Ein Hubschrauber über dem Wrack der "Costa Concordia". Foto: Massimo Percossi
Ein Hubschrauber über dem Wrack der "Costa Concordia". Foto: Massimo Percossi
Die leckgeschlagenen Costa Concordia droht noch immer zu sinken - und mit ihr etwa 2300 Tonnen Schweröl, das ins Meer vor der toskanischen Küste fließen könnte.
Giglio/Rom –
Nach einer Zwangspause geht die Suche nach Vermissten im Wrack des vor einer Woche gekenterten Kreuzfahrtschiffs «Costa Concordia» weiter. Am Freitagmorgen hatten die Taucher ihre Arbeit eingestellt, weil sich das 290 Meter lange Schiff erneut bewegte.
Sie fürchteten eine wachsende Gefahr an dem Wrack. Erst nach ganztägigen Beratungen und eingehenden Analysen entschieden die Bergungskräfte am Abend, die Suche wieder aufzunehmen, teilte ihr Sprecher Luca Cari mit.
Die italienische Regierung beschloss unterdessen den Notstand, wie der Minister für Parlamentsangelegenheit, Piero Giarda, nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa in Rom verkündete. Dadurch sollen Gelder und zusätzliche Hilfe für die Gegend bereitgestellt werden, in der die «Costa Concordia» havariert war. Das leckgeschlagene Schiff droht weiter zu sinken, etwa 2300 Tonnen Treibstoff - offensichtlich überwiegend Schweröl - könnten dann ins Meer vor der toskanischen Küste fließen.
Untergang droht
Das Kreuzfahrtschiff bewegte sich am Freitag - und zwar unaufhörlich, wie die Helfer mitteilten. Das Wrack vor der italienischen Insel Giglio drohte abzurutschen und ganz unterzugehen. Im Laufe des Tages besprachen die Teams ihr weiteres Vorgehen und werteten Daten eines Roboters aus, der unter Wasser eingesetzt wird.
Möglicherweise brachten Strömungen am frühen Morgen Bewegung in das Wrack. Um das Schiff zu stabilisieren, gibt es Pläne, den 290 Meter langen Koloss mit Hebeseilen am Felsen festzumachen.
Der Philippiner, der bei seiner Rückkehr seine Familie wieder in die Arme schließen konnte, ist einer von rund 1000 Mitgliedern der international zusammengesetzten Crew.
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Auch der Peruaner Angel Paredes (rechts) gehörte zur Crew des Schiffs. Er kehrt leicht verletzt, aber glücklich zu seinen Angehörigen nach Lima zurück.
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Sein philippinischer Kollege Rogelio Barsita zeigt in Manila die Unterschriften weiterer Überlebender auf seinem T-Shirt.
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Cindy Michelly (Mitte), ebenfalls ein Mitglied der Crew, gibt nach ihrer Ankunft am Flughafen in Lima den Reportern Auskunft.
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Aus Peru stammen 44 Besatzungsmitglieder der Concordia. Auch Rose gehört dazu, die hier von einem Mann mit Blumen in Empfang genommen wird.
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Ein peruanischer Kollege von Rose gilt weiter als vermisst, ebenso wie zwei weitere Besatzungsmitglieder aus Italien und Indien. Ein Crewmitglied aus Ungarn ist vermutlich unter den bisher geborgenen Toten.
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Kabinen-Stewardess Gilda Gido wird am Flughafen in den Philippinen ein Schild ihres Arbeitgebers in die Hand gedrückt, auf dem "Wir sind stolz auf euch" steht. Passagiere machen Teilen der Crew Vorwürfe wegen der chaotischen Evakuierung.
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Überlebende berichten, dass Crewmitglieder mehreren Passagieren den Zutritt auf eine Rettungsinsel verwehrt haben. „Not for Passengers, for Crew only“, soll ein Besatzungsmitglied gesagt haben. Aber auch von Crewmitgliedern, die Passagiere aus dem Wasser zogen, wird berichtet.
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"Renzo ist wieder bei uns" - mit dieser frohen Botschaft wartet seine Familie am Flughafen von Lima auf die Rückkehr des Crewmitglieds.
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Ihr Bild ging um die Welt: Han Ki-Deok und seine Frau Chung Hey-Jin aus Südkorea waren auf Hochzeitsreise auf dem Kreuzfahrtschiff und wurden aus dem Wrack gerettet.
