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Millionen-Erbe: Spendenprofis raten Unicef zu mehr Transparenz

Im Streit um das Millionen-Erbe Gustav Raus soll das Kinderhilfswerk Dokumente offen legen.

Seit Jahren kämpft Unicef mit hohem Aufwand um das Erbe des Multimillionärs und Kunstsammlers Gustav Rau.
Seit Jahren kämpft Unicef mit hohem Aufwand um das Erbe des Multimillionärs und Kunstsammlers Gustav Rau.
Foto: dpa

Der Deutsche Fundraising-Verband empfiehlt dem Kinderhilfswerk Unicef, seine Rolle im Kampf um das Millionenerbe des Kunstsammlers Gustav Rau genauer zu beleuchten.

"Unicef müsste deutlicher erklären, wie es zu dem Erbstreit gekommen ist", sagte Sylvia Starz, Geschäftsführerin des Deutschen Fundraising-Verbands, der Frankfurter Rundschau. Das Kinderhilfswerk "muss transparenter machen, was der Wille des Erblassers war", sagte Starz.

Unicef solle "Einsicht in Dokumente geben", so die Geschäftsführerin der Dachorganisation der professionellen Spendenwerber in Deutschland. "Unicef muss das nachvollziehbar machen, damit nicht der Eindruck entsteht, dass Mittel falsch eingesetzt werden", so Starz.

Seit Jahren kämpft Unicef mit hohem Aufwand um das Erbe des Multimillionärs und Kunstsammlers Gustav Rau. Dieser hatte sein Vermögen, das auf rund 600 Millionen Euro geschätzt wird, zunächst den von ihm selbst gegründeten Stiftungen in der Schweiz und in Liechtenstein geschenkt. Später setzte er widersprüchliche Testamente auf und starb 2002 unter mysteriösen Umständen.

Nach eigenen Angaben hat Unicef bislang 1,7 Millionen Euro in den Rechtsstreit und die Verwaltung von Raus Kunstsammlung investiert - viel Geld, das in der Hoffnung auf mehr Geld bislang aus der Unicef-Stiftung genommen wurde. Ob Unicef das Erbe überhaupt bekommt, ist aber nicht endgültig entschieden, weil vor dem Konstanzer Landgericht seit Jahren gestritten wird, wer Raus Nachlass erhält.

Auch deshalb steht die wertvolle Kunstsammlung, die in Köln lagert, unter der Kontrolle des gerichtlich eingesetzten Nachlasspflegers Ernst Haug - der einzigen neutralen Person in dem fragwürdigen Gezerre um Raus Erbe.

Unicef wollte den Nachlasspfleger zunächst verhindern, scheiterte aber vor dem Oberlandesgericht Karlsruhe. "Die komplette Sammlung von rund 700 Kunstwerken steht unter meiner Sicherung", sagte Haug der FR. "Unicef kann ohne mich darauf nicht zugreifen." Ein ungewöhnlicher Fall von Erbschafts-Marketing, der in der Spendenbranche auch wegen des forschen Auftretens des Kinderhilfswerks für Aufsehen sorgt.

Andere führen keine Prozesse

"Wir führen fast nie Prozesse um Erbschaften", sagt Melanie Stöhr, die bei Greenpeace für das Einwerben von Testamenten zuständig ist. "Ein jahrelanger Rechtsstreit ist nicht im Sinne des Verstorbenen und verbraucht nur das Vermögen." Beim stillen Werben um Testamente verhalte sich Greenpeace eher passiv. "Wir haben Respekt vor der Lebensweise und dem Willen des Spenders", so Stöhr. Dass man mit anderen Erben teilen müsse, sei normal. "Wir sind fast nie Alleinerbe", so die Expertin. Rund 1,5 Millionen Euro kamen so für die Umweltorganisation im Jahr 2007 zusammen - verglichen mit den 40 Millionen Euro Gesamteinnahmen von Greenpeace eine eher kleine Summe.

Die Testaments-Gestaltung sei "das Ziehen einer Lebensbilanz", sagt die Rechtsanwältin und Fundraiserin Viva Volkmann, die einen Leitfaden für das Erbschaftsmarketing erarbeitet hat. "Oberstes Ziel ist die Freiwilligkeit des Spenders". Juristische Auseinandersetzungen um Testamente seien "unüblich", so Volkmann. "Man darf dem Geld nicht nachlaufen, sonst wird man als Erbschleicher wahrgenommen."

"Wir kämpfen nie um Erbschaften", sagt auch Wolfgang Kern, Fachmann beim Berliner Johannisstift der Diakonie. "Wir glauben, dass Wahrhaftigkeit und fairer Umgang weiter führen." Schließlich gehe es oft um ein Vermögen, "für das Menschen ein Leben lang gearbeitet haben".

Bei Unicef sieht man ethische Grenzen im Fall Rau nicht überschritten. In einigen Fällen seien rechtliche Auseinandersetzungen unvermeidlich, teilte das Kinderhilfswerk auf FR-Anfrage mit.

Autor:  MATTHIAS THIEME
Datum:  30 | 7 | 2008
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