Frankfurt (dpa) - Nach monatelangen Querelen ist Heide Simonis als Vorsitzende von Unicef Deutschland zurückgetreten. Die frühere Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein begründete ihren Rückzug mit unüberbrückbaren Meinungsverschiedenheiten im Vorstand des Kinderhilfswerks.
In seiner jetzigen Zusammensetzung sei der Vorstand nicht bereit, für transparente Finanzstrukturen zu sorgen, erklärte die 64-Jährige nach einer Krisensitzung in Frankfurt. "Von daher ist eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen der Vorsitzenden und dem Vorstand unmöglich geworden", heißt es in einer schriftlichen Erklärung von Simonis. Das Kinderhilfswerk erklärte, Simonis wolle mit ihrem Rücktritt "Unicef einen Neuanfang erleichtern".
Unicef Deutschland steht seit Monaten in den Schlagzeilen. Dem Geschäftsführer Dietrich Garlichs war Verschwendung von Spendengeldern vorgeworfen worden. Er soll externe Berater zu großzügig honoriert haben. Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt wegen des Anfangsverdachts der Untreue. Nach der Überprüfung der Vorwürfe durch eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hatte der Vorstand des Kinderhilfswerks Garlichs jedoch das Vertrauen ausgesprochen. Die Gutachter hatten festgestellt, dass es keinerlei Hinweise auf Unregelmäßigkeiten, persönliche Vorteilsnahme oder Bereicherung gebe. Allerdings bemängelten sie auch Verstöße gegen Ordnungsregeln bei der Vergabe und Kontrolle von Transaktionen.
Simonis hatte noch Mitte vergangenen Monats erklärt, sie sei nicht amtsmüde und wolle weiter für eine uneingeschränkte Finanztransparenz bei dem Kinderhilfswerk kämpfen. Dabei sah sie viele ehrenamtliche Mitarbeiter auf ihrer Seite. Die Mitarbeiter forderten mehr Transparenz bei den Spendeneingängen und eine bessere Kontrolle der Geschäftsvorgänge bei Unicef, erklärte die frühere Regierungschefin jetzt. Verstöße bei der Vergabe, Durchführung und Kontrolle von Transaktionen müssten künftig ausgeschlossen sein. "Der Vorstand in seiner jetzigen Zusammensetzung will sich diesen Aufgaben ganz offensichtlich nicht stellen", kritisierte Simonis. "Unsere Ansichten divergieren in unüberbrückbarer Weise." Daher habe sie sich entschlossen, das Amt niederzulegen.
Simonis war seit dem 1. Januar 2006 ehrenamtliche Vorsitzende von Unicef Deutschland. Ihre Nachfolge übernehme für eine Übergangszeit der frühere Vorsitzende Reinhard Schlagintweit, teilte die Organisation mit.
Schleswig-Holsteins SPD-Vorsitzender Ralf Stegner bedauerte den Rücktritt von Simonis. Er zeige die "besondere Integrität" der früheren Kieler Regierungschefin. "Denn sie hat ja nichts zu tun mit den Dingen, die UNICEF ins Gerede gebracht haben. Sie hat aber mit diesem Rücktritt gezeigt, dass sie das Wohl der Organisation vor ihre eigenen Belange stellt, und so ein Neuanfang möglich ist." Der SPD-Landesvorsitzende äußerte er die Hoffnung, dass der Schritt von Simonis "hoffentlich ein Beispiel für diejenigen darstellt, die im Gegensatz zu ihr den Schlamassel verursacht haben".