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Kandari Sujan Singh aus Indien ist einer der rund 3200 Passagiere - er konnte unverehrt nach Hause zurückkehren.
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Auch Mukesh Kumar überlebte das Unglück als Passagier. Am Indira-Gandhi-Flughafen in Neu Delhi wird der Inder begrüßt.
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In Giglio Porto, am Ort des Unglücks, werden immer noch zahlreiche Menschen vermisst. Unter ihnen ist auch dieser Mann, nach dem Angehörige mit Hilfe eines Fotos suchen.
Während die Suche nach Vermissten weitergeht, feiern Überlebende des Schiffsunglücks der Costa Concordia überall auf der Welt ihre Rettung. Christian Cru, Mitglied der Crew, wird in Manila von seiner Frau in Empfang genommen.
Die Zeit drängte. Von Norden her näherte sich ein heftiges Unwetter. Sturm und hohe Wellen könnten den Luxusliner weiter absacken lassen. Noch immer gibt es mehr als 20 Vermisste, darunter zwölf Deutsche. Das Kreuzfahrtschiff droht nach der Havarie vom 13. Januar über eine Unterwasserklippe in die Tiefe zu gleiten.
Weil die Suche nach den Vermissten noch nicht beendet und außerdem viel Treibstoff an Bord ist, soll ein Sinken des Schiffes auf jeden Fall verhindert werden. Die Retter hofften, dass Giglio sozusagen im Windschatten der westlich gelegenen Insel Korsika etwas geschützt gegen den aufziehenden Sturm und hohen Seegang sein könnte.
In Giglio beriet ein wissenschaftlicher Ausschuss des Zivilschutzes, ob die Bewegung des Schiffes auch bedeuten könnte, dass es sich auf dem Felsen vor der toskanischen Insel festsetzt. Das Schiff verlagere sich um etwa 7 Millimeter pro Stunde, am Bug bis zu 15 Millimeter, erläuterte der Florentiner Erdrutsch-Experte Nicola Casagli, der den Ausschuss auf Giglio leitet.
Ein ferngesteuerter Unterwasser-Roboter sollte am Rumpf des Schiffes die Frage klären helfen, ob das Wrack auf dem Boden «verankert» werden kann, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Jede Bewegung des Kreuzfahrtschiffes werde auch mit Satellitenaufnahmen verfolgt. Der «Rov» genannte Roboter suche auch die Umgebung des Schiffes ab, um eventuell Leichen zu entdecken.
Suche nach Vermissten hat Priorität
«Absolute Priorität hat für uns weiterhin die Suche nach Vermissten», sagte der Sprecher der Rettungsmannschaften, Luca Cari, auf die Frage, wann mit dem Abpumpen des Treibstoffs zu rechnen sei. Unklar war damit, wann die niederländische Spezialfirma Smit mit dem Entfernen des Öls aus den Tanks beginnen kann. Der Beginn der Aktion war eigentlich für Freitag oder diesen Samstag geplant. Jedoch dürften die Arbeiten aus Sicherheitsgründen voraussichtlich erst dann anfangen, wenn sich keine Helfer mehr an Bord befinden.
Derweil haben deutsche Überlebende der Katastrophe einem Zeitungsbericht zufolge Schadenersatz von Reiseveranstalter und Reederei eingefordert. Nach Informationen der «Bild», die mit einem Anwalt gesprochen hatte, reichten zwei Ehepaare und eine Frau aus Nordrhein-Westfalen bereits Klage ein. Die fünf betroffenen Passagiere klagen auf Schadenersatz und Schmerzensgeld. Insgesamt geht es um eine Summe von rund 78 000 Euro, hieß es.
Bei der Suche nach weiteren Opfern sollte auch ein ferngesteuerter Unterwasser-Roboter eingesetzt werden. Foto: Luca Zennaro
Die Zahl der deutschen Toten nach dem Schiffsunglück ist auf sechs gestiegen. Foto: Luca Zennaro
Nach den neuesten Daten der Präfektur sind jetzt noch 16 Menschen verschollen, darunter sechs Deutsche. Foto: Luca Zennaro
Das Unglück geschah am 13. Januar vor der italienischen Insel Giglio. Foto: Luca Zennaro
Die Suche nach Vermissten in dem Wrack der «Costa Concordia» ist wegen schlechten Wetters vorerst unterbrochen worden. Foto: Luca Zennaro
Voraussichtlich bis Mittwoch wird man warten müssen, ehe das Abpumpen des gefährlichen Schweröls beginnen kann. Das Wetter soll bis Dienstag schlecht bleiben. Foto: Luca Zennaro
Im Inneren der Costa Concordia.
