Gustav Rau wird 1922 geboren, studiert Volkswirtschaft und übernimmt in den 60er Jahren die Stuttgarter Autozulieferfabrik seines Vaters. Nebenher studiert er Medizin und macht 1969 das Examen. Als sein Vater stirbt, verkauft er das Unternehmen für 400 Millionen Mark und widmet sich nur noch Hilfsprojekten in der Dritten Welt.
Im Osten der Republik Kongo (damals Zaire) baut Rau eine Krankenstation auf. Rund 20 Jahre bleibt er in Afrika und arbeitet als Arzt für die Armen. Sein Vorbild ist der Friedensnobelpreisträger Albert Schweitzer. Lebenslang hatte Rau nur wenige Kleidungsstücke, sagen Bekannte. Er habe seine Socken stopfen lassen und Briefumschläge mehrfach verwendet.
Sein Reichtum ist ihm ein Mittel zur Hilfe für andere. Oft fliegt Rau aus Afrika in abgewetzter Kleidung nach London und ersteigert bei Christies und Sothebys teure Gemälde. Mit der Zeit besitzt Rau eine Sammlung, deren Wert auf rund 600 Millionen Euro geschätzt wird. Dazu gehören Werke von Cézanne, Renoir, El Greco und Cranach.
Die Sammlung war für Rau kein Selbstzweck: Sie sollte seine Hilfsprojekte in Afrika über seinen Tod hinaus dauerhaft finanzieren. Um dies zu gewährleisten, gründet Rau in der Schweiz und in Liechtenstein eigene Stiftungen, denen er sein Vermögen überträgt.
Nach einem Unfall in Afrika zieht sich Rau Anfang der 90er Jahre nach Monaco zurück. Dort befällt ihn eine neurologische Krankheit, er hat Verwirrtheitszustände, fällt auf, wird zeitweise unter Vormundschaft gestellt. Eine Spezialklinik in Israel soll helfen. Als er sich dort aufhält, gründen sein Privatsekretär Robert C. und seine Generalbevollmächtigte Sigrid T. dort plötzlich für sich selbst eine Aktiengesellschaft, mit der sie eine teure Villa kaufen.
Raus Schweizer Anwalt, Alexander de Beer, interveniert - und ein beispielloser juristischer Krieg bricht los. Sigrid T. und Robert C. bringen Rau nach Deutschland, wo er nach ihren Vorstellungen in einem lichten Moment sein Testament ändern soll. De Beer lässt im Gegenzug die Kunstsammlung in der Schweiz sichern.
Am 26. Oktober 1999 unterschreibt Rau schwerkrank ein Testament, in dem er aus Sicht von Unicef seine eigenen Stiftungen enterbt und Unicef als Alleinerbin eingesetzt hat. Der Rechtsstreit darüber ist bis heute nicht entschieden. Dennoch gelangt die Kunstsammlung nach massivem politischen Druck der deutschen Bundesregierung zu Unicef nach Köln. Bis heute steht sie aber unter Kontrolle eines Nachlasspflegers. Rau stirbt kurz vor einem Gerichtstermin, an dem er persönlich gehört werden sollte, am 3. Januar 2002.