Herr Sornek, was sagt der Deutsche Fundraising Verband zu den hohen Provisionen für Berater bei Unicef?
Grundsätzlich kann ich sagen, dass der Deutsche Fundraising Verband eine ungedeckelte, erfolgsbezogene Vergütung prozentual zu den Spenden ablehnt. Man darf Leistungskomponenten nicht frei an der Spendenhöhe festmachen. Da entsteht ein immenser Druck auf den Mitarbeiter, der auch Auswirkungen auf das Verhältnis zum Spender hat. Gerade bei großen Legaten ist es völlig abzulehnen, eine nach oben hin offene Provision auszumachen.
Das Fundraising beschreibt die systematische Analyse, Planung, Durchführung und Kontrolle sämtlicher Aktivitäten einer Nonprofit-Organisation. Es hat zum Ziel, die nötigen Ressourcen zu beschaffen.
Wer sich professionell mit dem Einwerben von Mitteln für Nonprofit-Organisationen beschäftigt, sei der Deutsche Fundraising-Kongress als größtes und renommiertestes Branchentreffen ans Herz gelegt.
Der Deutsche Fundraising Kongress findet vom 16. bis 18. April im Kultur- und Kongresszentrum Fulda statt. Weitere Informationen zum Kongress im Internet.
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Wovon sollen professionelle Spendensammler denn leben?
Fundraiser ist ein ordentlicher Beruf. Fundraiser sind gut ausgebildet, viele haben ein Hochschulstudium und da ist es auch selbstverständlich, dass die Bezahlung so bemessen ist, dass sie davon leben und eine Familie ernähren können. Ich kenne die Honorarverträge bei Unicef nicht. Aber auch hier gilt, dass ungedeckelte Provisionen bzw. Leistungszulagen vom Verband abgelehnt werden und wir diese Praxis als nicht verantwortlich gegenüber dem Spender ansehen.
Sollten die Spender über Provisionen informiert werden?
Wichtig für den Spender ist die Information, dass kaum eine Spende eins zu eins ans Spendenziel gelangt. Projekte müssen geplant, durchgeführt, kontrolliert und ausgewertet werden. Das kostet zwar Geld, ist aber durchaus im Sinne des Spenders, der zu Recht einen professionellen und wirtschaftlichen Umgang mit seinen Spendengeldern erwartet. Wir als Verband treten für eine leistungsgerechte Vergütung aller Fundraiser ein.
Hat der Unicef-Berater die Provision für eine Lidl-Spende verdient, die er nie akquiriert hatte?
Ob die Provision berechtigt war, kann ich nicht beurteilen. Selbstverständlich muss eine Vergütung immer mit einer Arbeitsleistung zusammen hängen und das gilt auch für jede eingeworbene Spende.
Wächst mit der Größe der Spendenorganisation auch die Gefahr von Verschwendung?
Ob die Organisation klein oder groß ist: mit dem anvertrauten Geld muss sehr sorgsam umgegangen werden. Als Non-Profit-Organisation erhält Unicef jährlich um die 90 Millionen Euro an Spenden, den SOS-Kinderdörfern sind jährlich rund 200 Millionen anvertraut. Hier können sie nicht mehr nur mit Ehrenamtlichen arbeiten. Hier brauchen sie gut ausgebildete Fundraiser. Diese garantieren ihnen letztendlich Effektivität und sparsame Mittelverwendung.
Wann ist das Engagement von externen Beratern sinnvoll?
Berater nimmt man, wenn man projektbezogen jemanden braucht mit einem bestimmten Know-How. Das ist häufig billiger, als gleich neue Mitarbeiter einzustellen.
Sind Spendenorganisationen dieser Größe mit normalen Wirtschaftsunternehmen vergleichbar?
Wir haben kein Produkt wie ein Auto zu verkaufen. Beim Spenden spielt das Vertrauen eine wichtige Rolle. Es bleibt ein gutes Gefühl - eine Beziehung zu einer Organisation. Die Spende ist Ausdruck einer Beziehung. Es ist ein Vertrauensverhältnis zwischen dem Spender und der Organisation.
Hat der Unicef-Skandal dieser Beziehung geschadet?
Es gibt eine Sorge unter den gemeinnützigen Vereinen. Der eine oder andere Verein berichtet von einem Vertrauensverlust unter den Spendern.
Wie könnte Unicef, wie könnten andere Organisationen Vertrauen zurückgewinnen?
Durch Offenlegung der Wirtschaftszahlen könnte sicherlich Vertrauen wieder zurück gewonnen werden. Der Transparenzpreis von Price Waterhouse Coopers (PWC) geht in diese Richtung. Aber es ist festzuhalten, dass nicht alles schlecht ist. Sie können davon ausgehen, dass Unicef insgesamt sehr gut arbeitet. Vielleicht ist es ein Gebot der Stunde, die gute Arbeit mehr zu kommunizieren.
Reicht das Spendensiegel des DZI nicht aus?
Das DZI-Spendensiegel ist in Deutschland sicherlich das wichtigste Gütesiegel. In anderen Ländern sieht das wieder anders aus. Dort gibt es für Transparenz weitere "Watch"-Institute, die die Arbeit der Spendenorganisationen kontrollieren..
Gibt es Spendenwerbung, die Sie ablehnen?
Auch Spendenwerbung unterliegt einer Ethik. So lehnt der Deutsche Fundraising Verband eine Werbung ab, in der die Würde des Menschen verletzt wird. Leider gibt es immer wieder mal sogenannte schwarze Schafe, die sich daran nicht halten und beispielsweise mit gefühlsbetonten und drängenden Bildern von hungernden Kindern - mit Zentimetermaß um den Arm gelegt - in Spendenaufrufen arbeiten, die diese Grenze nicht einhalten. Das DZI warnt immer wieder vor unseriösen Vereinen.
Ist Deutschland ein lukrativer Spendenmarkt?
Das jährliche Spendenvolumen in Deutschland liegt bei 5 Milliarden Euro. Dem stehen etwa 2-3000 spendensammelnde Organisationen gegenüber. Fundraiser machen auch in Deutschland viele Projekte erst möglich. Nur gut ausgebildete Mitarbeiter garantieren gute Arbeit Man sollte nicht aufgrund bedauerlicher Einzelfälle den gesamten Dritten Sektor verurteilen.
Interview: Matthias Thieme