schifffahrt mit Touristen, wo den Fahrgästen auch ein Spektakel geboten werden soll. Aber es ist verboten, der Küste zu nahe zu kommen.“ Den Passagieren der Costa Concordia wurde mitgeteilt, dass sie Giglio an jenem Abend sehen könnten.

Die Überlebenden der Costa Concordia

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Über den Kapitän Schettino sagte Foschi, dieser habe zwar als autoritär und eher schwierig gegolten. „Aber das besagt nichts bei der Beurteilung der Fähigkeiten als Kapitän.“ Schettino habe seit 2006 den Posten innegehabt und sei nie in einen Unfall verwickelt gewesen. Dem Kapitän wird fahrlässige Tötung und Herbeiführung eines Schiffsunglücks zur Last gelegt.

Zudem soll er entgegen den Seefahrtsregeln das Schiff verlassen haben, obwohl noch Passagiere und Besatzungsmitglieder an Bord waren. Auch soll er zu spät ein Notsignal abgesetzt haben.

Forderung nach Schadensersatz

In Deutschland fordern nach dem Schiffsunglück weitere Passagiere Schadensersatz. Zu den fünf Touristen, die bereits Ansprüche in Höhe von rund 100.000 Euro gestellt hätten, würden in der kommenden Woche wohl noch weitere hinzukommen, sagte Opfer-Anwalt Hans Reinhardt.

In den USA droht dem Eigner der Costa Concordia eine Sammelklage. Die italienische Verbraucherschutzorganisation Codacons wolle gemeinsam mit zwei US-Kanzleien Klage gegen das Unternehmen einreichen, berichtete die britische Rundfunkanstalt BBC am Samstag. Sie verlangten für jeden Passagier eine Entschädigung von 160.000 Dollar (124.000 Euro).

Inzwischen gehen die Behörden von 13 Toten aus. 20 Menschen werden noch vermisst, darunter zahlreiche Deutsche. (jon, dapd)

Datum:  23 | 1 | 2012
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Interaktive Graphik
Das Kreuzfahrtschiff Costa Concordia liegt mit schwerer Schräglage im Wasser.

Der fatale Unfall der Costa Concordia vor der Insel Giglio in unserer interaktiven Graphik.

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