Köln (ddp) - Der neue Vorstand von Unicef Deutschland rechnet mit anhaltenden Auswirkungen der Spendenaffäre um die deutsche Sektion des UN-Kinderhilfswerks. "Wir haben 20 Prozent unserer Fördermitglieder verloren. Wir wollen versuchen, in diesem Jahr wenigstens die Hälfte von ihnen zurückzugewinnen", sagte der neue Unicef-Vorsitzende des Kinderhilfswerkes, Jürgen Heraeus, am Dienstag bei der Vorlage des Geschäftsberichts 2007 in Köln.
Mit 94,7 Millionen Euro Einnahmen hatte Unicef Deutschland im vergangenen Jahr das drittbeste Ergebnis seiner Geschichte erzielt. Nach der Aufdeckung der Spendenaffäre im Spätherbst verlor das Kinderhilfswerk allerdings zwischen Dezember 2007 und April 2008 über 38.000 Fördermitglieder. Der Ausfall an Spenden dürfte Schätzungen des Vorstandes zwischen 10 und 20 Millionen Euro liegen.
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Heraeus räumte ein, dass mehrere der leistungsstarken Firmenförderer ihre Unterstützung für Unicef derzeit ruhen ließen. Mit ihnen würden jetzt Gespräche geführt.
Kaum Ausfälle habe es aber bei den ehrenamtlichen Helfern vor Ort gegeben, sagte deren Sprecherin, Carmen Creutz. Allerdings müssten sie sich bei Aktionen wie beim Verkauf von Grußkarten mehr als früher kritische Fragen gefallen lassen. Auch sei es schwerer geworden, Schulen für Kooperationen zu gewinnen, weil viele Eltern Bedenken hätten.
Nach monatelangen internen Querelen war dem Kinderhilfswerk im Februar das Spendensiegel entzogen worden, unter anderem, weil es den Einsatz von provisionsabhängigen Spendenwerbern verschwiegen hatte.
Schon zuvor hatten die Unicef-Vorsitzende Heide Simonis und Geschäftsführer Dietrich Garlichs wegen der Affäre ihre Ämter zur Verfügung gestellt. Im April war dann der Unternehmer Jürgen Heraeus zum neuen Vorsitzenden von Unicef Deutschland gewählt worden.