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Wortlaut: "Diese Arroganz ist menschenverachtend"

Ein Brief der früheren Unicef-Chefin Schippers.

"Sehr geehrte Frau Simonis,

mit großem Bedauern habe ich von Ihrem Rücktritt von Unicef Deutschland gehört. Besonders verwirrend war der Grund: Sie möchten den Weg frei machen für einen Neuanfang in der Führungsspitze, für den gerade Sie der Hoffnungsträger waren. (…) Aber Sie haben für deren Beseitigung nicht mit Widerstand aus den eigenen Reihen gerechnet, konnten Sie auch kaum. Sie waren seit kurzem Vorsitzende eines Vorstands, den Sie sicherlich bisher als offen und partnerschaftlich kennengelernt haben. Je mehr jedoch ans Tageslicht kommt, desto enger schließt dieser Vorstand mit dem ins Zwielicht geratenen Geschäftsführer auf. Warum? (…) Weil er als Genehmigungs- und Kontrollorgan versagt hat; das Aufsichtsorgan einer Hilfsorganisation, amtszeit- und meinungsmäßig in Erz gegossen; der Geschäftsführende Vorstand, von Ihrem Vorgänger abgesehen, seit über 25 Jahren in dieser Konstellation tätig. (…)

Ein Vorstand, der die Geschäftsführung einer hochsensiblen Hilfsorganisation zulässt, die sich auf diese Art angreifbar macht, ist selbst angreifbar. Daher, wie gesagt, der überbetonte Schulterschluss, zur Abwehr von Eingeständnis und Statusverlust zwingend. Unverständlich bleibt für mich nach wie vor, wie Arroganz und die Abwesenheit jeglicher Sensibilität bei denen, die Vorbild sein sollten, die juristischen Tatbestände über die moralisch-ethischen stellen. Das ist gegenüber denjenigen, die gerade wegen dieser ethischen Werte an Unicef geglaubt haben, menschenverachtend. Ein deutliches Licht auf die Diskrepanz zwischen innerer und äußerer Haltung von Vorstand und Geschäftsführung werfen Zitate (…) für die Presse solle man sich "positive Aussagen" überlegen und man müsse nicht zu sehr "in Sack und Asche" gehen.

(…) Die maßlose Enttäuschung, die bei den 8000 ehrenamtlichen Helfern, in den Medien, bei den Spendern und in der Öffentlichkeit entstanden ist und den Schaden, der für Unicef und alle anderen in der Entwicklungshilfe tätigen Organisationen unseres Landes entstanden ist, haben nicht Sie zu verantworten, sehr geehrte Frau Simonis, wie Sie selbst ja am besten wissen. Ich bedaure nur, dass man Sie so in die Enge getrieben hat, dass Sie aufgeben mussten. Ich kann Sie aber, aus eigener Erfahrung wie gesagt, gut verstehen.

Einen wahrhaftigen, ehrlichen Neuanfang bei Unicef Deutschland kann es nur geben, wenn Vorstand und Geschäftsführung geschlossen zurücktreten.

Ich grüße Sie herzlich,

Katharina Schippers"

Katharina Schippers war von 1982 bis 1988 Geschäftsführerin des Deutschen Komitees für Unicef und damit die direkte Vorgängerin des jetzigen Geschäftsführers Dietrich Garlichs.

Datum:  6 | 2 | 2008
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