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Costa Concordia-Katastrophe: Doch kein deutsches Opfer?

Das Auswärtige Amt in Berlin hat die Meldung, dass eines der acht Opfern ein Deutscher sei, nicht bestätigt.
Das Auswärtige Amt in Berlin hat die Meldung, dass eines der acht Opfern ein Deutscher sei, nicht bestätigt.
Foto: dapd

Nach neuesten Informationen befindet sich unter den acht Opfern des Unglücks auf der Costa Concordia kein Deutscher. Derweil gibt der Kapitän des Unglücksschiffs der Reederei eine Mitschuld: Diese habe gefordert, dicht an die Insel zu fahren - als Werbung.

Giglio –  

Unter den Opfern des Schiffsunglücks vor der toskanischen Küste ist mindestens ein Deutscher. Das bestätigte ein Sprecher der italienischen Polizei am Sonntag. Das Auswärtige Amt in Berlin hingegen dementierte zur aktuellen Stunde diese Meldung. Wie eine Sprecherin am Sonntag mitteilte, lägen dem Ministerium „keine belastbaren Informationen über deutsche Staatsangehörige unter den Toten vor“.

Bergungsarbeiten an der Costa Concordia

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Insgesamt wurden acht vom Wrack des havarierten Kreuzfahrtschiffes „Costa Concordia“ geborgene Leichen identifiziert, wie Rocco Carpentieri auf einer Pressekonferenz sagte. Neben dem Mann aus Deutschland handele es sich um vier Franzosen und je ein Person aus Spanien, Italien und Ungarn. Bis Sonntagnachmittag wurden insgesamt 13 Tote geborgen. Etwa 24 Menschen wurden noch vermisst.

Zahl der Vermissten bleibt nach wie vor unklar

Die genaue Zahl der Vermissten war unklar, da auch Menschen an Bord waren, die nicht auf den offiziellen Passagierlisten verzeichnet waren. „Es könnte (eine unbekannte Anzahl von) Personen geben, von denen wir nichts wissen, die blinde“ Passagiere waren, sagte der Leiter des Krisenstabs, Franco Gabrielli. Von den noch nicht identifizierten Todesopfern sei nicht bekannt, ob sie auch offiziell als vermisst gelten.

So sei eine Ungarin von ihrer Familie bei der Botschaft als vermisst gemeldet worden. Die Frau habe vom Schiff aus Angehörige angerufen. Seit dem Tag des Unglücks am 13. Januar hätte sie jedoch nichts mehr von ihr gehört. Möglicherweise handele es sich bei der Leiche, die am Samstag von Tauchern geborgen wurde, um die nicht registrierte Passagierin.

Interaktiv: Die Havarie der Costa Concordia

Am Sonntag bargen Taucher eine weitere Frauenleiche aus dem vor der Insel Giglio liegenden Wrack. Zivilschutzsprecherin Francesca Maffini sagte, die Frau habe eine Rettungsweste getragen und sei im unter Wasser liegenden Heck des Schiffes gefunden worden.

Taucher suchen im Restaurantbereich nach Vermissten

Bei der Suche waren am Sonntag insgesamt 643 Menschen im Einsatz, darunter 65 Marinetaucher, wie Gabrielli sagte. Nach Bewegungen in der Nacht im Bug des Kreuzfahrtschiffes waren die Arbeiten vorübergehend unterbrochen worden. Der Einsatzleiter der Feuerwehr, Cosimo Pulito, erklärte, die Einsatzkräfte hätten erneut Bullaugen eingeschlagen und gesprengt. Sie suchten besonders den Bereich des Restaurants ab. Dieser sei jedoch nur schwer zugänglich, weil zahlreiche Gegenstände das Vorankommen behinderten.

Die Überlebenden der Costa Concordia

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Aus dem havarierten Schiff traten bisher keine Kraftstoffe in nennenswertem Umfang aus, wie Einsatzleiter Gabrielli erklärte. Zwar seien Reinigungs- und Desinfektionssubstanzen im Wasser um das Schiff festgestellt worden, die Werte im Hafen von Giglio seien jedoch normal.