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Taucher suchen im Wrack der Costa Concordia noch immer nach knapp 30 Vermissten. Doch die Chance, im Bauch des havarierten Kreuzfahrtsschiffes noch Überlebende zu finden, schwindet von Stunde zu Stunde.
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Die „Costa Concordia“ war am Freitagabend mit mehr als 4.000 Menschen an Bord, darunter 566 Deutsche, nahe Giglio auf einen Felsen aufgelaufen und zur Seite gekippt.
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Die Rettungskräfte der italienischen Marine operieren von Schlauchbooten aus.
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Der Riss im Rumpf des Schiffes ist gewaltig. Ein Felsen hat das Metall auf mehreren Metern Länge aufgeschlitzt.
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Ein Taucher im Inneren des Wracks.
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Große Teile des Luxusliners stehen vollständig unter Wasser.
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Ein Taucher vor der Glocke des auf einen Felsen gelaufenen Schiffes. Foto: UFFICIO STAMPA GRUPPO CARABINIERI SUBAQUEI
Die Hilfsmannschaften befürchten ein komplettes Untergehen des auf der Seite liegenden Kreuzfahrtschiffes. Foto: Massimo Percossi
Auch eine Woche nach dem Unglück wird noch im Wrack des Schiffs nach Vermissten gesucht. Foto: Massimo Percossi
Das Wrack des gekenterten Kreuzfahrers vor der Insel Giglio. Foto: Massimo Percossi
Ein Hubschrauber über dem Wrack der "Costa Concordia". Foto: Massimo Percossi
Die Bergungsarbeiten sind schwierig, weil sich das Schiff stark zur Seite geneigt hat.
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Die Quergänge des Schiffes sind dadurch zu steilen Schächten geworden, unerklimmbar für eingeschlossene Passagiere.
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Die toskanische Feuerwehr ist mit einer Spürhundestaffel vor Ort.
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Die Hunde ins Schiff zu bringen, ist unter den aktuellen Bedingungen allerdings kaum möglich.
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Die Rettungskräfte müssen bei ihren Arbeiten immer das Wetter im Blick behalten, um nicht selbst in Gefahr zu geraten.
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Feuerwehrleute bereiten sich auf der Seite des Schiffes zum Abseilen vor.
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Eine Aufnahme der italienischen Küstenwache aus dem Inneren des Schiffs.
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Sowie hier weitere Außenaufnahmen des Wracks.
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Das Schiff liegt nur wenige Meter von der Küste entfernt auf Grund.
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Eigentlich hätte der Kapitän niemals so dicht am Ufer an der Insel vorbeifahren dürfen.
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Kapitänm Francesco Schettino hatte behauptet, ein Kartenfehler sei die Ursache für das Unglück gewesen.
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Der Felsen, den das Schiff traf, sei nicht in den Karten verzeichnet gewesen.
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Diese Darstellung bewerten Behörden und Seefahrtexperten allerdings als extrem unglaubwürdig.
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Zudem sind jetzt Mitschnitte von Telefonaten bekannt geworden, die den Kapitän weiter belasten.
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Die italienische Nachrichtenagentur Ansa veröffentlichte Zitate aus einem von den Blackboxen aufgezeichneten Telefonat zwischen Francesco Schettino und einem Offizier, der im Hafen der Insel Giglio Dienst hatte.
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Darin wird der schon kurz nach dem Unglück von Zeugen geäußerte Verdacht erhärtet, wonach der Kapitän früh von Bord gegangen war. Der Hafenmitarbeiter wies Schettino darin an, sich zurück auf das Schiff zu begeben.
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Demnach erreichte der Offizier Schettino um 1.46 Uhr auf dem Handy, als noch hunderte Menschen an Bord des sich langsam zur Seite neigenden Schiffes waren.
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Darin forderte der Mitarbeiter des Hafens: „Jetzt begeben Sie sich zum Bug, Sie klettern die Rettungsleiter hoch und leiten die Evakuierung!“
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Der Offizier wurde im Verlauf des Telefonats immer ungehaltener. „Sie müssen uns sagen, wie viele Leute da noch sind, Kinder, Frauen, Passagiere, die genauen Zahlen in jeder Kategorie!“, forderte er Schettino auf.
