Aktuell: Fußball-EM 2016 | US-Wahl | Flüchtlinge in Deutschland und Europa | Zuwanderung Rhein-Main
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

US-Wahl
Berichte, Analysen, Kommentare zur US-Präsidentschaftswahl 2016

08. Dezember 2015

Terroralarm: Mit Sprengstoff ins Flugzeug

 Von Sebastian Moll
Allein für die Gepäckkontrolle habe die TSA seit 2008 zwei Milliarden Dollar ausgegeben, heißt es in dem Artikel des Time-Magazines.  Foto: REUTERS

Korrupt, teuer, ineffizient: Die Sicherheitskontrollen an US-Flughäfen können in den wenigsten Fällen verhindern, dass jemand mit Sprengstoff oder Waffen ins Flugzeug kommt. Bei der Flugsicherheitsbehörde reiht sich eine Fehlinvestition an die andere.

Drucken per Mail

Amerika ist derzeit wieder einmal unter Terroralarm. Seit der sogenannte „Islamische Staat“ (IS) bei der Schießerei von San Bernadino erstmals Präsenz in Nordamerika gezeigt hat, ist das Land in heller Aufruhr. Allerorten werden noch schärfere Sicherheitsmaßnahmen und noch bessere Abwehrmaßnahmen gefordert. Die Diskussion darüber, wie effektiv die bisherigen Schritte waren im Kampf gegen den Terror, der seit 2001 das ganz Land in Atem hält, gerät bei all dem Aktivismus jedoch wieder einmal in Vergessenheit.

Dabei würde es den Überlegungen, wie man überhaupt sinnvoll den Terror bekämpfen kann, guttun, zu schauen, was funktioniert und was eben nicht. Dabei fällt die Bilanz mitunter ernüchternd aus.

So deckte das „Time-Magazine“ in dieser Woche auf, dass die immens teuren und aufwendigen Sicherheitskontrollen an US-Flughäfen, die nach 2001 installiert wurden, kaum dazu angetan sind, echte Gefahren zu erkennen und abzuwehren. In einer internen Untersuchung, die „Time“ zugänglich gemacht wurde, kamen Prüfer in 96 Prozent aller Fälle mit Sprengstoff oder Waffen ungehindert ins Flugzeug. Sogar Bomben in Taschen rutschten unbemerkt durch die je 1,3 Millionen Dollar teuren Scanner.

Der Artikel zeichnet die Flugsicherheitsbehörde TSA als eine vollkommen dysfunktionale Organisation. „Die TSA hat seit 2008 zwei Milliarden allein für die Gepäckkontrolle ausgegeben. Die Sicherheit hat sich dadurch jedoch praktisch überhaupt nicht verbessert.“ Als Grund dafür nennt „Time“ die Hast, mit der die Behörde 2001 ins Leben gerufen wurde. Der Kongress gab ihr damals genau ein Jahr, um an amerikanischen Flughäfen flächendeckende Sicherheits-Checks zu installieren. „Es war eine unmögliche Aufgabe“, sagt heute einer der Senatsbeauftragten, die damit betraut wurden.

Damit die Organisation so schnell installiert werden konnte, wurden alle möglichen bürokratischen Hindernisse aus dem Weg geräumt. Die TSA bekam die völlige Freiheit, ohne Aufsicht Gelder auszugeben und Verträge abzuschließen. Laut „Time“ eine katastrophale Entscheidung: „Wann immer eine Behörde derartige Freiheiten erhält, endet das im Desaster“, sagte der Jura-Professor Steven Schooner, Experte für Staatsbudgetierung.

Trips auf die Virgin Islands

So reihten sich von Anfang an eine Fehlinvestition und Verschwendung an die andere. Die Vorstellungsgespräche für die rund 60 000 neuen Angestellten wurden an angenehmen Orten wie den Virgin Islands in der Karibik geführt. Kostenpunkt für den Steuerzahler: ca. 300 Millionen Dollar. Für 30 Millionen Dollar wurden sogenannte „Puffer“-Scanner gekauft, ohne dass ihre Effektivität geprüft wurde. Sie stellten sich als nutzlos heraus. Vor allem jedoch erlaubte der Mangel an Aufsicht der Behörde die Einstellung von unterbezahltem, inkompetenten Personal. „Die TSA-Angestellten“, so der Bericht, „haben die schlechteste Moral und die höchste Kündigungsrate aller Regierungsbediensteten.“ Ganz abgesehen davon schafften es 73 Personen in den TSA-Dienst, die auf der Liste der Terrorverdächtigen der Heimatschutzbehörde stehen.

Für eine Reform der Behörde gibt es laut „Time“ kein politisches Interesse. „Solange sich die Politiker darüber streiten, wie man TSA reformieren kann, bekommen sie Wahlkampfspenden sowohl aus dem Sicherheitssektor als auch von den Gewerkschaften.“ Und so müssen sich Flugreisende in den USA auch weiterhin mit einem Sicherheitsapparat herumschlagen, der viel kostet, extrem unangnehm ist und praktisch nichts bringt.

[ Wie wollen wir wohnen? Die neue FR-Serie - jetzt digital oder gedruckt vier Wochen lang ab 19,50 Euro lesen. Hier geht’s zur Bestellung. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Caucus, Primary, Convention

Leitfaden für die US-Präsidentschaftswahl

Am 8. November 2016 ist Präsidentschaftswahl in den USA.

Vorwahlen, Super Tuesday, Convention, October Surprise, Swing States, Electoral College: Die wichtigsten Begriffe zur US-Präsidentschaftswahl. Mehr...

Videonachrichten US-Wahl
US-Wahlblog 2016

Daniel Haufler und Damir Fras berichten für uns über die US-Präsidentschaftswahlen - hier und in ihrem Blog zur US-Wahl.

US-Wahl 2016

Der Terminplan

Der Weg zum Duell ums Weiße Haus ist lang: Wichtige Termine im US-Wahlkalender. Mehr...

Animation
Michelle Obama kann nicht bis zum Wahltag warten. Sie hat schon ihre Stimme abgegeben.

Hier erfahren Sie, wie das Verfahren mit den Wahlmännern funktioniert und was hinter dem Prinzip "The winner takes it all" steht.

Quiz

Wer war der erste US-Präsident, der einen Truthahn begnadigte? Was ist der Coolidge-Effekt ist? Wer war die erste Frau, die ins Weiße Haus wollte? Finden Sie’s heraus!

Interaktive Grafik

So schnitten Obama und Romney in den einzelnen Bundesstaaten ab - unsere interaktive Grafik zeigt alle Ergebnisse. Außerdem: Wie sich Obama und Romney zu den wichtigsten Wahlkampfthemen positionierten, die Lebensläufe und weitere News.

ANZEIGE
- Business
- Kauftipps!