Taucher der Polizei schwammen am Samstag zur Kabine des Kapitäns Francesco Schettino, um dessen Safe, Gepäck und Dokumente aus dem Wrack zu holen. Der Kapitän steht weiter unter Hausarrest, während die Polizei gegen ihn wegen des Verdachts auf Totschlag ermittelt. Auf dem Schiff befanden sich zum Zeitpunkt des Unfalls etwa 4.200 Passagiere.

Offenbar weitere Schadensersatzforderungen geplant

Zuletzt hatte die Kreuzfahrtlinie Costa Crociere, eine Tochter des US-Unternehmens Carnival Cruise Linees, erklärt, Schettino sei ohne Erlaubnis von der ursprünglichen Route abgewichen und habe die „Costa Concordia“ nah an die Insel heran gesteuert, offenbar um die Passagiere zu beeindrucken.

Innenansichten des Luxusliners Costa Concordia

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In Deutschland wollen nach dem Schiffsunglück offenbar weitere Passagiere Schadensersatzforderungen geltend machen. Zu den fünf Touristen, die bereits Ansprüche in Höhe von rund 100.000 Euro gestellt hätten, würden in der kommenden Woche wohl noch weitere hinzu kommen, sagte Opfer-Anwalt Hans Reinhardt.

In den USA droht dem Eigner der „Costa Concordia“ zudem eine Sammelklage. Die italienische Verbraucherschutzorganisation Codacons wolle gemeinsam mit zwei US-Kanzleien Klage gegen das Unternehmen einreichen, berichtete die britische Rundfunkanstalt BBC am Samstag. Sie verlangten für jeden Passagier eine Entschädigung von 160.000 Dollar (124.000 Euro).

Kapitän gibt Reederei die Schuld

Der Kapitän der „Costa Concordia“ hat der Reederei eine Mitschuld am Kentern des Kreuzfahrtschiffes gegeben. Francesco Schettino sagte nach Angaben italienischer Medien vor den Behörden aus, er habe aus Werbezwecken an die Insel Giglio heranfahren müssen. „Wir müssen gesehen werden“, habe ihn die Reederei Costa Crociere aufgefordert. „Machen Sie Werbung und grüßen Sie die Insel.“ Die Zahl der Toten stieg derweil auf 13. 20 Menschen werden noch vermisst, darunter zahlreiche Deutsche.

Der Präsident der Reederei, Pier Luigi Foschi, sagte der „Süddeutschen Zeitung“, ein Schiff dürfe sich natürlich der Küste nähern - solange die Sicherheitsbestimmungen eingehalten würden. „Das gehört zur Schifffahrt mit Touristen, wo den Fahrgästen auch ein Spektakel geboten werden soll. Aber es ist verboten, der Küste zu nahe zu kommen.“ Den Passagieren der „Costa Concordia“ sei mitgeteilt worden, dass Giglio an dem Abend in einer Entfernung von fünf Meilen gesehen werden könne.

Über Schettino sagte Foschi, dieser habe zwar als autoritär und eher schwierig gegolten. „Aber das besagt nichts bei der Beurteilung der Fähigkeiten als Kapitän.“ Schettino habe seit 2006 den Posten innegehabt und sei nie in einen Unfall verwickelt gewesen. Dem Kapitän wird fahrlässige Tötung und Herbeiführung eines Schiffsunglücks zur Last gelegt. Zudem soll er entgegen den Seefahrtsregeln den Havaristen verlassen haben, obwohl noch Passagiere und Besatzungsmitglieder an Bord waren. Auch soll er zu spät ein Notsignal abgesetzt haben. (dapd/rtr)

Datum:  22 | 1 | 2012
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Das Kreuzfahrtschiff Costa Concordia liegt mit schwerer Schräglage im Wasser.

Der fatale Unfall der Costa Concordia vor der Insel Giglio in unserer interaktiven Graphik.

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