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„Was machen Sie? Geben Sie die Rettung auf?“, fragte der Offizier. „Nein, nein, ich bin da, ich koordiniere die Rettung“, antwortete Schettino, der von den Zeugen allerdings schon vor Mitternacht am Ufer gesehen wurde.
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Der Offizier sagte, es gebe „bereits Leichen“. „Wie viele?“, fragte Schettino zurück. Der Offizier darauf: „Das müssen doch Sie mir sagen! Was machen Sie? - Jetzt kehren Sie nach da oben zurück und sagen Sie uns, was wir machen können!“
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Schon 1.42 Uhr sagte der Kapitän in einem anderen Telefonat mit der Hafenmeisterei: „Wir können nicht mehr an Bord des Schiffes gehen, weil es zur Heckseite kippt.“ Der Offizier fragte völlig überrascht: „Kommandant, haben Sie das Schiff verlassen?“ Der Kapitän darauf: „Nein, nein, natürlich nicht!“
Der Italienische Verbraucherverband Codacons und zwei US-Anwaltskanzeleien wollen kommende Woche in Miami (Florida) eine Sammelklage gegen die Reederei einreichen, berichtete der britische Sender BBC unter Berufung auf einen Anwalt. Sie wollen für jeden Passagier eine Entschädigung von mindestens 160 000 Dollar (gut 120 000 Euro) erstreiten.
Nach Angaben der Reederei sollen etwa 2300 Tonnen Treibstoff an Bord sein, offensichtlich überwiegend Schweröl. Dickflüssiges Schweröl muss erst erwärmt werden, bevor es abgepumpt werden kann. Die Tanks der «Costa Concordia» fassen 2400 Tonnen.
Die EU-Kommission rechnet nicht mit einer Umweltkatastrophe vor Giglio. «Wir haben den Eindruck, dass sehr, sehr große Anstrengungen unternommen werden, um alles Mögliche zu tun, damit eine Ölpest verhindert wird», sagte die Sprecherin von EU-Verkehrskommissar Siim Kallas. Die Kommission in Brüssel will jetzt in der EU strengere Regeln für die Sicherheit auf Schiffen anleiern. Ähnliches strebt die Regierung in Rom für Italien an.
Zu späte Evakuierung
Zur Diskussion um die möglichen katastrophalen Fehler des Kapitäns sagte der Chef der Costa-Crociere-Reederei, Pier Luigi Foschi, dem Mailänder «Corriere della Sera», Kommandanten hätten zu viel Macht bei ihren Entscheidungen. Foschi sagte, es sei nicht normal und nicht zu rechtfertigen, dass die Evakuierung nach dem Auflaufen auf den Felsen erst nach einer Stunde begonnen habe.
Als «absoluten Quatsch» bezeichnete der Anwalt des Kapitäns Spekulationen, Francesco Schettino könnte zum Zeitpunkt der Havarie betrunken gewesen sein. Die Ergebnisse eine Drogen-Analyse des 52 Jahre alten Schettino stehen noch aus. Anwalt Bruno Leporatti zitierte seinen Mandanten, der unter Hausarrest steht, wie folgt: «Sollte ich einen Fehler begangen haben, dann bin ich bereit, die Verantwortung zu übernehmen.» Doch das müsse noch geklärt werden.
Italienische Medien wie der TV-Sender RaiNews24 zeigten währenddessen Amateuraufnahmen, auf denen zu sehen sein soll, dass Crewmitglieder der «Costa Concordia» Passagiere auch dann noch in ihre Kabinen zurückschickten, als bereits Wasser in das Schiff eintrat. «Alles ist unter Kontrolle, kehren Sie zu den Kabinen zurück», sage in dem Video ein Besatzungsmitglied etwa 40 Minuten nach dem Aufprall. Mit diesen Worten wendet sich eine Frau im Auftrag des Kapitäns an Passagiere.
Die Aufnahmen scheinen Vorwürfe gegen den Kapitän zu bestätigen, die Evakuierung sei zu spät und chaotisch gewesen. Die ermittelnde Staatsanwaltschaft gab daraufhin bekannt, alle Amateuraufnahmen von dem Schiffbruch sehen zu wollen. (dpa)
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