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Havarie Costa Concordia: "Gehen Sie an Bord, verflucht nochmal!"

Francesco Schettino nach seiner Verhaftung.
Francesco Schettino nach seiner Verhaftung.
Foto: dapd

Ein mitgeschnittenes Gespräch zwischen Francesco Schettino und der zuständigen Hafenkommandantur untermauert die Vorwürfe gegen den Kapitän der "Costa Concordia". Lesen Sie hier das Telefonat im Wortlaut.

Nach der Havarie der „Costa Concordia“ führte der Kapitän des Kreuzfahrtschiffs in der Nacht zum Samstag ein erregtes Telefonat mit einem Offizier der zuständigen Hafenkommandantur. Das mitgeschnittene und am Dienstag publik gewordene Gespräch untermauert die Vorwürfe gegen Francesco Schettino, der seit der Katastrophe in Untersuchungshaft besitzt. Das Telefonat begann um 01.46 Uhr und verlief wie folgt:

Kommandant Gregorio De Falco von der Hafenkommandantur in Livorno: „Ja, ich bin De Falco aus Livorno, spreche ich mit dem Kommandanten?“

Schettino: „Ja, guten Abend, Kommandant De Falco.“

De Falco: „Sagen Sie mir bitte Ihren Namen.“

Schettino: „Ich bin der Kommandant Schettino, Kommandant.“

De Falco: „Schettino? Hören Sie, Schettino. Es stecken Menschen an Bord fest. Jetzt begeben Sie sich mit Ihrem Rettungsboot auf die rechte Unterseite des Schiffsbugs. Da ist eine Leiter und Sie besteigen das Schiff. Sie gehen an Bord und Sie sagen uns, wie viele Leute da sind. Ist das klar? Ich zeichne dieses Gespräch auf, Kommandant Schettino.“

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Schettino: „Kommandant, ich möchte Ihnen etwas sagen ....“

De Falco: „Sprechen Sie laut. Halten Sie die Hand vor das Mikro und sprechen Sie lauter, alles klar?“

Schettino: „Das Schiff hat sich gerade zur Seite gesenkt ....“

De Falco: „Verstanden. Hören Sie: Leute sind dabei, die Leiter am Bug hinabzusteigen. Sie müssen diese Leiter in die umgekehrte Richtung hoch, das Schiff besteigen und mir sagen, wie viele Menschen da sind und was an Bord los ist. Ist das klar? Sie müssen mir sagen, wie viele Kinder, Frauen und hilfsbedürftige Menschen da sind. Und sie sagen mir, wie viele Menschen aus diesen Kategorien da sind. Ist das klar? Hören Sie, Schettino, Sie haben vielleicht geschafft, sich aus dem Meer zu retten, aber das da, das wird wirklich schlecht ausgehen .... Ich werde Ihnen verdammt viele Scherereien machen. Gehen Sie an Bord, verflucht nochmal!“

Schettino: „Kommandant, ich bitte Sie.“

De Falco: „Nein, ich bitte Sie. Sie gehen jetzt dorthin, Sie gehen an Bord. Sie sagen mir zu, dass Sie dabei sind, an Bord zu gehen.“

Schettino: „Ich bin bereits dabei, dorthin zu gehen, ich bin da, ich gehe nirgendwo hin, ich bin da ....“

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De Falco: „Was machen Sie gerade, Kommandant?“

Schettino: „Ich bin da, um die Hilfe zu koordinieren.“

De Falco: „Wer koordiniert dort? Jetzt gehen Sie wieder an Bord, um die Hilfe an Bord zu koordinieren. Weigern Sie sich?“

Schettino: „Nein, nein, ich weigere mich nicht.“

De Falco: „Sie weigern sich, wieder an Bord zu gehen? Sagen Sie mir, aus welchem Grund Sie nicht dorthin gehen?“

Schettino: „Ich bin nicht dabei, dorthin zu gehen, weil das andere Boot (Rettungsboot, Anmerkung der Redaktion) dort festgemacht hat.“

De Falco: „Sie gehen an Bord, das ist ein Befehl. Sie dürfen an nichts Anderes mehr denken. Sie haben die Evakuierung des Schiffs angeordnet. Jetzt habe ich hier das Kommando. Sie gehen zurück an Bord! Ist das klar? Haben Sie mich verstanden? Gehen Sie dorthin und rufen Sie mich sofort vom Schiff aus an. Meine Hilfe aus der Luft ist bereits da.“

Schettino: „Wo ist Ihre Hilfe?“

De Falco: „Sie ist am Bug. Gehen Sie. Es gibt schon Leichen, Schettino.“

Schettino: „Wie viele?“

De Falco: „Ich weiß nicht. Aber das ist sicher, ich hab's gehört. Es ist Ihr Job, mir zu sagen, wie viele es sind, in Gottes Namen!"

Schettino: „Aber Sie wissen, dass es Nacht ist und man hier nichts sieht?“

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De Falco: „Was wollen Sie machen, Schettino, nach Hause gehen? Es ist Nacht, also wollen Sie nach Hause gehen? Gehen Sie die Leiter am Bug hoch und sagen Sie mir, was man tun kann, wie viele Leute da sind, was Sie brauchen. Sofort!“

Schettino: „Ich bin mit dem stellvertretenden Kommandanten (im Rettungsboot, Anmerkung der Redaktion).“

De Falco: „Gehen Sie beide an Bord. Sie und Ihr Adjutant gehen jetzt an Bord, ist das klar?“

Schettino: „Und, Kommandant, ich würde gerne an Bord, aber das andere Rettungsboot hier.... Andere Rettungskräfte sind hier. Es hat angehalten und ist blockiert, ich habe andere Rettungskräfte gerufen.“

De Falco: „Das sagen Sie mir schon seit einer Stunde. Jetzt gehen Sie an Bord, gehen Sie an Bord! Und Sie sagen mir jetzt gleich, wie viele Menschen da sind.“

Schettino: „Jawohl, Kommandant.“

De Falco: „Gehen Sie jetzt endlich!"

Nach Angaben der Hafenkommandantur hat der um kurz nach Mitternacht auf einen Felsen geflüchtete Kapitän sein Schiff auch nach diesem Telefonat nicht wieder betreten. Die Rettungsaktionen gingen bis sechs Uhr morgens weiter. (rtr)

Datum:  18 | 1 | 2012
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