Köln (dpa) - Der frühere nordrhein-westfälische Staatssekretär Wolfgang Riotte (69) ist neuer Interims-Geschäftsführer von Unicef Deutschland. Gemeinsam mit dem vor gut einer Woche gewählten Vorstand werde er die eingeleiteten Reformen vorantreiben und wolle verlorenes Vertrauen für die deutsche Unicef-Sektion zurückgewinnen, betonte der Jurist am Montag in Köln.
Riotte sprach von einer "ehrenvollen Aufgabe", die er vorübergehend ausüben werde, bis ein langfristiger Geschäftsführer gefunden sei. Der neue Leiter der Kölner Unicef-Geschäftsstelle gilt als Experte für die Organisation und Modernisierung von Verwaltungsabläufen und war von 1987 bis 2003 Staatssekretär im NRW-Innenministerium.
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Unicef Deutschland war wegen Verschwendungsvorwürfen, verschwiegenen Provisionen und dem Entzug des wichtigen Spendensiegels in eine schwere Krise geraten. Umfangreiche Reformen für mehr Transparenz und Kontrolle waren als Konsequenz auf den deutlichen Verlust von Spendengeldern und Förderern auf den Weg gebracht worden. Um auch einen personellen Neuanfang zu machen, ging nun am 10. April der neu gewählte Vorstand an den Start, mit dem Unternehmer Jürgen Heraeus (71) an der Spitze. Heraeus zufolge wird Riotte für seine schwierige Aufgabe ein Gehalt von monatlich 3000 Euro beziehen. Der Posten des Geschäftsführers war fast drei Monate lang vakant.
Der langjährige Geschäftsführer Dietrich Garlichs war im Februar zurückgetreten - nach Vorwürfen über zu hohe Provisionen an externe Berater. Die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Garlichs wegen des Anfangsverdachts der Untreue. Heraeus erklärte, die Zuständigkeiten des künftigen Geschäftsführers seien eingeschränkt worden. Bei Ausgaben in einer bestimmten Höhe oder auch bei Personal- Einstellungen müsse künftig der Vorstand zustimmen, dem der Geschäftsführer nicht mehr angehöre. Ein Geschäftsführer sei "Brückenbauer" zu den ehrenamtlichen Helfern, müsse sich mit Fundraising, Finanzen und Management auskennen und "glaubwürdig die Rechte der Kinder vertreten". Es reiche nicht, "Gutmensch" zu sein.
Der Unicef-Botschafter Joachim Fuchsberger betonte, das deutsche Komitee habe in den vergangenen Monaten Anfeindungen, Häme und auch falsche Beschuldigungen ertragen müssen. "Wir haben uns daneben verhalten und wir haben das zu korrigieren." Die Glaubwürdigkeit der Organisation sei aber zu Unrecht in Frage gestellt worden. Das UN-Hilfswerk helfe Jungen und Mädchen in aller Welt, nicht einem einzigen Kind sei durch die Unicef-Krise in Deutschland Schaden zugefügt worden, betonte der Schauspieler. Seit November 2007 hat die deutsche Sektion rund 37.000 von einst 200.000 Fördermitgliedern verloren. Die Spenden-Einnahmen sanken um 20 Prozent, das entspricht sieben Millionen Euro.
Um Unicef tatkräftig zu unterstützen, nahm gleichzeitig mit dem neuen Interims-Geschäftsführer auch ein "Team Unicef" seine Arbeit auf. Diesem gehören vor allem renommierte Beratungsunternehmen wie Roland Berger, Ernst & Young oder Pleon an. Sie würden kostenlos Verbesserungen für Organisation und Management erarbeiten, Vorschläge für eine neue Satzung einbringen oder bei der Suche nach einem langfristigen Geschäftsführer helfen. Für das Jahr 2010 will Unicef Deutschland dann das Spendensiegel als Garant für die Seriosität einer Hilfsorganisation neu beantragen.